Tierdarstellung – wirklichkeitstreu oder emotional aufgeladen?

Ausschnitt aus dem Wurm-Spiel
Auch Feuerwanzen wird übrigens ein Beinpaar dazugedichtet. Ameisen aber nicht.

Beim Rätsel dieser Woche hab ich mich ja schon als jemand geoutet, den es stört, wenn Käfer mit überzähligen Beine dargestellt werden – in dem Fall mit spinnentypischen 8 statt der insektentypischen 6. Aber wie Kornels Antwort auf meine Frage schon zeigte („Dass die roten Spinnen links nur zwei Augen mit Pupillen haben?“), erscheint es auf ersten Blick ziemlich relativ, wo man sich anfängt aufzuregen. Selbst wenn die Beine richtig wären, sind’s die Augen immer noch nicht. Warum stört mich also das eine, das andere aber nicht? Ist es vielleicht ungerecht überhaupt zu meckern, weil Darstellungen von Tieren ja selten wirklichkeitstreu sein sollen? Ich finde: Nein. Warum für mich Bein- und Augendarstellung zwei paar Stiefel sind – das eine ein Aufreger, das andere nicht .

Wenn Tiere in Geschichten mitspielen, sollen wir uns mit ihnen identifizieren können. Und das tun wir am besten, wenn man sie vermenschlicht. Wenn sie auf zwei Beinen laufen und miteinander sprechen. Wenn sie menschliche Gefühle haben, individuelle Wünsche und Ziele. Ich hab festgestellt, dass ich keinerlei Problem habe, die künstlerische Abwandlung von Tieren zu akzeptiere, wenn sie der Absicht dient, sie uns emotional nah zu bringen.

Wenn die Tiere auf dem Spielbrett vom Wurmspiel mit Comic-Kulleraugen dargestellt werden, dann ist das kein versehentlicher Fehler, sondern soll bewirken, dass wir uns von ihnen angeschaut fühlen, dass wir mit den Figuren mitfühlen. Ich finde ihre Augen ok, weil ich sehen kann, dass es für das Spiel einen Zweck hat. Hätten die Würmer keine Augen, würden sie emotional weniger taugen als Figuren. Und wären die anderen Tiere mit wirklichkeitsgetreueren Augen auszustatten, ohne Pupillen, mit starren Facetten- oder Punktaugen, würden sie uns fremder bleiben.

Wenn’s der Geschichte was bringt, find ich’s immer in Ordnung. Ich mag ja auch Science Fiction. Aber meine Akzeptanz steht und fällt mit der Funktion. Die Ungenauigkeit bei den Beinen stört mich, weil sie keinem Zweck dient. Wenn Ameisen mit den für Insekten normalen 6 Beinen dargestellt werden, Käfer und Wanzen daneben aber mit Spinnenbeinen aus der Art schlagen, dann ist das für mich keine künstlerische Absicht, sondern eine unnötige Fehlinformation.

Ein ähnliches Beispiel war für mich übrigens mal ein Specht in einem Fühlbuch. Schade, dass wir das Buch nicht mehr haben, hätte gern ein Foto für euch gemacht. Der Specht wird nämlich dargestellt, wie er kopfüber den Stamm hinunterläuft und den Hals nach oben dreht. Da dachte ich auch: will man einen Vogel darstellen, der kopfüber den Stamm runterläuft, dann soll man doch einfach den nehmen, der das wirklich genau so macht, nämlich den Kleiber. Spechte machen das nämlich nicht.

War das ein Versehen oder vielleicht sogar Absicht, weil der Specht als Art bekannter ist? Obwohl das auch komisch ist. Ich sehe Kleiber viel häufiger als Spechte. Grad heute morgen wieder im Stadtpark, auf dem Rückweg vom Kindergarten, sah ich einen ganz typisch kopfüber am Stamm laufen (im Wikipedia-Artikel ist es auch schön zu sehen).

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