Schlagwort-Archive: Feminismus

Hinweis auf Video der Geschlechter-Debatte mit Eckart Voland und mir beim Humanistischen Salon Nürnberg – Feminismus vs. Biologie? (4)

Diskussion im Humanistischen Salon Nürnberg am 21.1.18, Foto: Karin Becker

Unverhofft gibt es mich und meine Gedanken zu Geschlecht, Feminismus und Biologie inzwischen auch bei Youtube zu sehen und zu hören (siehe unten). Geplant war das nicht. Es hat sich vielmehr im Januar durch den krankheitsbedingten Ausfall einer Referentin so ergeben, dass plötzlich ich zusammen mit Prof. Dr. Eckart Voland auf dem Podium saß bei der Veranstaltung „Zwischen ‚Biologismus‘ und ‚Gender-Wahn‘? – Geschlechterverhältnisse zwischen biologischer und sozialer Identität.“

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Statt Kutschera: Über Güntürkün, Bischof-Köhler & die Notwendigkeit einer progressiven Beschäftigung mit Geschlecht, Verhalten & Biologie – Feminismus vs. Biologie? (3)

In einem erstaunlich einflussreichen Teil des progressiven Lagers meint man zu wissen, dass biologische Geschlechtsunterschiede im Verhalten nichts weiter sind als politisch motivierte Halluzinationen vom rechten Rand. Der einzige Grund sich mit biologischen Ursachen von Verhaltensunterschieden zwischen Frau und Mann zu beschäftigen – so glaubt man – ist eine reaktionäre Weltsicht und der Wunsch, sozialen Fortschritt zurückzudrehen – etwa die Erfolge der Frauenbewegung oder die Emanzipation der LGBTs.

Nun ist es – wie immer bei Vorurteilen – natürlich so, dass sich Individuen finden lassen, die sie zu bestätigen scheinen. Und für das biophob-linke Lager ist es Professor Ulrich Kutschera, der ihnen den Gefallen tut, ihre Ressentiments geradezu ideal zu verkörpern. In Teil 1 und Teil 2 meiner kleinen Serie über Biologie und Feminismus konnte ich, denke ich, deutlich machen, dass er es mit seiner konservativen Panikmache durchaus schafft auch mich auf die Palme zu bringen.

Doch sind Kutscheras anti-linken Gefühlswallungen repräsentativ für alle, die über die biologische Komponente von Geschlechtsunterschieden reden und forschen wollen? Verbindet sich ein Interesse an Biologie, Geschlecht und Verhalten immer mit einer Ablehnung progressiver Ziele?

Nein, natürlich nicht! Ich würde sogar behaupten, dass man an diesem Vorurteil nur festhalten kann, wenn man jeder Begegnung mit realen Forscherinnen und Forschern auf diesem Gebiet konsequent aus dem Weg geht. Wenn man sie dämonisiert und meidet.

Doch nicht mit mir! Ich möchte die Aufmerksamkeit hier auf die beiden biophilen Psychologie-Professoren Onur Güntürkün und Doris Bischof-Köhler lenken. Sie sind für mich Beispiele nicht nur dafür, dass sich das Interesse und die wissenschaftliche Beschäftigung mit biologischen Ursachen für Geschlechtsunterschiede offensichtlich sehr gut mit sozialer Offenheit und emanzipatorischen Gedanken verträgt, sondern auch dafür, dass das Wissen über die biologischen Aspekte besonders von jenen dringend benötigt wird, die progressive Ziele erreichen wollen. Denn gerade wer gesellschaftlich etwas ändern will, muss doch die Ursachen der kritisierten Verhältnisse genau kennen.

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Rezension: Über Kutscheras & Meyers politische Weltsicht und die Notwendigkeit offener Debatte – Feminismus vs. Biologie? (2)

Nach meinem durch die Linné-Debatte ausgelösten Artikel für das Laborjournal, möchte ich das Thema Feminismus vs. Biologie hier im Blog fortführen und endlich die Rezension der Bücher von Meyer und Kutschera nachholen. Denn „Adams Apfel und Evas Erbe“ und „Das Gender-Paradoxon“ warteten jetzt ein ganzes Jahr auf meinem Schreibtisch darauf, besprochen zu werden.

Ich hatte mich ursprünglich auf die Bücher gefreut, weil mich als Linksliberale und Biologin schon lange stört, dass sich feministische Ziele mit einer ausgeprägten Biologiefeindlichkeit verbunden haben. Doch in den Büchern der beiden Biologen  wartete für mich ebenfalls Enttäuschung. Und ich wusste lange nicht wie ich damit umgehen sollte.

Denn natürlich sind die biologischen Fakten wichtig, aber ich empfand Meyers Ansichten darüber hinaus als rechtsliberal einseitig und Kutscheras Buch als ein konservativ-apokalyptisches Polemikgestrüpp. Und der Doppelfrust über biologieverleugnende Feministinnen und Feminismus-verachtende Biologen senkte meine Motivation mich dazu zu äußern letztes Jahr drastisch.

Doch ich konnte das Thema auch nicht ad acta legen und es quälte mich. Aber inzwischen denke ich, dass die Auseinandersetzung damit mich weitergebracht hat. Sie diente der Klärung, wo ich selbst stehe in der Beurteilung des Konflikts zwischen Feminismus und Biologie. Oder in dem Fall eher: Wo ich nicht stehe.

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Mein LJ-Artikel: „Vom Feminismus geächtet, vom Rechtspopulismus umarmt“ – Feminismus vs. Biologie? (1)

Ich habe für die aktuelle Ausgabe des Biologenmagazin Laborjournal über die Rolle der Biologie in der Geschlechterdebatte geschrieben. Anlass ist die Aufregung um ein Zusatzschild für die Freiburger Linnéstraße, das bundesweit für Kommentatoren rechts der politischen Mitte zu einem Symbol genderfeministischer Gefahr geworden ist.

Ich ergründe in dem Artikel, warum Carl von Linné Sexismus vorgeworfen wird und ob das aus biologischer Sicht gerechtfertigt erscheint. Außerdem plädiere ich dafür, sowohl die Bewertungen von linken Feministinnen mit Vorsicht zu genießen wie auch die der selbsternannten Wissenschaftsverteidiger rechts der Mitte:

Vom Feminismus geächtet, vom Rechtspopulismus umarmt

Beim Thema Geschlecht/Gender herrscht eine ungesunde politische Polarisierung. Sollte sich die Biologie gegen die Unterstellungen einer biophoben linken Ideologie wehren? Ja! Aber bitte ohne sich blind von rechts der Mitte vereinnahmen zu lassen. Weiterlesen –>> im Laborjournal-Heft 20017-05, S. 16 oder in der E-Paper-Ausgabe

Dies ist zugleich der erste Beitrag der geplanten Blog-Serie „Feminismus vs. Biologie?“

Ist die Gleichheit der Geschlechter gegen die Natur?

Dieser Text erschien im Juli 2015 im gemeinsamen Nachrichten-Portal von web.de, gmx und 1&1. Weil der Blogbereich dort jedoch im April 2018 eingestellt wurde, gibt es den Beitrag jetzt hier im Volltext (vorher waren hier nur Teaser und Link).

Für die einen sind Mann und Frau von Natur aus sehr unterschiedlich und sollen es auch sein. Für die anderen dagegen ist der natürliche Unterschied winzig und irrelevant. Ich habe lange gebraucht um rauszufinden, dass beide Unrecht haben.

Geschlechtsunterschiede sind eine heikle Sache. Was folgt daraus, dass es sie gibt? Das wird je nach politischem Lager sehr unterschiedlich beantwortet. Rechts der Mitte hält man sie eher für groß und bedeutsam. Links der Mitte dagegen hält man sie
eher für klein und irrelevant.

Als Biologin dachte ich deshalb lange: Es kann doch nicht so schwer rauszufinden sein, wie groß die Unterschiede wirklich sind. Man muss nur ein paar gute Studien machen und schon kann man entscheiden, wer von beiden recht hat: Die rechts oder die links von der Mitte.

Studien entscheiden nichts

Heute aber ist mir klar, dass es beiden Seiten darum gar nicht geht. Denn es gibt jede Menge Studien. Aber die entscheiden nichts. Denn es geht nicht um Fakten, sondern um Werte. Nicht um einen objektiven Vergleich der Geschlechter. Sondern darum, welches
Ideal wir anstreben. Wie die Geschlechter zueinander stehen sollten. Sprich: um Moral.

Dass die beiden Lager die natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau entweder als groß oder als klein einschätzen, schließen sie nicht aus Studien, sondern aus dem, was in ihrer Weltsicht wünschenswert ist. Für konservative Seelen bedeuten Geschlechtsunterschiede nur Gutes. Sie klingen nach altbewährten Traditionen, nach Gottes Segen und nach der natürlichen Ordnung der Welt. Deswegen suchen sie nach Beweisen, dass diese Geschlechtsunterschiede ganz natürlich auftreten und für alle gültig sind.

Für Leute, deren Herz eher links schlägt, ist es genau umgekehrt. Ihr Ziel ist größtmögliche Geschlechter-Gleichheit. Denn das klingt nach einer gerechteren Welt, nach sozialem Fortschritt und einem besseren Leben für alle. Deswegen suchen sie nach Beweisen, dass
Geschlechtsunterschiede bei allen Leuten klein sind und dass sie außerdem veränderbar sind oder zumindest ignorierbar.

Ich persönlich empfinde inzwischen beide Haltungen als schwierig und problematisch. Denn beide tun bestimmten Leuten unrecht. Und das liegt daran, dass jedes Lager einen charakteristischen Teil der Realität ausblenden. Und das liegt daran, dass die Fakten
weder zur einen noch zur anderen Weltanschauung passen.

Unterschiede sind rein statistisch

Die Konservativen haben recht, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Aber sie haben nicht recht, wenn sie meinen, dass das für jeden Mann und jede Frau gültig ist. Denn die Unterschiede, die sich in Studien zeigen, sind rein statistisch. Das heißt, wenn man einen beliebigen Mann und eine beliebige Frau rausgreift aus der Masse, kann der individuelle Unterschied zwischen ihnen sehr groß sein, aber er kann auch verschwindend klein sein.

Ungerecht wird das für die, bei denen die Fakten nicht zu den Werten passen. Frauen, die natürlicherweise Eigenschaften und Wünsche haben, die in konservativer Sicht Männern vorbehalten sein sollten, haben es schwer in einer konservativen Umgebung. Gleiches gilt für Männer, die von ihrer Natur her eher Interessen haben, die als weiblich gelten. Und ein Paar, das sich sehr ähnlich ist in allem, von der Körpergröße bis zu den Interessen, müsste
– um konservativen Idealen zu genügen – Unterschiede zwischen sich künstlich vortäuschen.

Für diese Leute ist die linke Weltsicht natürlich eine Befreiung. Sie entkommen dem Druck in traditionelle Schubladen gepresst zu werden, in die sie von ihrer Natur her nicht passen. Aber die linke Sicht ist eben nicht für alle eine Befreiung. Im Gegenteil. Die, die am
anderen Ende der Geschlechtsunterschiede sind, empfinden das linke Ideal der Gleichheit zwischen den Geschlechtern ihrerseits ebenfalls als Zwang.

Befreit euch von den Erwartungen!

Männer und Frauen, deren natürliche Geschlechtsunterschiede stärker ausgeprägt sind, haben eine harte Zeit im linkem Milieu, wenn sie ihren Interessen folgen wollen. Denn es wird immer angenommen, dass sie den falschen Werten folgen. Es gilt als nicht möglich, dass sie mit dem, was sie tun, nur ihrer Natur folgen. Es gilt schließlich als sexistisch, anzunehmen, dass Frauen etwas von Natur aus eher wollen. Oder dass Männer sich von Natur aus mehr für etwas Bestimmtes interessieren. Denn Geschlechtsunterschiede sind ja per Definition klein und irrelevant. Dass sie auch mal größer sind, das kann es nicht geben, weil es es nicht geben darf.

Angesichts dieser doppelten Ungerechtigkeit wäre es an der Zeit für einen dritten Weg. Oder? Denn Freiheit bedeutet, der eigenen Natur entsprechend leben zu dürfen. Finde ich zumindest. Für manche besteht die Befreiung darin, die klassischen Erwartungen an ihr Geschlecht zurückzuweisen und nicht zu erfüllen. Weil es nicht in ihrer Natur liegt. Für andere dagegen ist es eine Befreiung, wenn sie endlich so leben dürfen, wie es ihnen ihre Natur sagt – auch wenn das dem totalen Geschlechter-Klischee entspricht. Sie sind Blogger/Bloggerin und möchten Ihre Beiträge gern bei uns veröffentlichen?

Warum die Hunt-Affäre so polarisiert? – Symptome einer verschleppten, tabuisierten Debatte.

Auch Wochen nach dem Fall Hunt lassen mich die von ihm aufgeworfenen Fragen nicht los:

Sind Hunts Äußerungen  nun ein typischer Fall von schmuddeligem Sexismus und wurden zu Recht mit dem Verlust repräsentativer Funktionen beantwortet, weil wir so etwas in unserer Kultur heute nicht mehr dulden?

Oder war im Gegenteil die Reaktion auf seine Äußerungen überzogen und Hunt wurde das Opfer von feindbildgetriebenen Feministinnen, die jegliche Abweichung von ihrer Ideologie mit öffentlicher Demütigung bestrafen? Warum die Hunt-Affäre so polarisiert? – Symptome einer verschleppten, tabuisierten Debatte. weiterlesen

Endlich! Ein Feminismus für die Hausfrau (und die Biologin)

Ich bin damit aufgewachsen den Feminismus als wichtige zivilisatorische Errungenschaft anzusehen, auf Augenhöhe mit Demokratie, Meinungsfreiheit und Gewaltenteilung. Trotzdem kann ich mich kaum noch mit dem identifizieren, was heute so unter Feminismus läuft. Als (fast) Hausfrau kann ich mit seinen Zielen nichts anfangen und als Biologin mit seinen Grundannahmen genauso wenig.

Aber gestern schöpfte ich Hoffnung, dass es doch wieder einen Feminismus geben könnte, wie ich ihn mir vorstelle. Und diese Hoffnung ereilte mich ausgerechnet bei der Lektüre von Christians Alles Evolution-Blog, wo in Sachen Feminismuskritik jeden Tag die Fetzen fliegen. Endlich! Ein Feminismus für die Hausfrau (und die Biologin) weiterlesen