Geliebtes Feindbild Gentechnik – mein Kommentar zu „Die Propaganda-Schlacht um die Gentechnik“

Es gibt etliche Reaktionen auf meinen Text Ist Gentechnik schädlich?, die sinngemäß sagten: Auch wenn die Gentechnik selbst nicht gefährlich wäre, ist meine Ablehnung dennoch rational. Es ist doch schließlich so vieles schlecht, was mit ihr zusammenhängt.

Dieser populistischen Logik  folgt leider auch die ARD-Doku „Die Propaganda-Schlacht um die Gentechnik“. Um das Feindbild  zu bestätigen, reicht es offenbar aus, Gentechnik in nur ganz lose Assoziation zu bringen mit Dingen, die alle empören. Ob die einzelnen Vorwürfe stimmen, ist offenbar auch vollkommen egal.

Wer sich die Kommentare zu meinem Text hier in der Wissensküche durchliest, entdeckt eine bestimmte Art von Argumentation immer wieder. Auch über Twitter erreichte sie mich. So schrieb mir Iris Rohmann:

Sie spricht durchaus Sachen an, die auch ich problematisch sehe. Wie ich aber auch in der Diskussion mit den Kommentatoren hier ständig betone, sind sie weder verursacht von Gentechnik, noch gab oder gibt es sie ausschließlich im Bündel mit Gentechnik. Die angesprochenen Problembereiche in der Landwirtschaft existierten vielmehr schon vor Einführung der ersten GV-Pflanzen und würden nach einem von den Gegnern angestrebten Verbot dieser Pflanzen weiterbestehen. Deswegen ging unser Gespräch so weiter:

Ich antwortete:

Woraufhin sie auf eine Doku verwies, die am Dienstag vor einer Woche auf ARD lief:

Ich musste feststellen, dass der Beitrag tatsächlich – wie von ihr angekündigt – der gleichen Art von Argumentation folgt.

Der Film scheint die Saatgut- und Pflanzenschutz-Branche kritisch unter die Lupe zu nehmen. Er scheint auf einige wichtige Probleme hinzuweisen, die mit Gentechnik in Zusammenhang stehen (Lobbyarbeit der Branche in Brüssel, ihre vollmundigen Werbeversprechen, die auftretenden Resistenzen gegen Herbizide sowie das eingebaute BT-Gen und ungeklärte Krankheitsfälle in Argentinien). Und er gibt den Zuschauern damit das Gefühl, dass sie die Gentechnik aufgrund der gezeigten Sachlage vollkommen zu Recht ablehnen.

Hat mich das endlich überzeugt?

Nein. Ich muss sogar leider sagen, dass ich den Film irreführend und unseriös fand. Was Iris Rohmann sehr verwunderte:

 

Böse, weil als Lobby tätig?

Warum ich dem Film nicht zustimme, etwa beim Anprangern der Lobbyarbeit, könnte vielleicht sogar einigen Leuten erklärungsbedürftig erscheinen, die mich kennen. Denn der Film greift damit ja ein Thema auf, das sonst durchaus zu meinen Lieblingsaufregern zählt.

Ja, wirklich, ich kann mich sehr darüber ereifern, wenn durch Lobbygruppen ein Einfluss auf die Politik ausgeübt wird, durch den ich meine Bürger-, Verbraucher- oder Patienteninteressen gefährdet sehe.

Was also ist hier anders? Warum empört mich hier auf einmal die Machart des Filmes mehr als das Verhalten einer Industrie, die ihre ökonomischen Interessen gegen die Wünsche der Verbraucher durchzusetzen versucht?

Ganz einfach: weil die Rollen von David und Goliath hier vertauscht sind und ich von seriösem Journalismus erwarte, dass er das merkt.

Wenn ich von einer Goliath-Branche höre, die mit beinahe unbegrenzten Geldmitteln  täglich Politikermeinungen massiert und kaum jemand erfährt, welche Nachteile das für uns als Bevölkerung hat, dann macht mich das normalerweise wütend.

Beim Thema Gentechnik weiß ich aber, dass dieses Bild die Sachlage so gar nicht trifft  – auch wenn der Film dies suggeriert. Es wird viele irritieren, aber im Falle der Gentechnik sind die politischen Machtverhältnisse sogar genau umgedreht.

Der dominierende Meinungs-Goliath in Sachen Gentechnik ist eine beeindruckend schlagkräftige Koalition von inner- und außerparlamentarischen Kräften von den Grünen bis zu Greenpeace, die mit viel öffentlicher Sympathie und Unterstützung jegliche Gentechnik in der Landwirtschaft bekämpft.

Sicher sind die Firmen der Grünen Gentechnik mit ordentlich Geld ausgestattet um zu versuchen, diesen Widerstand aufzuweichen. Aber in ihrer Wirkung ist die Branche trotzdem eindeutig in der David-Rolle. Denn ihre Lobbyisten treffen auf Politiker, die nur hilflos mit den Achseln zucken können, weil es für sie politischer Selbstmord wäre, sich für Pflanzen-Gentechnik einzusetzen.

In den Augen einer Mehrzahl von Deutschen ist eine Partei schließlich überhaupt nur noch wählbar, wenn sie gegen Gentechnik ist. In Deutschland gab es im Europawahlkampf deshalb, so weit ich weiß, keine (!) Partei mehr, die sich vorbehaltslos pro Gentechnik in der Landwirtschaft eingesetzt hätte. Und das, obwohl aus wissenschaftlichen Gründen wie gehabt nichts gegen gentechnische Zuchtmethoden spricht.

Auch die wirtschaftsfreundlichsten politischen Kräfte der Republik haben inzwischen die für sie bittere Pille schlucken müssen, dass sie sich in diesem Thema nicht gegen den Meinungs-Mainstream stellen können ohne empfindlich abgestraft zu werden auf den Wahlzetteln.

Denn genügend vielen Leuten ist es so wichtig, keine gentechnisch veränderten Organismen zu essen, dass sie nicht nur Petitionen unterzeichnen und  demonstrieren, nicht nur Geld spenden und Bio kaufen, um davor sicher zu sein, sondern dass sie ihr Kreuzchen bei der Wahl genau von diesem Thema abhängig machen.

Lediglich die politisch eh gerade auf Selbstmord programmierte FDP wagte es daher im Europawahlkampf „nur“ eine Kennzeichnungspflicht zu fordern. Alle anderen Parteien beteuerten, sich für eine Opt-Out-Regelung einsetzen zu wollen, die es einzelnen EU-Ländern erlauben soll, Gentech-Pflanzen auf eigenem Gebiet zu verbieten, auch wenn sich diese in allen Tests als unbedenklich erwiesen haben.

Ein Tweet von Ende Mai fasste die Haltung der Bundeskanzlerin und ihrer (sonst ja eher wirtschaftsfreundlichen CDU) sehr gut zusammen und zeigt, dass selbst den Politikern, die durchaus ein offenes Ohr für die Branche hätten,  die Hände gebunden sind: 

Versteht mich bitte nicht falsch: Auch vor diesem Hintergrund kann es sinnvoll sein zu berichten, dass hier Firmen versuchen ihre ökonomischen Interessen gegen die Wünsche der Bevölkerung durchzusetzen. Das ist schließlich in einer Demokratie nicht wünschenswert.

Aber wer diese Lobbytätigkeit zeigt, ohne gleichzeitig zu zeigen, wie steinhart gefroren der Boden für diese Bemühungen heutzutage ist, der liefert seinen Zuschauern ein völlig verzerrtes Bild der Wirklichkeit.

Die in Sachen Gentechnik tätige Branchen-Lobby wäre sicher selbst gern der Goliath, den andere ihn ihr sehen, aber momentan ist sie in diesem Kampf – so ungewohnt sich das auch für mich anfühlt – tatsächlich eher der David.

Damit will ich übrigens auf keinen Fall ausdrücken, dass ich diese Firmen in irgendeiner Weise für die Guten halte, sondern nur, dass sie es sind, die gerade auf ziemlich aussichtslosem Posten kämpfen.

Ich muss zugeben, dass ich bei dem Titel der Doku „Die Propaganda-Schlacht um die Gentechnik“ kurz die Hoffnung hatte, dass sich hier mal ein Filmteam die Mühe gemacht hätte, die PR-Maschinerie beider Propaganda-Akteure genau zu analysieren.

Beider? Ja, beider. Denn es sind ja in Wahrheit zwei Akteure, die um die Gunst von Politik und Öffentlichkeit ringen. Klar sind auf der einen Seite die Firmen, die ihre Produkte auch in der EU frei verkaufen wollen. Aber die derzeit viel mächtigere Lobby steht doch auf der anderen Seite.

Nicht erst seit diesem Beitrag frage ich mich: Warum sind Medien und Öffentlichkeit gegenüber dieser zweiten Lobby nicht genauso kritisch wie gegenüber der ersten?

Wovon ich rede? Na, von den nationalen und internationalen Umweltorganisationen. Sie entfalten ihre Hauptwirkung sicher weniger durch Gespräche mit Politikern, sondern eher durch direkte Ansprache der Bevölkerung mit Hilfe einer inzwischen sehr professionellen PR.

Diese PR wird aufgenommen von einer Öffentlichkeit und von Medienvertretern, die diese Informationen für außerordentlich vertrauenswürdig halten. Das Vertrauen ist sogar so groß, dass diese Lobby meist überhaupt nicht als Lobby wahrgenommen wird geschweige denn, dass ihre Macht reflektiert wird.

Ich kann mir das nur so erklären, dass die Umweltorganisationen in den Augen der meisten einfach die Interessen der Bevölkerung vertreten. Sie werden von Medienvertretern und Öffentlichkeit offenbar ganz allgemein als neutral angesehen. Als die, die eben Alarm schlagen, wenn Gefahr droht für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen.

Dabei sind Umweltorganisationen doch ganz klar Gemeinschaften mit einem ganz bestimmten Weltbild und mit eigenen Interessen. Genauso wie andere Akteure des öffentlichen Lebens mit einiger Meinungsmacht, wie etwa Kirchen, Gewerkschaften oder Sozialverbände.

Journalismus sollte in meinen Augen jedenfalls nicht nur gegenüber Politikern und Unternehmen Distanz waren und Quellenkritik üben, sondern auch gegenüber all diesen großen außerparlamentarischen Kräften.

Keinesfalls dürfen doch Aussagen dieser Organisationen einfach so und völlig unreflektiert gleichgesetzt werden mit dem allgemeinen, öffentlichen Interesse. Aber genau das tut der Beitrag.

Dabei kritisiere ich ja noch nicht mal, dass die journalistischen Beobachter hier für eine Seite der „Propagandaschlacht“ Partei ergreifen. Ich finde, Journalismus darf Partei ergreifen, wenn er das transparent macht. Aber ich finde es erschreckend, wenn er noch nicht mal zu merken scheint, dass er es tun.

Böse, weil in der Werbung zu vollmundig?

Der zweite Vorwurf des Beitrags „Die Propaganda-Schlacht um die Gentechnik“ ist, dass die Pflanzen-Gentechnik-Industrie  in ihren Image-Videos vollmundige Versprechen macht, die sie gar nicht halten kann.

Um zu widerlegen, dass die Gentechnik eine solche Supertechnologie ist, wie es die Firmen in der Werbung behaupten, flog das Film-Team in unterschiedliche Länder, um Beispiele vom Versagen der GV-Sorten zu filmen.

So bekommen wir in Südamerika GV-Maiskolben und GV-Baumwolle gezeigt, die zerfressen sind von Insekten. Von Tieren, bei denen offensichtlich das gentechnisch integrierte Insekten-Mittel versagt, weil die Viecher resistent dagegen sind.

Und auf einem amerikanischen Acker wird uns Zuschauern eine Unkraut-Art gezeigt, die genauso unbeeindruckt vom Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist, wie die herbizid-toleranten GV-Soja-Bohnen, zwischen denen es wächst.

Weil das Thema Resistenzen so überhaupt nicht erklärt wird im Beitrag, entsteht beim Zuschauer der Eindruck, Resistenzen seien etwas Neues, Unnatürliches, was durch den Einsatz von Gentechnik erst ausgelöst werde.

Und der betroffene Bauer schimpft dazu vor der Kamera auf die Hersteller, die ihn belogen hätten mit der Behauptung, gegen die neuen GV-Sorten könnten gar keine Resistenz entstehen.

Haben die Firmen ihn belogen? Vielleicht haben sie das. Wenn Vertreter für Saatgut und Pflanzenschutzmittel im Verkaufsgespräch so was behauptet haben, wäre das natürlich irreführend. Und es trägt sicherlich nicht zur langfristigen Kundenbindung, wenn man Landwirte auf diese Art berät.

Andererseits sind Landwirte, die solche Aussagen glauben, vielleicht auch etwas blauäugig. Denn dass es zu jedem Herbizid auch herbizid-resistente Unkräuter gibt, sollte inzwischen in der Landwirtschaft so allgemein bekannt sein, wie es in der Medizin die Tatsache ist, dass es zu jedem verwendeten Antibiotikum auch Bakterien gibt, die resistent sind.

Die zugrundeliegende Ursache ist in beiden Fällen gleich und gut verstanden. Dahinter steckt kein unnatürlicher Prozess, sondern – ganz im Gegenteil – das Natürlichste der Welt, nämlich: Evolution.

Die allermeisten zufälligen Mutationen in dem Erbgut von Lebewesen sind für diese schädlich. Wenn sie Glück haben sind die Zufallsschläge, die ihre DNA veränderten, nur irrelevant. In ganz seltenen Fällen nur ist mal was richtig Nützliches dabei in der Gen-Lotterie.

So ein großes Los ist es etwa, wenn eine Mutation ein Boden-Bakterium zufällig gegen genau das Gift eines nebenan lebenden Pilz resistent macht. Ebenso normal und vom Prozess genau gleich entstehen Mutationen, die Insekten resistent macht gegen Insektizide und die Unkräuter resistent machen gegen Herbizide.

Für die Genlotterie ist es egal, ob es sich um natürliche oder von uns künstlich hergestellte Gifte handelt. Dass eine Resistenz entsteht, ist Zufall und selten, aber es passiert trotzdem häufig genug, dass die Resistenzbildung ein unausweichlicher Prozess ist, mit dem wir rechnen müssen. Ein Prozess, den wir in das Management mit einberechnen müssen, mit dem wir versuchen, unsere Krankheitserreger und Konkurrenten auf dem Feld  im Schach zu halten.

Also nochmal: Es ist egal, welchen Stoff wir nehmen, ob er künstlich ist oder natürlich und ob wir ihn draufspritzen oder ins Genom einbauen, es wird schon bald Schädlinge geben, gegen die er nicht mehr wirkt. Das ist seit einem halben Jahrhundert bekannt und wirklich kein Skandal.

Genauso bekannt ist, dass wir trotzdem einige Möglichkeiten haben zu steuern, wie schnell unser jeweiliges Schwert so richtig stumpf wird gegenüber Krankheitserregern und der Unkraut-Konkurrenz für unsere Nahrung. Denn wir können zwar die Entstehung der Resistenzen nicht verhindern, sehr wohl aber die Geschwindigkeit mit der sie sich ausbreiten – in der Medizin genauso wie in der Landwirtschaft.

Je mehr wir uns auf nur ein Mittel verlassen und je öfter wir es verwenden, desto stärker ist der von uns ausgeübte Selektionsdruck. Und je stärker dieser ist, desto schneller machen wir den Teilen der Population den Garaus, die noch nicht resistent ist. Und desto schneller besteht diese Schädlingsart nur noch aus resistenten Organismen, weil nur sie überlebt haben.

Dieses Problem ist seit Jahrzehnten bekannt und seit ebenso langer Zeit gibt es Maßnahmenkataloge, die weltweit empfohlen werden, um gegenzusteuern. In der Landwirtschaft gibt es ein Konzept namens Integrierter Pflanzenschutz, bei dem es darum geht, möglichst viele verschiedene und wechselnde Bekämpfungsstrategien zu verfolgen, um die Resistenzausbreitung nicht unnötig zu fördern. Das hilft, Unkräuter und Schädlinge langfristig  im Schach zu halten.

Man könnte jetzt fragen: Und warum hat der Verkäufer den Bauern das nicht ordentlich erklärt? Wir können alle nicht wissen, warum. Vielleicht hat er es ihm sogar erklärt. Wir kriegen doch nur die Aussage eines wütenden Kunden präsentiert, der sich über den Tisch gezogen fühlt. Und das Verkaufsgespräch ist Jahre her.

Aber ich halte es durchaus für vorstellbar, dass ein Handelsvertreter ihm das haltlose Versprechen gemacht hat, dass sich gegen dieses neue Produkt bestimmt keine Resistenzen bilden. Wir wissen alle, wie Verkäufer manchmal sind. Und ja, es ist sogar denkbar, dass es Teil einer Marketing-Strategie sein kann, solche Sachen zu behaupten. Es ist sogar möglich, dass eine Firma so was mal selbst glaubt. Dass es durch irgendeinen Trick, den sie entwickelt haben, für die Schädlinge viel schwerer wird, Resistenzen zu entwickeln.

Aber das ist alles nur mäßig interessante Spekulation. Die wichtigere Frage ist: Sollten sich Landwirte ausschließlich auf Informationen der Firmen verlassen? Nein, sollten sie natürlich nicht.

Wie für alle Kunden ist es für sie wichtig Informationsquellen zu haben, die unabhängig sind, die Dinge aus ihrer Landwirts-Warte bewerten. Und diese Informationsquellen gibt es.

Und diese sagen seit den 60ern notorisch das Gleiche: Wenn ihr euch allein auf Pflanzenschutzmittel verlasst, dann wirken sie in 10 Jahren nicht mehr. Denkt also bitte, bitte nicht allein an das Unkraut-Weg-Spritzen, sondern auch an Alternativen wie Fruchtwechsel, physikalische Methoden und die Förderung natürlicher Feinde.

Sicher kann man den Firmen vorwerfen, dass sie selbst über dieses Thema nicht genug informieren. Und man kann ihnen auch zu Recht vorwerfen, dass sie mit herbizid-toleranten Nutzpflanzen das Problem verschärfen, weil die Bauern die Unkräuter nun nicht mehr nur vor der Aussaat, sondern auch mitten in der Saison wegspritzen können, ohne ihren Feldfrüchten zu schaden. Diese Möglichkeit erhöht natürlich den Gebrauch von Herbiziden und damit den Selektionsdruck und damit die Geschwindigkeit mit der resistente Unkräuter sich ausbreiten.

Aber auch wenn es Dinge gibt, die das Problem verschärfen. Es sind keine Dinge, die das Problem neu erschaffen. Und die empfohlenen Strategien für den Umgang mit diesen Problemen sind bekannt.

Aus Bauernsicht sieht es doch so aus: Integrierter Pflanzenschutz ist wichtig. Aber er macht mehr Arbeit.

Und aus Unternehmenssicht sieht es ja so aus: Kurzfristig sind Hersteller von Pflanzenschutzmitteln interessiert daran, möglichst viel von ihrem Zeug zu verkaufen. Aber es gibt einen Zielkonflikt. Denn langfristig sind sie natürlich auch daran interessiert, dass ihr Zeug in 10 Jahren noch wirkt.

Ich bin mir sicher, den Entscheidern in den Unternehmen ist sehr bewusst: je erfolgreicher sie darin sind, ihre kurzfristigen Ziele zu erreichen, desto mehr schaden sie ihren langfristigen Zielen.

Für die Debatte um die Gentechnik aber ist eigentlich nur wichtig: Nichts an diesen Problemen hat mit Gentechnik zu tun. Es gab diese Probleme, bevor die ersten GV-Pflanzen auf dem Markt waren und es wird sie geben, selbst wenn wir heute alle GV-Pflanzen verbieten.

Auch die Sache mit der Herbizid-Toleranz, die das Problem verschärft, könnte man mit einem Verbot aller GV-Pflanzen nicht beheben. Denn Herbizid-Toleranz lässt sich nicht nur mit gentechnischen Methoden in Nutzpflanzen bringen, sondern auch mit herkömmlichen Zuchtmethoden.

Also: Weder ist pro Gentechnik die Ursache des Problems. Noch ist kontra Gentechnik die Lösung. Was also bringt es, auf der Gentechnik rumzuhauen?

Für das Problem? Rein gar nichts!

Böse, weil mit ungeklärten Krankheiten in Zusammenhang?

Ich komme zu dem Thema, das mich am meisten aufgeregt hat und was ja auch in scheinbarem Widerspruch steht zu meiner Aussage, dass es aus seriöser Forschung keine Hinweise auf eine Schädlichkeit von Gentechnik gäbe.

Es ist ja wirklich die Frage: Wie kann ich behaupten, GVO seien harmlos, wenn in dem Film doch gezeigt wird, dass in Argentinien neben Feldern mit GV-Pflanzen  reihenweise Leute erkranken und sterben. An Hirntumoren, an Leukämie.

Wie kann ich ernsthaft pro Gentechnik sein, wenn da doch die Mutter mit dem krebskranken Kind erzählt, dass über ihrem Haus das Flugzeug mit den Spritzmitteln immer eine Schleife geflogen ist zum Wenden? Wie kann ich da noch behaupten, es sei alles in Ordnung mit dieser Gentechnik?

Erstmal: Ich hatte im Film Tränen in den Augen und einen Kloß im Hals, aus Entsetzen und Mitgefühl. Weil ich selbst Kinder habe und allein der Gedanke, sie könnten durch etwas Schaden nehmen, mich ganz verrückt macht.

Warum war ich aber gleichzeitig auch unglaublich wütend auf diese Filmemacher, die leidende Kinder in Großaufnahme zeigen und dabei  ständig von Gentechnik reden?

Weil sie im Film suggerieren, es sei bereits geklärt, wer schuld sei: nämlich natürlich die Gentechnik. Und das ist eine Suggestion, die dem Zuschauer ob seiner emotionalen Verletzlichkeit bei diesen Bildern ganz, ganz tief rein geht ins Hirn.

Die Gefühls-Botschaft ist ja unmissverständlich: Diese schlimme, unverantwortliche Firma macht die armen Menschen alle krank mit ihrer Gentechnik.

Aber wenn wir uns mal für einen Moment der Suggestionskraft dieses Films entziehen, wissen wir dann wirklich schon, was diese Menschen dort krank macht? Hat der Film uns das tatsächlich gezeigt?

Nein, das hat er nicht. Er hat lediglich suggeriert, das sei schon geklärt.

„Wieso nur suggeriert?“, werden sich Gentechnik-Gegner vielleicht fragen und einwenden, es sei doch sogar ein Wissenschaftler interviewt worden, der das bestätigte.

Hat er das? Hat er das wirklich?

Nein, hat er nicht. Er hat lediglich die Beobachtung wissenschaftlich bestätigt, dass es eine Häufung von Krebsfällen gibt in bestimmten ländlichen Regionen.

Wer aus einer Häufung in bestimmten Regionen, zusammen mit den Beschuldigungen der Betroffenen und dem Mitleid an leidenden Kindern einen Film macht, der bei den Zuschauern suggeriert, der Schuldige sei schon klar, der – es tut mir leid – aber der deckt keine Propaganda auf. Der macht selbst welche.

Deswegen schrieb ich:

Damit wir uns wieder ganz klar verstehen: Es kann sein, dass die Spritzmittel mit den Krankheiten in Zusammenhang stehen. Ich würde diese Möglichkeit auf keinen Fall ausschließen. Aber: Das darf auf keinen Fall schon als geklärt dargestellt werden. Und wer das als schon geklärt darstellt, stützt sich nicht auf Fakten, sondern lediglich auf Vorurteile. Seine eigenen und die der Zuschauer.

Aber auch, wenn sich herausstellen sollte (was wir nicht wissen!), dass etwas in diesen Spritzmitteln die Leute dort krank macht – was hätte das eigentlich mit Gentechnik zu tun?

Soll die Argumentation hier ernsthaft sein: Weil die Spritzmittel in Verdacht stehen gefährlich zu sein, ist auch alles Andere gefährlich, was diese Firmen machen?

Fazit:

Ich frage mich ernsthaft: Warum heißt ein Beitrag „Die Propagandaschlacht um die Gentechnik“, wenn dann eigentlich gar nichts in dem Beitrag direkt mit der Gentechnik zu tun hat?

Noch absurder ist eigentlich nur noch, wenn Zuschauer dann wirklich denken, in diesem Film Fakten gesehen zu haben, die gegen Gentechnik sprechen. Haben sie nämlich nicht.

Die Doku versucht, Beispiele zu finden, die alles, was mit der Saatgut- und Pflanzenschutzmittel-Branche zu tun hat, zwielichtig erscheinen lassen. In der Hoffnung, dass die Grüne Gentechnik dann auch zwielichtig genug erscheint?

Hier noch mal die Vorwürfe in aller Kürze und warum sie zum Kopfschütteln sind. Die Zuschauer sollen hier in ihrer Ablehnung gegen Gentechnik unterstützt werden,

  1. weil die Branche, die uns Grüne Gentechnik verkaufen will, Lobbyarbeit macht (der Beitrag suggeriert, dass die Beschäftigung von Lobbyisten alleine schon Hinweis genug ist auf Verwerflichkeit und Gefährlichkeit, was natürlich Quatsch ist. Und er verschweigt, dass sicher alle anderen Branchen in Brüssel momentan erfolgreicher Lobbyarbeit machen als diese Branche. )
  2. weil die Branche nicht sagt, dass gegen die bei GV-Pflanzen verwendete Pflanzenschutzmittel genauso Resistenzen entstehen können wie gegen Pflanzenschutzmittel im herkömmlichen Kontext auch (ob die Branche das wirklich offiziell so dargestellt hat, ist eine ungeklärte Behauptung. Aber selbst wenn, sollte es aufgrund anderer Infoquellen heute keinen mehr überraschen, dass es anders ist. Werfen sie der Gentechnik hier allen Ernstes vor, keine Alle-Probleme-Lösende-Supertechnologie zu sein, sondern nur eine ganz normale Zucht-Technik?)
  3. weil es ungeklärte Krankheitsfälle gibt (der schlimme Verdacht richtet sich gegen die dort verwendeten Pflanzenschutzmittel und er ist bisher nichts als eine ungeklärte Behauptung. Aber selbst wenn sich dieser Verdacht erhärten sollte, hätte die Giftigkeit von Bestandteilen von Pflanzenschutzmitteln doch rein gar nichts mit der jeweiligen Zuchtmethode der Pflanzen zu tun).

Jedes der gezeigten Probleme, die ohne Zweifel und auch in meinen Augen existieren, hätte eine schöne Reportage ergeben können. Eine Reportage, die auch mich interessiert hätte, wenn sie differenziert in die Tiefe gegangen wäre.

Aber für mich sieht es nicht so aus, als hätte sich auch nur einer in oder um das Filmteam herum für eine differenzierte Darstellung von Problemen interessiert. Oder gar für mögliche Lösungen.

Es erscheint mir so, als seien die Probleme nur ausgesucht worden, um als Illustration zu dienen für eine Aussage, die schon vorher feststand. Nämlich, dass Gentechnik schlimm ist und eine einzige Täuschung von Bauern und Verbrauchern.

Niemanden scheint aufgefallen zu sein, dass diese Art von Argumentation eine populistische ist. Und damit genauso gefährlich wie Rechts- und Linkspopulismus. Dass es in dieser Art von Argumentation nicht um Ursache und Wirkung geht, nicht um eine differenzierte Sicht auf die Welt, sondern einzig und allein um den Aufbau und die Pflege eines Feindbildes.

So ein Feindbild funktioniert ja bekanntlich am allerbesten, wenn die Gefährlichkeit nicht offen und direkt zu Tage tritt, sondern als unerkannt, indirekt und schleichend dargestellt werden kann. Wenn sie sich nur zeigt dadurch, dass Leute dubios erscheinen. Dass man ihnen ein Verhalten nachweisen kann, was verdächtig aussieht. Wenn man einem von ihnen vorwirft, dass er gelogen hat, und jeder plausibel findet, dass es alle von ihnen tun. Dann muss man den Verdacht, dass jemand durch diese Unmoral Schaden nimmt, noch nicht mal erhärten. Dann glaubt das eh schon jeder.

Es scheint wirklich viele Leute zu geben, die so was nicht als Populismus erkennen, nur weil er in einer anderen Geschmacksrichtung daherkommt als Rechts- und Linkspopulismus.

Das erschreckt mich, ehrlich gesagt, sehr.

(Änderung vom 23.714:  ich habe einen Zusatz entfernt, in dem es hieß, der Film sei „nur noch heute, am 15.7.14, im Stream verfügbar“, denn ich habe mich im Jahr geirrt. Er ist weiterhin verfügbar. Und zwar auf dieser Seite der ARD und bis Mitte Juli nächsten Jahres.)

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36 Gedanken zu „Geliebtes Feindbild Gentechnik – mein Kommentar zu „Die Propaganda-Schlacht um die Gentechnik““

  1. Ich bin ehrlich erfreut über diesen Kommentar und die Aufklärung über diese „Dokumentation“.
    Genau diese Gedanken gingen mir auch während und nach des anschauens durch den Kopf und ich bin doch recht froh, dass es parallel zum WM-Spiel lief und so hoffentlich von nicht allzuvielen leicht beeinflussbaren Geistern gesehen wurde.
    Zudem hoffe ich, dass sich möglichst viele, die der Dokumentation ungeprüft glauben schenken, diesen Beitrag mal durchlesen und wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden.

    1. Ja, wirklich nicht schlecht, dass Fußball lief. Ich hätte den Beitrag auch verpasst im WM- Fieber, wenn ich nicht drauf aufmerksam gemacht worden wäre.

  2. Zum Beitrag „Ist Gentechnik schädlich“:
    Ich wollte hier mal mein Lob für diesen Artikel aussprechen. Ich habe diesen auf GMX gelesen und habe mich nicht unbedingt für die Thematik der Gentechnik sondern eher der der Argumentation interessiert, da es mir als ein Problem/ großes Phänomen in unserer Kultur vorkommt. Dieses Argumentationsproblem was du ja hier ansprichst, findet man oft in der Diskussion zwischen wissenschaftlicher Methodik und Gegnern eines bestimmten Sachverhaltes, dem die Wissenschaft ja versucht begründet oder sogar mit Beweisen zu begegnen. Mir scheint es oft so, dass es vielen Gegner (z.B. einer bestimmten Theorie) AUSSCHLIESSLICH um das Durchsetzen ihrer Meinung geht und weniger darum ob sie wirklich Recht haben. Das geht dann oftmals auch soweit dass Argumente oder Beweise komplett ignoriert oder die Logik total verdreht wird.
    Das sind so meine Eindrücke von dem was ich so erlebt habe, und ich denke es ist auch wirklich schwierig dagegen vorzugehen und diese Leute von der Wahrheit zu überzeugen, weil sie selbst gar nicht darum bemüht sind die Wahrheit zu akzeptieren.

    Zu Gentechnik:

    Ich bin selbst nicht wirklich gut informiert zu der konkreten Thematik „Gentechnik“, sehe es aber ähnlich wie sie. Ich sehe die Gentechnik als eine Art Chance, um eine bessere für uns optimierte Welt zu schaffen. Ich glaube zudem, dass man die Gentechnik auch kaum aufhalten kann, sofern es nicht wirklich sehr begründete Negativeffekte und nur moralische Bedenken gibt. Die technologische Entwicklung wird weitergehen, v.a. dann wenn es einen klaren Wettbewerbsvorteil gibt und dieser Drang des Wettbewerbs weiterhin besteht.
    Ich sehe die Gefahr nicht in der Gentechnik selbst sondern eher im Umgang mit dieser Technologie. Ich würde hier einen Vergleich zum Beispiel zur Raketentechnologie sehen, die ursprünglich auch nicht für böse Zwecke vielleicht gedacht ist, aber trotzdem dazu verwendet werden kann, dass man damit „böse“ Raketen baut, die unser Leben bspw. zerstören können.
    Ich könnte mir vorstellen, dass eine Technologie, wie die Genmanipulation für böse Zwecke verwendet werden KANN und potenziell große Ausmaße haben KÖNNTE (wie gesagt ich kenne mich nicht gut in der Gentechnologie aus, und es sind nur Hypothesen). Es ist aber eher ein generelles Problem im Umgang mit Technologien in der Gesellschaft und weniger der Technologie selbst (außer evtl. dem potenziellen Ausmaß der Technologie).
    Ich bin ein klarer Befürworter für Wissenschaft, Forschung und Fortschritt, SOFERN es dem Allgemeinwohl und unseren gemeinschaftlichen Zielen dient. Hier muss man glaube sehr vorsichtig sein, und das durchaus sehr genau (wissenschaftlich) prüfen wie z.B. eine Technologie für böse Zwecke verwendet werden kann und wie man dies verhindern könnte, denn leider gibt es genug Leute, die nicht mehr ganz richtig ticken und evtl. die ganze Menschheit vernichten wollen.
    Im schlimmsten Fall würden wir dann alle sterben, was mich auch nicht unbedingt stören würde xd. Aber man hätte sich dann die Chance verspielt, vielleicht etwas Phänomenales in unserer Welt herauszufinden. Wer weiß ?

    Ach ja, ich würde mich freuen, wenn wir weiterhin diskutieren könnten, weil ich Leute suche, die sich rational und mit Verstand mit Themen auseinandersetzen 🙂

    1. Natürlich könnte man mit Gentechnologie auch Produkte herstellen, die schädlich sind. Man könnte z.B. sonst essbare Pflanzen so verändern, dass sie einen für Menschen giftigen Stoff produzieren. Man könnte Krankheitserreger gefährlicher machen. usw. Aber man kann eben auch Dinge damit machen, die nützlich sind, die ein Problem lösen, das anders nicht lösbar war.

      Ich denke daher auch: Auf der rationalen Ebene können nur bestimmte Produkte bewertet werden, aber nicht die Werkzeuge/Technologien generell. Die sind erstmal neutral. Können ja so oder so genutzt werden.

      Anders sieht es natürlich auf der moralischen Ebene aus. Da kann eine Technik selbst als verwerflich angesehen werden. Wenn sie z.B. erlaubt eine Grenze zu überschreiten, von der z.B. aus religiösen Gründen gesagt wird, dass nur Gott, aber nicht der Mensch sie überschreiten darf.

      Dass auch in Ökobewegung und vielen Esoterik-Kreisen oft bestimmte Technologien selbst abgelehnt werden, deutet für mich darauf hin, dass religions-analoge, moralische Grenzen eine große Rolle spielen. Da wird dann etwas unabhängig davon abgelehnt, was als Produkt dabei rauskommt. Oder es wird gleich ganz in Abrede gestellt, dass aus so was Verwerflichem überhaupt was Gutes entstehen kann (wobei das immer ein moralistischer Fehlschluss ist).

      Während ich mit moralischen Grenzen an sich gut umgehen kann, habe ich ein Problem mit aller Argumentation, die auf moralistischen Fehlschlüssen beruht. Ich halte sie für sehr gefährlich. Wie jede Art von Populismus.

      Ich respektiere also voll, wenn jemand eine Technik als eine Verletzung von Heiligem empfindet. Wenn er sie ablehnt, auch wenn für ihn oder andere etwas Positives draus erwachsen könnte (für mich wäre das z.B. viele Arten von wissenschaftlichen Versuchen an Menschen). Was ich allerdings nicht respektiere, ist, wenn aus einer moralischen Grenze geschlossen wird auf Gefährlichkeit oder Schädlichkeit aller daraus entstehenden Produkte. Denn das ist ein verbotener Übergang zur rationalen Ebene. Und öffnet einem aggressiven Feindbild-Denken Tür und Tor.

  3. Die hier diskutierte Sendung „Propagandaschlacht Gentechnik…“ war eine eingängige, übliche Sendung, die ich der Kategorie: „BRD-Fernseh-Verblödungsjournalismus“ zuordne.
    Wie bereits oben dargestellt, fehlten belastbare Fakten für die Behauptung der unterstellten Ursachen für die Kindesmissbildungen in Südamerika. Die Fernsehjournalisten betonten ein ums andere Mal, daß es den Gentech-Lobbyisten das Handwerk zu legen gelte .
    Jenen Lobbyisten, die sich anschicken die gentechnikfreie Zone Europa zu erobern. Aber- das weiss doch inzwischen jeder:
    „Der Gendreck muß weg“.
    Was scheren uns da wissenschaftlich belegte Fakten und Wissenschaftler, die im Gegensatz zu den vielen greengepeacten und selbst ernannten Volkswissenschaftlern etwas von der Materie verstehen, über die Sie reden und schreiben.
    Den wissenschaftlichen Sachbezug in derartigen Sendungen ganz einfach unter den Teppich zu kehren, ist einer der üblichen und typischen Methoden im deutschen Fernsehjournalismus.
    Für ein sauberes journalistisches Pro und Contra Gentechnik hätten die Sendungsmacher keineswegs die weiten und kostenträchtige Reisen unternehmen müssen.
    Das hätten gestandene Journalisten auch mit der hier bei uns in reichem Maße verfügbare Literatur und deren Autoren (die Fachwissenschaftler) erzielen können. Und dann ist selbstverständlich auch Kritik an die Gentechnik gefragt.
    Jedenfalls ist die kritische Betrachtung der Resistenzbildung als negatives Beispiel in Sachen gentechnisch veränderter Nutzpflanzen auch positiv zu bewerten, denn das bedeutet letztlich nichts anderes, als dass gentechnisch veränderte Nutzpflanzen den gleichen biologischen Grundsätzen unterliegen, wie alle anderen Pflanzenarten und -sorten auch, völlig unabhängig davon, mit welcher Methode sie gezüchtet wurden. Die Rede von den „Gentech-Monsterpflanzen“ also ein „volkswissenschaftlicher Popanz“
    Ganz offensichtlich ist den Fernsehjournalisten ganz nebenbei auch noch die gewünschte Irreführung der Zuschauer gelungen, nämlich die Ablenkung davon, daß sie die Lobbyarbeit für die Brigaden der diversen NGOs betreiben.
    Ergo sind die Fernsehjournlisten die guten Lobbyisten, denn die NGOs tun – wie jeder weiss – nur Gutes. Dafür erhalten sie schließlich auch den Status der „Gemeinnützigkeit“.
    Unter dem großen und guten Sigel: „Gemeinnützig“ kann schließlich auch die Arbeit der Fernsehsender verortet werden.
    Ob deren Arbeit der / unserer Gemeinschaft auch wirklich nützt kann inzwischen zum wiedeholten Mal bezweifelt werden.

    1. Ich schließe mich dieser allgemeinen Kritik nicht an. Es gibt neben diesem Negativbeispiel sehr viel gut gemachten Fernsehjournalismus. Finde ich jedenfalls. Ich weiß nichts über die Leute hinter dieser Doku, aber ich vermute, dass sie auch schon mal Besseres gemacht haben.

      Ich sehe ja eher eine gesamtgesellschaftliche Blindheit auf diesem Auge. Es gibt kaum Sensibilität für diese Art von Populismus. Und Journalisten sind eben auch Kinder ihrer Zeit.

  4. Seit ich bei einer Firma arbeite, die GVO-Sorten vertreibt, habe ich einen speziellen Blick auf das Thema gewonnen. Bei der Anti-MON810 Kampagne ist mir z.B. aufgefallen, in welch gemeiner Weise Landwirten und ihren Angehörigen durch ihre Mitbürger nachgestellt wurde. Für Landwirte, die sich damals für den Anbau von Bt-Mais entschieden, war ein immer wieder geäußerter Grund, vom Anbau zurückzutreten, um ihre Angehörigen vor diesen Nachstellungen zu schützen. Andere konnten das nur in der Gruppe aushalten.
    Die Kirchen habe ich in dieser Zeit vor allem als „Gegner“ wahrgenommen, die Kampagnen gegen Gentechnik unterstützten.

    1. Ja, kann mir vorstellen, dass das hart ist. Gerade in Familienbetrieben und dörflichen Gemeinschaften. Ich glaube, solche Grenzverletzungen können nur passieren in einer Gesellschaft, in der viele das Feindbild teilen, gegen das die Aggression sich richtet. Die schweigende Masse findet dann die Mittel zwar unschön, meint aber trotzdem, „es müsse ja irgendwas getan werden“. Und die Aggressoren empfinden sich selbst ja nicht als aggressiv, sondern sie denken ja, dass sie sich und die Welt nur verteidigen. Ich fand schon immer erschreckend, wie sich diese Muster in Extremismus gleichen.

  5. Warum verteidigen Sie so vehement Gentechnik wenn es kein Grund dafür gibt es anzubauen. Essen ist genug für alle da….

    Man könnte auch Menschen klonen oder essen aufs Klärschlamm machen, technisch machbar und ungefährlich, laut Wissenschaft.

    Sie sind echt so richtig dafür? Warum??? Nur weil man es kann??

    Viellicht 1 Kind Politik Weltweit und es gibt nicht weniger Probleme.

    Ich kann einfach Ihre Logik nicht verstehen?!
    Und das es Gegner dieser Technik gibt ist gut! Contergan, Asbest und weiss ich alles war anfangs auch wissenschaftlich unbedenklich, bis der Aufschrei kam. So wird es auch mit Gentechnik sein…nur Schreit noch niemand laut genug.

    1. Wie gesagt, eigentlich ist mir die Grüne Gentechnik egal. Es ist nur so, dass ich eben Produkte, die gentechnisch verändert sind, nicht als grundsätzlich anders oder gefährlicher ansehe als andere Produkte. Sie müssen natürlich geprüft werden, klar, aber das müssen andere Produkte auch.

      Ich akzeptiere vollkommen, wenn Andere keine GV-Pflanzen essen wollen. Deswegen bin ich für eine Kennzeichnung. Ich denke auch, dass es generell gut ist, wenn es skeptische Leute gibt, die nicht jeden Trend mitmachen, die in Frage stellen, ob etwas Neues auch besser ist als das Herkömmliche. Das hat alles seine Funktion in der Gesellschaft. Damit habe ich überhaupt kein Problem.

      Das Einzige, womit ich ein Problem habe, sind Leute, denen Feindbilder wichtiger sind als die Lösung konkreter Probleme. Ich halte solche Leute generell für gefährlich und zersetzend in einer Demokratie. Und das egal, aus welchem Teil des politischen Spektrums sie kommen. Sie können Rechts- und Linkspopulisten sein, aber genauso radikale Wirtschaftsliberale oder eben extremistisch argumentierende Gentechnik-Gegner. Es ist die Aggression und die populistische Logik bei allen von ihnen, die ich ablehne. Ich empfinde diese Art des Denkens als Gefahr für unsere Gesellschaft.

      Hier noch zwei Links zu wirklich lesenswerten Blog-Posts von Thomas Grüter vom Scilogs-Blog Gedankenwerkstatt über Populismus, die sowohl die Argumentation von Populisten erklären, wie auch den Umgang damit: Wie gefährlich sind Populisten? und Wie bekämpft man Populisten?. Diese Texte beziehen sich vor allem auf Rechtspopulisten, treffen meiner Meinung nach aber auch für alle anderen Arten von Populismus den Kern des Problems.

  6. …von der Wahrheit überzeugen. Genau das ist es ja…wer soll wem von welcher Wahrheit überzeugen? Sie als Laie auch wenn Sie Biologin sind, sind Sie nur ein Laie auf diesem gebiet wie jeder der hier schreibt. Also, Sie verlassen sich auf Studien von Wissenschaftlern: Wer sagt das diese richtig sind? Sie? Man muss immer gucken wer die Studien bezahlt. Es gibt keine unabhängigen. Wer soll die auch bezahlen?

    Kommt ein Bericht im TV der besagt das Genfood gut ist zitieren Sie diese. Kommt ein Bericht das es schlecht ist gehen Sie gern diesen vor. Es kann garnicht so viele Befürworter geben für etwas was nicht wirklich erforscht, geschweige denn Langzeitwirkungen auf Mensch und Umwelt erforscht wurde. Da hört nämlich alles auf. Die Wissenschaft behauptet das so vieles nicht schädlich ist…unterm Strich ist es das aber. Wie wollen Sie diesen Sachverhalt bewerten? Mit Monsanto Studien? Oder die Erderwärmung die von der Industrie hochgelobt wird? Davon hart man grad recht wenig komischerweise.

    Und wieder stell sich mir die Frage warum Sie so viel Elan in diese Thema stecken? Und direkt den nächsten erklärend Artikel veröffentlichen? Irgendwas lässt Sie nicht in Ruhe. Sie haben Ihre Meinung ja schon geäußert. Warum machen Sie das wieder und wieder? Wollen Sie jemanden Überzeugen?

    Schade das Sie meine „Artikel“ so kürzen. Es spielt alles ein Rolle und der Geschichte.
    Was meinen Sie wie die Welt funktioniert? So wie man im TV sieht? Der Mensch ist habgierig und nicht nächstenliebend und er möchte nicht jeden mit guten, gesundem und nahrhaftem essen versorgen. Warum schickt man das ganze Genzeug nicht nach Afrika, dort ist Hungersnot? In anderen armen Ländern geht die Agrarwirtschaft und die Bauern kaputt deswegen. Ist das sinnvoll?

    Sagen Sie doch mal in wirklich sinnvollen Grund warum man diese Zeug anbauen sollte und damit die Welt ernähren? Aber nicht den Grund „Weil es geht“ oder „es ist neue Technik“ usw.

    Den Sinn?? Warum?? Für was?

    Die Geister die wir reifen…

    1. Für mich ist eher die Frage, warum ich so lange gebraucht habe, mich in dieser Weise zu äußern. Denn die Art, wie die Debatte schon seit Jahren verläuft, stört mich schon sehr lange. Ich denke, es will jetzt einfach so geballt raus aus mir, weil ich für mich selbst erst kürzlich ein paar Puzzlestücke an Verständnis gefunden habe, die mir dabei helfen auszudrücken, was mich schon so lange stört.

      Ich würde nie behaupten, Gentechnik-Expertin zu sein, aber ein Laie bin ich sicher auch nicht. Sagen wir so: Ich denke, dass es zu jeder Art Wissen oder Fertigkeit eine Skala gibt, von völligem Laien auf der einen Seite bis zum Experten auf der anderen. Ich denke als Wissenschaftsjournalistin & -bloggerin und nach Biologiestudium & vielfältigem Reinschnuppern in andere Disziplinen darf ich für mich in Sachen Gentechnik schon einen Platz irgendwo dazwischen beanspruchen.

      Was das Vertrauen angeht: Ja, ich vertraue bei Fragen, die nur mit wissenschaftlichen Methoden geklärt werden können auch nur der Wissenschaft. Wem sonst?

      Aber kann die nicht beeinflusst sein? Klar, kann sie. Sie ist kein allmächtiges Wahrheitsinstrument. Wissenschaft ist Teil der Kultur und wird von Menschen gemacht. Menschen, die sich irren können, die Kinder ihrer Zeit sind, die manchmal aus Ehrgeiz betrügen, die beeinflusst sein können von Geldgebern oder sonstige Interessenskonflikte haben.

      Umso wichtiger, dass die Gesellschaft diejenigen Kräfte in der Wissenschaft selbst unterstützt, die sich für Unabhängigkeit, Transparenz und Selbstreinigung einsetzen. Die gab es schon immer und die sind auch heute zahlreich.

      Gibt es das manchmal, dass Wissenschaft verzerrt ist von ökonomischen Interessen? Natürlich gibt es das. Deswegen bin ich ja im Medizinbereich z.B. für Initiativen wie Alltrials, die dafür kämpfen, dass alle klinischen Studien registriert und die Ergebnisse veröffentlicht werden müssen. Natürlich versuchen Unternehmen Einfluss zu nehmen auf die Wissenschaft. Auf jeden Fall. Und ich bin die erste, die dafür ist, dass alle Gelder und jede Zusammenarbeit transparent gemacht werden muss.

      Was aber in diesem Prozess überhaupt nicht hilft, sind Leute, die mit Stammtischparolen Front gegen Wissenschaft an sich machen, mit Sprüchen wie: „Wissenschaftler sind eh alle mit der Monsanto unter einer Decke. Denen kann man auch nicht trauen.“ Damit tun diese Leute ganz vielen Wissenschaftlern unrecht, die sowohl finanziell als auch im Kopf unabhängig arbeiten, die ehrlich, selbstkritisch und hart an schwierigen Fragen arbeiten. Alles, was durch dieses Wissenschaftsbashing passiert, ist, dass die Bevölkerung ihr Vertrauen in Wissenschaft verliert. Damit ist den unabhängigen Wissenschaftlern aber auch nicht geholfen, oder? Im Gegenteil!

      Wie die Welt funktioniert fragen Sie? Wie der Mensch ist? Sie sagen, er ist habgierig und nicht nächstenliebend. Und ich sage, er ist beides. Aber auch damit ist nicht alles gesagt. Denn es gibt komische Phänomene. Manchmal macht ein habgieriger Mensch Sachen, die für Andere überaschend gut sind. Und manchmal macht einer aus Nächstenliebe Sachen, die ganz schlimme Konsequenzen haben. Die Welt ist vor allem eins: kompliziert.

      Aber egal wie: Wir müssen in Lösungen denken, nicht in Feindbildern!

    2. „Die Welt ist vor allem eins: kompliziert.“

      Das ist falsch! Die Welt ist nicht kompliziert. Die Welt ist klar und einfach strukturiert. Die Welt wird beherrscht von ewig und unveränderlich wirkenden NATURGESETZEN. Kompliziert macht alles nur der Mensch, der sich anmaßt, an diesen universell gültigen Gesetzen irgendwie „herumschrauben“ zu dürfen, und sich dann auch noch einbildet, dass dieses „Herumschrauben“ keine Konsequenzen für ihn hätte. Der Mensch muss endlich lernen, dass er Teil der Natur ist, die Natur aber gut und gerne auf den Menschen verzichten kann! -> Joh. 8,32

    3. Ich denke, diese Sorge teilen Sie mit vielen. In Geschichten, die Moral transportieren, kommt oft vor, dass der bestraft wird, der zu gierig ist, der Grenzen überschreitet, der etwas Heiliges nicht achtet. Was aber heilig ist oder was eine absolute Grenze sein soll, ist schon immer sehr veränderlich gewesen. Die Menschheit beantwortet das je nach Zeitalter, Kultur und Situation immer wieder ganz anders.

      Deswegen: Ja, der Mensch macht es kompliziert. Und klar, die Naturgesetze sind ewig und unveränderlich. Aber ich denke, dass ich unter diesen Aussagen etwas ganz Anderes verstehe als Sie. Denn in den Naturgesetzen ist keine Moral. Aus der Tatsache, dass irgendwas so IST wie es ist, lässt sich nicht folgern, dass es so sein SOLL. Genauso wenig wie anders herum aus einem „So sollte es sein“ kein „So ist es bestimmt“ abgeleitet werden kann. Ich habe für web.de vor einigen Monaten einen Text zum Thema geschrieben. Eigentlich ist es der, mit dem die Gentechnik-Debatte für mich diesen Sommer angefangen hat: Ist Gentechnik schädlich?

    4. Als Nicht-Theologe musste ich erst mal bei Joh. 8,32 nachschauen. In meiner Luther-Bibel steht: “ und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Tja, damit passt der Abschnitt wunderbar in mein Bild von Jesus. Die Frage ist nur: Was hat Jesus gemeint? Ging es ihm um Genklempnerei? Die Fragen sind doch: Was ist mit „Wahrheit“ gemeint und weshalb macht Wissen frei?

      Nach meiner Meinung hat Jesus sich nicht mit grüner Gentechnik, Klimaerwärmung und Artensterben befasst. Das war damals irgendwie kein Thema. Was Jesus anscheinend wirklich interessiert hat, waren verschiedene Formen des Fundamentalismus, wie es sie damals schon gab und mit denen er ziemlich stark konfrontiert war. Die Fundamentalisten seiner Zeit, z.B. die Pharisäer, aber auch diverse andere, hatten ihre eigenen „Wahrheiten“ erkannt und diese standen nicht zur Disposition. Deshalb haben die Evangelisten immer wieder deutlich gemacht, dass z.B. die Pharisäer an Jesus immer nur Fangfragen gerichtet haben, die dieser dann ganz cool ausgekontert hat. Das ist ganz spannend zu lesen.

      Aber natürlich nahmen Jesus und seine Evangelisten den Umgang mit fundamentalistischen Wahrheiten sehr ernst, denn wie das bei Fundamentalisten gerne so ist, werden Abweichler auch mal gekreuzigt oder in den Gulag geschickt oder was auch immer. Auch das macht diese Texte heute immer noch hochaktuell, wirklich lesenswert!

      Ich schließe für mich, dass Jesus uns sagen möchte, dass wir bitte Fundamentalisten nicht glauben sollen, weil der Glaube an sie Ängste schürt. Ängste machen unfrei. Wenn man diese Wahrheit von Jesus glaubt, wird man selbst wirklich frei.

      Weil Menschen aber oft viel Emotion in ihre Ängste investiert haben, reagieren sie oft eher nicht zustimmend, wenn ihnen jemand sagt, dass ihre Ängste unbegründet sind, Jesus hin oder her.

    5. Ah, super, dass du die Bibelstelle nachgeschlagen hast und in andere Perspektive bringst. Wobei ich persönlich denke, dass die Bibel viel hergibt und für jeden Geschmack und jedes Ziel die passende Deutung. Die Kriegerischen haben darin schon immer ihre Textstellen gefunden, genauso wie die Pazifisten ihre gefunden haben. Die Rigiden finden welche, die zu ihnen passen, genauso wie die Freigeister unter den Christen ihre Zitate finden. Und egal, welche neuen Themen aufkommen, werden Streiter für und wider auch wieder fündig.

      Ich finde ja, in einer Gesellschaft mit starker christlicher Tradition ist es sicher für viele wichtig, auch die Theologie zu konsultieren, aber gerade wenn es um Wissenschaft und Moral geht, haben philosophische und andere Disziplinen der letzten Jahrhunderten wesentlich Konkreteres zu bieten, was einem vielleicht passgenauer hilft, die Probleme für sich selbst zu durchdenken. Für mich ist es jedenfalls so.

    6. „Was heilig ist oder was eine absolute Grenze sein soll, ist schon immer sehr veränderlich gewesen.“ – Genau das ist das Problem. Und die Lösung des Problems liefern Sie (genial!) wenige Zeilen später mit den Worten:

      „In den Naturgesetzen ist keine Moral.“

      Genau das ist der Punkt. Die Naturgesetze existieren jenseits aller Moral. Sie stehen sozusagen über aller Moral. Deshalb sind sie auch nicht „moralisierbar“, denn sie sind in sich selbst eine feste Größe. Unantastbar, unveränderlich, unangreifbar. Moral hingegen ist keine feste Größe, sondern ein veränderlicher Wert – und damit eine Bewertung. Eine moralische Bewertung ist lediglich der Ausdruck subjektiver Zustimmung oder Ablehnung. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und demzufolge kann ich Ihnen nur zustimmen, wenn Sie sagen, dass die Menschheit dieses schon immer sehr veränderlich Gewesene „je nach Zeitalter, Kultur und Situation immer wieder ganz anders beantwortet.“

      Also worum geht es? – Und wieder muss ich mich Ihnen anschließen: „Wir müssen in Lösungen denken, nicht in Feindbildern!“ Ganz genau darum geht es. Und das bedeutet, dass wir uns verabschieden sollten von dem immer nur subjektiv bewerten könnenden Feindbild „Moral gegen Unmoral“ und dass wir uns stattdessen auf das Kennenlernen der objektiv seienden und wirkenden NATURGESETZE konzentrieren sollten. Nur auf diese Weise können wir frei werden von unserem Denken in Feindbildern. Das wusste auch Jesus schon vor 2000 Jahren, und deshalb sagte er zu seinen Jüngern das Gleiche in etwas anderen Worten:

      „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8,32)

      Die Naturgesetze sind nichts anderes als die Wahrheit, und die Wahrheit ist der IN der Schöpfung manifestierte Wille Gottes, AUS dem heraus die Schöpfung auch erstand.

      Wirklich FREI kann nur ein Mensch sein, der sich wissend(!) in diese Naturgesetze einfügt(!). Es gibt keinen anderen Weg zur Befreiung, zur Erlösung. Und diesen Weg muss jeder Mensch für sich alleine finden und gehen. Deshalb sagt die Natur:

      „ICH BIN DIE VIELFALT IN DER EINHEIT.“

    7. Ich ahne dennoch, dass wir von unterschiedlichen Sachen reden, wenn wir von Naturgesetzen reden. Denn in die, die ich meine, muss ich mich nicht aktiv einfügen, sondern sie gelten für alle und alles, egal ob ich will oder nicht. Ich kann mich nicht gegen die Gravitation stellen oder sagen: für mich gilt die Thermodynamik nicht, genauso wenig wie ich ändern kann, dass ich als Mensch geboren wurde und nicht als Ameise. Sprich: Naturgesetze sind die, innerhalb derer die Wissenschaft sich bewegt. Auch wenn Forscher Atome spalten oder Gene verändern, brechen sie keine Naturgesetze. Weil das nicht geht. Sie nehmen nur das Wissen über die Natur (über die Naturgesetze, wenn man so will) und nutzen es für unsere menschlichen Zwecke. So wie wir Menschen das schon immer getan haben, wenn wir z.B. Feuer für uns nutzen oder aus bestimmten Steinen Metalle gewannen. Wir nutzen schon immer das Wissen darüber, wie etwas beschaffen ist und nach welchen Regeln es funktioniert, dafür, alles nach unseren Wünschen zu manipulieren. Da kam nicht immer Gutes bei raus. Das ist klar. Aber die Grenzen, die wir uns bei diesen Manipulationen setzen, sind keine, die irgendwie in der Natur drin stecken würden. Sondern es sind Regeln, die wir uns geben, menschliche Setzungen. Moral eben.

    8. Ja, Sie haben Recht. Wir reden tatsächlich von verschiedenen Sachen, wenn wir von „Naturgesetzen“ reden. Während Sie von Naturwissenschaft reden, also von Erkenntnissen, die die Wissenschaft aus der Natur gewinnen konnte, rede ich von Geisteswissenschaft.
      Das „Problem“, das wir miteinander haben – bzw. Sie mit mir – besteht ganz einfach darin, dass Sie, wenn ich das richtig sehe, einzig und allein die Naturwissenschaft gelten lassen wollen und die Geisteswissenschaft in Ihren Denkprozessen keine Rolle spielt oder Sie diese vielleicht sogar ablehnen. Das würde bedeuten, dass Sie Ihre eigenen Worte ad absurdum führen, weil Sie dadurch automatisch dazu gezwungen sind, mir gegenüber ein Feindbild aufzubauen, denn im Gegensatz zu Ihrer Naturwissenschaft, in der die Geisteswissenschaft keine Berücksichtigung findet, schließt meine Geisteswissenschaft Ihre Naturwissenschaft mit ein.
      Um es auf den Punkt zu bringen: In Ihren Augen ist der Mensch anscheinend nur sein Körper, während von meinem Standpunkt aus betrachtet der Mensch Geist (nicht Verstand!) ist und einen Körper hat (zu dem auch der Verstand gehört).
      Oder um es noch deutlicher zu sagen: Sie reden von materiellen Gesetzen und ich von (göttlich-)geistigen Gesetzen, die sich in den materiellen Gesetzen lediglich widerspiegeln.

      Die Frage ist jetzt: Wer von uns beiden sollte an seinem Bewertungssystem, also seiner Moral etwas ändern, damit er den anderen verstehen/begreifen kann?

    9. Oh, nein, nur weil ich anders denke als Sie und das deutlich mache, heißt das nicht, dass Ihre Sicht für mich ein Feindbild darstellt. Ich habe viele Freunde und Familie, für die Religion im Weltbild ein größere Rolle spielt als bei mir. Das heißt für mich nicht, dass man sich feindselig gegenübersteht. Überhaupt nicht. Auch wenn man nicht einer Meinung ist, kann man sich wunderbar austauschen, wenn jeder einfach davon redet, was für ihn wichtig und gültig ist, ohne die Sicht des Anderen anzugreifen.

      Sprich: Seine eigene Sicht der Welt offen zu äußern, sie zu erklären und für sie einzutreten, lässt sich für mich gut vereinen damit, Andere zu respektieren. Und bei Ihnen? Für mich sieht es nämlich eher so aus, dass Sie es sind, der dazu übergegangen ist, mich persönlich anzugreifen, anstatt mir einfach weiter zu erklären, wie Sie die Sache sehen. Sie könnten mir zum Beispiel erklären, wie diese religiös verstandenen Naturgesetze zu Ihrer Kenntnis gelangen, wenn es nichts Messbares ist, was Sie meinen. Wenn Menschen die DNA von Lebewesen nicht verändern dürfen, hieße das für mich z.B. auch, dass wir es auf züchterischem Wege auch nicht dürfen. Ein Wolf zu einem Chihuahua zu machen ist doch auch ziemlich abartig, wenn man drüber nachdenkt.

      Worauf ich hinaus will: Auch wenn man – wie Sie – annimmt, es gäbe absolute, göttliche Weisungen zu jedem Thema, bedarf es doch immer menschlicher Interpretation, was eine Religionsgemeinschaft als heilig ansieht, wo die Grenzen liegen, was als wünschenswert und was als verdammenswert angesehen werden soll, oder? Denn Sie zitieren ja eine sehr allgemein gehaltene Bibelstelle, aus der für Außenstehende ja nicht direkt ersichtlich ist, dass darin nun die Weisung enthalten sein soll, dass Chihuahuas ok sind, BT-Mais aber nicht. Wenn es aber einerseits nicht in der Bibel steht und andererseits nichts Messbares ist, woher wissen Gläubige wie Sie es dann?

      Und nein, die Frage ist nicht als Provokation gemeint, sondern eher als Versuch wieder dazu zurückzukehren, dass wir uns gegenseitig unsere sehr unterschiedliche Sicht der Dinge einfach mitteilen, ohne die des Anderen abzuwerten.

    10. „Wahrheit ist eine Provokation und ist dazu angelegt, den süßdumpfen Schlaf der Unbewusstheit zu stören.“ B.G.Z.

      => Ich beiße nicht. Ich will nur spielen (im Sinne von: mich selbst weiterentwickeln und auch anderen Menschen dabei helfen).

      Liebe Grüße

    11. „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“

      Liebe Brynja, genau wie Jesus kann auch ich Ihnen nur den Weg zeigen. Gehen müssen Sie ihn selbst.

      Irgendwo in Ihrem Blog – leider weiß ich nicht mehr wo – fragen Sie: „Geht das auch ohne Esoterik?“ Möglicherweise war diese Frage (Forderung) der Grund dafür, warum ich „zufällig“ auf Ihrer Website gelandet bin. Jedenfalls ist diese Frage mit einem klaren JA zu beantworten. JA, es geht auch ohne Esoterik. Aber es geht nicht ohne Religion. Nur muss man den Begriff „Religion“ (nicht zu verwechseln mit „Konfession“) richtig(!) verstehen und begreifen:

      RELIGION (re-ligio) bedeutet einfach nur die Rück-Verbindung, das Sich-wieder-Einbinden, also das Sich-Unterordnen unter die ewig und unveränderlich wirkenden und alles Leben im Universum beherrschenden Gesetze, auch Schöpfungsgesetze, Gottgesetze, kosmische Gesetze oder ganz einfach NATURGESETZE genannt. Nur wer sich wissend(!) in diese Gesetze einfügt(!), kann wirklich frei sein. Religion ist der Weg zur Befreiung, der Weg zur Erlösung von allem, was gegen die Natur des Menschen ist. Und dieser Weg war, ist und wird auch bis in alle Ewigkeit immer der gleiche sein:

      „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8,32)

      Jeder Mensch, der den Weg der Erkenntnis der Wahrheit geht und dieser Wahrheit dient, ist religiös – ob er sich dessen bewusst ist oder nicht. Das bedeutet natürlich auch, dass all die unzähligen Anhänger von Kirchen und Sekten, die nicht diesen Weg der Erkenntnis der Wahrheit gehen und stattdessen geistig blind und taub irgendwelchen Dogmen folgen, nicht wirklich religiös sind – auch wenn sie das vielleicht glauben.

      Liebe Brynja, in den vergangenen Jahrzehnten konnte ich mir ein hohes Maß an geistiger Freiheit erarbeiten – und wer selbst frei ist, der kann auch anderen Menschen ihre Freiheit lassen, die freie Wahl der Entscheidung.
      In diesem Sinne: Sollten Sie sich für den von Jesus propagierten Weg der Erkenntnis der Wahrheit entscheiden, um frei werden zu können, dann würde ich Sie gerne eine Zeit lang auf diesem Weg begleiten – sofern Sie das wünschen. Aber natürlich respektiere ich auch, wenn Sie einen anderen Weg wählen. Nur macht es für mich dann keinen Sinn, Sie zu begleiten. Welchen Weg auch immer Sie wählen – es ist Ihre Entscheidung, Ihr Leben und Ihre Verantwortung.

      Herzliche Grüße

    12. Huch, äh… ein bestimmt sehr lieb gemeintes Angebot… aber nein, danke! Ich bin im Gegensatz zu Ihnen der Überzeugung, dass ein Leben nicht nur ohne Esoterik möglich ist, sondern auch ohne Gott und ohne Religion. Ebenfalls im Gegensatz zu Ihnen erkläre ich diese Möglichkeit aber nicht zu dem einzig wahren Weg, sondern „nur“ zu einem AUCH möglichen Weg.

      Mehr als an Missionierungsversuchen wäre ich ja immer noch daran interessiert, dass Sie mir die Quellen und die Geschichte Ihrer Gentechnik-Ablehnung genauer erklären. Aus welchen Texten oder von welchen religiösen Führern haben Sie denn die Erkenntnis, dass eine gentechnologische Veränderung unserer Nutzpflanzen gegen die von Ihnen ja religiös verstandenen Naturgesetze verstoßen?

    13. Oder war das, was Sie schreiben, als Antwort auf meine Frage zu verstehen? Wollen Sie mir sagen, dass ich diese Wahrheit (also in dem Fall, dass Gentechnik ein Brechen der von Ihnen religiös verstandenen Naturgesetze ist), dass ich diese Wahrheit überhaupt nur sehen kann, wenn ich mich für Ihren Weg entscheide und ihn lang genug gehe?

    14. Gerade noch die Kurve gekratzt!!!

      JA, natürlich war das, was ich geschrieben habe, als Antwort zu verstehen auf Ihre Frage: „Geht das auch ohne Esoterik?“ – Im Gegensatz zu Ihnen scheine ich die „idiotische“ Angewohnheit zu haben, dass ich das, was Andere mir schreiben, erst aufmerksam lese und auf Herz und Nieren prüfe, bevor ich darauf antworte!

      Und nochmal JA, natürlich können Sie eine Wahrheit überhaupt nur dann sehen, wenn Sie sich dieser Wahrheit öffnen, d.h. wenn Sie diese Wahrheit erkennen wollen! – Auch das ist ein Naturgesetz! – Aber nicht, indem Sie sich für meinen Weg entscheiden, sondern indem Sie Ihren eigenen(!) Weg der Erkenntnis der Wahrheit finden und gehen! (Das habe ich bereits am Ende meines 2. Kommentars vom 7.11. klar und deutlich zum Ausdruck gebracht.) Nur das ZIEL, nämlich die Erkenntnis der Wahrheit, ist bzw. sollte für alle Menschen das gleiche sein. Solange die Menschen das nicht begreifen, werden all diese unsinnigen „Glaubenskriege“ nicht nur nicht aufhören, sondern immer schlimmer und schlimmer werden! – Bis es dann eines Tages heißt:

      „Die Wahrheit bleibt bestehen, und der Rest muss vergehen!“

    15. Nun, Sie mögen das Gefühl haben, sehr sorgfältig auf das zu antworten, was ich äußere, aber hier bei der Empfängerseite stellt sich dieses Gefühl leider nicht ein. Ich empfinde ihre Aussagen eher als nebulös und – nun ja – arrogant. Sie tolerieren meine Sicht ja nur insofern als sie sie als die eines verirrten Schäfchens ansehen, dem man natürlich galant anbietet, es auf den rechten Pfad zurück zu führen. Dass es neben Ihrer Weltsicht noch andere Wahrheiten gibt, die mindestens die gleiche Daseinsberechtigung haben wie Ihre Sicht der Welt, ist für Sie nicht normal. Ja, schlimmer noch, es ist sogar Hauptursache von allem Üblen in der Welt. Nach meinen Beobachtungen verhält es sich aber genau umgekehrt. Unterschiede sind normal, genauso wie Konflikte. Gefährlich wird es erst, wenn Absolut-Setzungen bei der einen oder beiden Seiten Ängste und Feindbild-Denken hervorbringen.

    16. Der Weg ist das Ziel.

      => In dem Moment, in dem Sie sich die Erkenntnis der Wahrheit zum Ziel setzen, sind Sie bereits auf dem Weg. Es bedarf dazu nur einer einzigen bewussten(!) Entscheidung. Mit einem einzigen „Ja, ich will die Wahrheit erkennen!“ stürzen sofort alle Mauern ein, die Sie bis jetzt daran gehindert haben, wirklich frei werden zu können. Mit dieser Entscheidung schließen Sie einen neuen Bund mit dem LICHT, und DIE WAHRHEIT SELBST wird Sie auf Ihrem neuen Weg beschützen und führen.

      => Die Wahrheit ist der Weg und das Leben, und niemand kommt zur Liebe (zu Gott) denn durch die Wahrheit.

      => Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

      Herzlichst, Harry

    17. Ja, ich verstehe schon, wie Sie meinen, wie das Wissen über göttliche Aufträge zu erlangen ist. Aber nehmen wir mal an, jemand hat genau so einen Erweckungsmoment, wie Sie ihn beschreiben, kommt aber durch ihn zu einer fundamental anderen Erkenntnis von Wahrheit, also in dem Fall dem, was Sie hier in Bezug auf die Gentechnik als falsch und richtig in ewiger göttlicher Wahrheit ansehen. Was dann? Wenn Sie sagen, dieser Weg zu Gott ist der, der einem die Leitlinien dafür gibt, wie wir uns im Sinne der religiös zu verstehenden Naturgesetze einfügen sollen in die Welt, wie gehen Sie damit um, dass auch zutiefst gläubige Leute ja ganz offensichtlich mit dieser Methode auch zu ganz unterschiedlichen Ansichten über Grenzen und Gebote kommen?

  7. Liebe Brynja,
    vorab: ich bin gestern über transgen auf deinen Blog gestoßen und finde deine beiden Artikel sehr treffend, auch ohne den Film gesehen zu haben (WM…).

    Folgende Frage von „Ich mal wider“ hat mich jetzt auch zum kommentieren bewegt:
    ====
    Sagen Sie doch mal in wirklich sinnvollen Grund warum man diese Zeug anbauen sollte und damit die Welt ernähren? Aber nicht den Grund “Weil es geht” oder “es ist neue Technik” usw.
    ====
    Das ist wirklich ein wichtiger Punkt wie ich finde – für den Konsumenten ist der Nutzen von gentechnisch veränderten Pflanzen nicht erkennbar bzw. er hat keinen unmittelbaren Nutzen dadurch. Den hat halt der Bauer bspw. in Form von weniger Ernteausfällen bei Bt-Mais.

    Mir sind jetzt auch nur zwei Sorten bekannt, die einen konkreten Nutzen für den Endverbraucher haben. Das wären zum Einen die „lila Tomaten“:
    http://www.welt.de/gesundheit/article2630121/Lila-Tomaten-schuetzen-vor-Krebs.html
    zum Anderen natürlich der „Golden Rice“. Gerade dieser hätte das Potenzial vielen Menschen zu helfen und auch in der Öffentlichkeit als positives Beispiel wahrgenommen zu werden. Aus vermutlich genau diesem Grund setzt Greenpeace auch soviel Geld und Energie dafür ein, den Anbau zu verhindern und ist damit leider auch recht erfolgreich.

  8. Liebe Iris Rohmann, Sie haben sich per Twitter gemeldet und gemeint, ich hätte sie „doof dastehen lassen“. Als seien Sie „auf eine Propagandalüge reingefallen“. Ich hab‘ mich entschuldigt und Ihnen gesagt, dass das nicht meine Absicht gewesen ist.

    Hier noch ein bisschen mehr Erklärung: Der Blog-Post hat sich einfach aus unserem Gespräch und dem anschließenden Anschauen des Films für mich so entwickelt. Aber ich sehe ein, dass Sie das Gefühl hatten, ich hätte sie exponiert damit. Das ist wirklich unschön und war von mir nicht so beabsichtigt.

    Ich hab ja schon geschrieben, dass es mir um die Art der Argumentation geht. Und dass ich sie überall sehe. Ging mir nicht darum, Leute zu beleidigen.

    Ich glaube auch nicht, dass Sie „reingefallen“ sind. Weil es diese Probleme ja real gibt. Und der Film lügt ja nicht. Es geht mir eher darum, dass der Film (sowie wahrscheinlich die Hälfte der deutschen Bevölkerung) diese Probleme an nur einen Haken versucht zu hängen, so als seien alle Probleme verschwunden, wenn nur diese unsägliche Gentech-Branche nicht wäre.

    Und das stimmt einfach nicht.

    Ich möchte gerne über Probleme und ihre Lösungen diskutieren, aber nicht in Feindbild-Schablonen. Ich denke auch, dass jedes politische Lager seinen eigenen Populismus hat und die grüne Bewegung – vielleicht weil sie so jung ist – noch nicht realisiert hat, das es das auch bei ihr gibt. Da gibt es allgemein ja noch keinerlei Bewusstsein drüber.

    Jaa, aber, sorry nochmal, dass Sie als Beispiel herhalten mussten…

  9. ich möchte gerne mal 3 Gesichtspunkte in die Diskussion schieben, die ich in der GVO-Diskussion eher vernachlässigt finde.
    (1) „Freisetzung“ ist bei GVO-Mais eigentlich ein vollkommen irreführender Begriff. Die Landwirte beziehen ihr Saatgut jedes Jahr neu. Mit der Ernte töten sie die Pflanzen und die darauf gewachsenen Körner ab. Gene wie das MON810-Gen sind dann auch tot, nur noch ein Haufen DNA, der von Lebewesen verdaut wird. Körner, die sich ins nächste Jahr retten können, stehen dann einer Phalanx von in Reih und Glied gesäten Körnern gegenüber, welche diese Körner des Vorjahrs einfach verdrängt. Im modernen Pflanzenbau funktioniert das so seit Jahrzehnten. durch diesen Mechanismus werden mögliche Fehlentwicklungen (z.B. gelbrostanfällige Weizenpflanzen, fusariumanfälliger Mais usw. sicher verdrängt. dies macht den modernen Pflanzenbau so sicher vor Fehlentwicklungen. Das Bild von Goethe (Zauberlehrling) ist deshalb vollkommen unangebracht.
    (2) Nutzen der Gentechnik. Es ist gut, sich klarzumachen, dass amerikanische Landwirte für gentechnisch veränderte Sorten mehr Geld bezahlen müssen als für nicht veränderte Sorten. Sie haben die Wahl, denn ihnen stehen immer beide Sortentypen zur Verfügung. Die Landwirte sind deshalb bereit, mehr zu bezahlen, weil sie sich für ihren Betrieb Vorteile versprechen. Letztlich ist es so, dass Züchter und Landwirt sich den Vorteil teilen. Der Vorteil ist nä,mlich ungefähr doppelt so groß wie die Zusatzkosten für das Saatgut. Ich finde das ein faires Geschäft. der Vorteil für den Verbraucher ist, dass der Landwirt den Mais günstiger produziert und er den günstigen Preis an den Verbraucher weitergibt.
    (3) Es gibt auch ökologische Gründe, die für GVO-Mais in USA sprechen. Bis zu den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden im mittleren Westen der USA die Maisflächen im Winter gepflügt, um Krankheiten und Schädlinge zu bekämpfen und ein sauberes Saatbett zu gewinnen. Die Böden wurden dadurch derart degradiert, dass sie bei Wind davonflogen, eine ökologische Katastrophe allergrößten Ausmaßes. Seitdem wird wesentlich schonender geackert, möglichst ohne Pflug und die Pflanzenmasse auf dem Acker liegen gelassen, damit die Oberfläche geschützt ist. Leider hat man sich durch diese schonende Arbeitsweise neue Schädlinge (europäischer Maiszünsler, Wurzelbohrer) herangezogen. Unkräuter, die jetzt vor dem Mais in Gang kommen, bedrängen die jungen Maispflänzchen. Heute können die Farmer ihren schonenden Maisanbau aufrechterhalten, weil ihr Bt-Mais die Schädlinge nicht wachsen lässt und die Herbizidtoleranz den Mais gegen Glyphosat schützt, während die grünen Unkräuter nach Roundup-Einsatz absterben. Roundup wirkt ja nicht gegen später auflaufende Unkräuter, aber gegen die hilft sich der Mais selbst. vor der Roundup-Ära wurden Atrazine eingesetzt, die im Boden sehr persistent und beweglich waren und schnellstens im Grundwasser auftauchten. Diese Wirkstoffe wünsche ich mir nicht mehr zurück!

    Wenn in Deutschland der Maiszünsler mit hochgestellten Spritzen bekämpft wird und die dann schon gewaltige Pflanzenmasse mit Insektiziden eingenebelt wird, empfinde ich das bedenklich, weil es eigentlich bessere Methoden gibt. Wer aber schon mal ein vom Maiszünsler befallenes Feld gesehen hat mit seinen von rotem Schimmel befallenen Pflanzenruinen, hat für das Spritzen dann schon wieder Verständnis.

    Grundsätzlich finde ich es einen guten Ansatz, wenn jeder das tut, was er kann, wenn es darum geht eine rapide wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, die zudem stetig steigende Ansprüche hat. Seit ich lebe, hat sie sich mehr als verdoppelt. Als Pflanzenzüchter kann ich einen Beitrag leisten, mehr nicht. Man sollte da schon bescheiden bleiben, zumal mein eigener persönlicher Beitrag klein bleiben muss. Schade finde ich es, dass mit der grünen Gentechnik ein Baustein nicht genutzt werden kann. Weniger Nahrungsmittel zu verschwenden (doch bitte wie) oder weniger Fleisch zu produzieren (obwohl tierischer Dünger so gut für den Boden ist) ist bestimmt ein Ansatz, doch einer, der immer von anderen gebracht werden soll. Das ist doch eigentlich recht bequem.

  10. …schreiben jetzt alles Ihre Freunde und Verfechter der Gentechnik hier?

    Haben Sie vor 3 Tagen ddid Doku auf 3 Sat gesehen „was kostet ein T-Shirt“? es ging rein um den Preis eines T-Shirts welche in Indien oder sonst wo hergestellt wird. Ganz kurz kam darin vor das dank Gen-Baumwolle bauen Ihre Existenzen verlieren und die Samen nicht mehr zahlen können, der Düngemittelverbrauch steigt ins unermessliche (was im Boden un den pflanzen landet) und es sterben nur dort 25.000 menschen wegen Dünger. In den USA ist es ähnlich! Die ersten 3-4 ernten waren wohl echt ok, bis dann der graus anfängt! alles was tolles darüber geschrieben wird ist nur die halbe Wahrheit!

    Ich werde das Gefühl nicht los das hier Lobbyisten und Verfechter sich die Hand schütteln. Die Texte werden wie in Foren auf gleiche Wiese geschrieben. Sehr komisch alles….

    1. Ich hab mal reingeschaut (hier ist der Beitrag in der Mediathek). Auf Gentechnik wird dort ja nur kurz bei 8:22 eingegangen. Und es sind keine eigenen, neuen Recherchen, sondern da wird auf eine schon seit Jahren laufende Diskussion Bezug genommen, ohne allerdings eindeutige Quellen zu nennen.

      Die Probleme von Baumwollfarmern besonders in einer bestimmten indischen Region sind ja schon seit vielen Jahren immer mal wieder Thema. Von Gentechnik-Gegnern wird das Leid der Bauern dort gerne benutzt um gegen die Zuchtmethode Front zu machen. Tatsächlich wurde die BT-Baumwolle wohl zu einem Zeitpunkt gepusht und eingeführt als die Verhältnisse gerade katastrophal waren, sowohl lokal wegen Missernten und Korruption, als auch am Weltmarkt wegen Preiskämpfen und Subventionen.

      Selbst im Psiram-Blog heißt es daher in diesem Zusammenhang:

      In diesem Kontext war die Einführung der BT Baumwolle ein zweifelhaftes Unterfangen. Die Hoffnungen, die geweckt wurden, konnte es gar nicht erfüllen. Wie auch? Sie wirkt zwar gegen die Baumwolleule, aber benötigt auch sehr viel Wasser und hat höhere Anfangskosten (Saatgutpreis).

      Wer den ganzen Artikel liest (sehr zu empfehlen), der merkt aber schnell, wie irreführend und unseriös es ist, die ganze Tragik der Ereignisse dort auf die Zucht-Methode hinter der eingeführten Baumwolle zurückzuführen. Das macht nur der, der verzweifelt nach Gründen sucht, Gentechnik abzulehnen. Oder der, der blind alles glaubt, was ihm ins Feindbild passt.

  11. ich seh schon, muss öfter bei Dir vorbeischauen 😉 Ich hab auch die letzten Wochen Sachen erlebt… (gerade mit den EU-Wahlen… absurd was da abging…) die ganze Anti-Gentech-Propaganda wird dermassen irrational, esoterisch und paranoid aufgezogen… Ich würde ja nichts sagen, wenn die Argumente stimmen würden… aber es ist halt so wie du´s sagst! Es sind Probleme unabhängig von der Züchtungsmethode! Auslösen von Mutationen über radioaktive Bestrahlung gilt beispielsweise als konventionell… da prüft niemand was damit passieren könnte…
    Oder die Kühe, die durch gentechn. geränderten Mais-Silage krank geworden wären… laut Auskunft mehrerer mir bekannter Tierärzte schafft man das mit konventionellen Mais auch, wenn man die Viecher aus Profitgier nur noch mit dem Zeug ernährt… die Viecher überfressen sind (kennen kein Sättigungsgefühl) und die Verstoffwechsung läuft auch ein bisschen anders. Die Gründe sind vielseitig, geschoben wird´s halt auf die Gentechnik (oder auf „Elektrosmog“, je nachdem was gerade Mode ist, oft absurderweise von den gleichen Leuten und Vereinen…) LG.

    1. Ich bin inzwischen zur Überzeugung gekommen, dass ich die Art der Argumentation nur „verstehen“ kann, wenn ich sie mir analog zu Rechts- und Linkspopulismus vorstelle. Da geht’s ja auch überhaupt nicht um die Probleme selbst oder echte Kritik an Konkretem, sondern nur um Stammtisch-Draufkloppen auf Feindbilder. An allem sind die Ausländer schuld. Oder halt die reichen Ausbeuter-Schweine. Je nachdem.

      Und hier ist halt an allem die Gentechnik schuld. Das ist im harmlosesten Fall ja nur eine andere Art irgendwie peergroup-verträglich Dampf abzulassen. Problematisch ist aber natürlich schon, dass jede Art von Populismus von schlauen Rattenfängern instrumentalisiert und in Brand gesetzt werden kann.

      Und ich empfinde diesen Öko-Populismus grade als gefährlicher als die anderen Populismus-Spielarten, weil er bei so weiten Teilen der Bevölkerung gar nicht als Populismus erkannt wird. Dieser blinde Fleck im politischen Empfinden in Deutschland wird mir grad erst in seinem ganzen Ausmaß bewusst.

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