Rätsel-Auflösung: Was am Ei ist eigentlich die Zelle? – Biologie des Hühnereies (1)

Buntes Osterei an blühenden Zweigen
Nein, in dieser Eierschale ist keine Zelle mehr drin …

Meine Rätselfrage der Woche war:

Was am Hühnerei ist eigentlich die Zelle?

Die Antwort ist:  Die Eizelle des Huhns ist… das Eigelb.

Auch die Hühner-Eizelle startet klein. Im Eierstock. Bei der Reifung aber wächst und wächst sie, weil sie mit Dotter vollgestopft wird bis zum Abwinken. Sie wird größer und größer, gelber und gelber. Bis zum Eisprung. Dann platzt der Follikel und entlässt die zur Dotterkugel gereifte Eizelle in Richtung Eileiter.

Auf dem Weg nach draußen wird das Eigelb, diese nackte Zelle voller Nährstoffe, mit Schutz umhüllt. Dazu produzieren die Eileiter-Wände erst viele Schichten von Eiklar, dann die Eihaut. Schließlich fügt der Uterus noch die Schale hinzu. Und schwupp – schon ist das Ei fertig!

Übrigens: Die roten Flecken, die man manchmal im Hühnerei findet und die viele Menschen eklig finden und rausfischen, sind Blutstropfen, die entstehen, wenn beim Eisprung ein kleines Gefäß verletzt wird.

Meine Oma nannte so was noch „Hahnentritt“, aber das kann es – zumindest bei unseren Supermarkt-Eiern – nicht mehr sein. Denn „Hahnentritt“ findet sich nur in befruchteten und bebrüteten Eiern. In der Sprache der Hühnerhalter „tritt ein Hahn seine Hennen“, wenn er sie begattet.  Aber die Befruchtung allein reicht noch nicht. Ob ein Ei befruchtet ist oder nicht, sieht man ihm bei der Verarbeitung in der Küche nicht an. Früher waren in der Regel alle Eier, die man aß, befruchtet.

Damit man die Folgen der Befruchtung mit bloßem Auge als Hahnentritt sieht, muss man das befruchtete Ei zusätzlich noch drei, vier Tage im Hühnerstall übersehen und der Henne damit ungewollt Zeit gegeben haben zum Brüten. Nur dann geht die Entwicklung so weit, dass auf dem Eigelb Blutgefäße zu sehen sind. Nur dann wäre das ein echter „Hahnentritt“, sprich: ein sehr junger Hühner-Embryo.

Aber wie gesagt: heutige Supermarkt-Eier kommen von Hennen ohne Herrenbesuch. Die Hühner-Damen sehen in ihrem ganzen Leben keinen Gockel, geschweige denn, dass sie einer „treten“ könnte. Und damit gibt’s in ihren Eiern auch keinen Hahnentritt.

Frohe Ostern und viel Spaß beim Eier-Suchen wünscht

bry aus ihrer Wissensküche

Übrigens: Hier geht’s zu weiteren Teilen meiner kleinen Serie zur Biologie des Hühnereies:

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6 Gedanken zu „Rätsel-Auflösung: Was am Ei ist eigentlich die Zelle? – Biologie des Hühnereies (1)“

  1. Am Spermium habe ich entdeckt, dass der Begriff Zelle (Samenzelle) in der Wissenschaft der Biologie äußerst salopp angwendet wird. Der genetische Inhalt des Spermiums ist separat lokalisiert und sehr dicht verpackt und dem Spermium wurde zudem das Zytoplasma entzogen. Ich bezeichne das Spermium daher gerne als virale Einheit (Virus) mit Mitochondrien – Antrieb.

    Das Gleiche scheint mir bei dem Eigelb entsprechend zu sein, wenn man diesen als Zelle bezeichnet, da sich bei der Befruchtung des Keimflecks um den genetischen Inhalt herum die erste Zelle des neuen Organismus (Kücken) bildet. Die neu entstehende Zelle grenzt sich ja zur Eigelb – Zelle ab, welche nunmehr keinen genetischen Inhalt mehr hat. Hier wird ja nicht die Eizelle (Eigelb) befruchtet, sondern scheinbar nur der Keimfleck.

    Ich vermute auch, dass eine Zelle von 3 bis 4 Zentimeter Durchmesser schlicht zu groß ist um als Zelle funktionieren zu können, weil die innerzellulären Entfernungen zu gross sind.

    1. Ja, man könnte denken, die Biologen als Wissenschaftler seien irgendwie zu schlampig mit ihren Kategorien, wenn sie so Unterschiedliches in eine Kategorie packt. Aber tatsächlich ist die Natur schuld, wenn man es denn so ausdrücken will. Denn es gibt eine ganz enorme Vielfalt unter Lebewesen, die sich sexuell fortpflanzen. Aber so ein paar Grundprinzipien haben sich eben doch rauskristallisiert. Die Schubladen der Biologie erscheinen für Uneingeweihte manchmal unnötig groß, aber sie bilden eben diese gefundenen Grundprinzipien ab, umfassen aber eben die ganze Vielfalt, in der sich diese Grundprinzipien ausformen.

      Es geht bei biologischen Kategorien meist eher um die Funktion von etwas für die Lebewesen. Zelle ist, was Zellmembran, DNA und Organellen für den Stoffwechsel hat. Und Keimzelle ist eben, was einen reduzierten Chromosomensatz hat und mit einem Gegenpart vom anderen Geschlecht verschmelzen kann, so dass ein neues Individuum entsteht. Als Eizelle bezeichnet die Biologie diejenige von den Keimzellen, die größer ist. Und als Samenzelle die kleinere.

      Alles andere sind Details.

      Und wenn man nicht nur Menschen und Hühner vergleicht, sondern alle Tiere untereinander, ist das, was im Vogelei so komisch wirkt, auch gar nicht mehr so ungewöhnlich. Im Gegenteil.Von der Größe ist das Vogelei zwar schon ein Extrem, das ja, aber nicht mehr vom Prinzip her. Ja, eigentlich sind nämlich nicht die Vögel die schräge Ausnahme, sondern wir. „Wir“ nicht im Sinne von „wir Menschen“, sondern im Sinne von „wir Säugetiere“. Denn unsere totale Furchung der befruchteten Eizelle, bei der gleich große Blastomeren entstehen (ohne dass Dotter übrig bleibt, was erstmal von den Teilungen ausgenommen ist), gibt es sonst nur noch bei ein paar Schwämmen, Hohltieren und Stachelhäutern. Bei uns Säugern geht es ja nur ohne Dotter, weil wir die Nahrung als Embryo über die Plazenta kriegen. Und bei den anderen mit totaler Furchtung geht es nur ohne viel Dotter, weil sie in der ersten Phase ihres Lebens als sehr, sehr einfach gebaute Larven im Meeresplankton leben.

      Bei allen anderen Tieren enthält die Eizelle Dottermaterial zur Ernährung des Embryos, was eben dazu führt, dass sie sich entweder zwar vollständig teilt, aber in ungleiche Zellen (wie bei Amphibien) oder sogar nur unvollständig teilt (meroblastische Furchung). Und das ist nicht nur bei ganz vielen Tiergruppen der Fall, sondern sogar bei den allermeisten.

      • Wobei es bei Vögeln, Reptilien, Fischen und Tintenfischen eine sogenannte diskoidale Teilung ist, bei der erst eine Keimscheibe entsteht und später embryonale Zellen die Dottermasse umwachsen, so dass der Embryo schließlich einen Dottersack als Organ hat.
      • Und bei den meisten Insekten und anderen Gliederfüßern ist es eine sogenannte superfizielle Furchung, bei der gleich die erste embryonale Zellschicht um eine zentrale Dottermasse herum entsteht

      Es stimmt also durchaus, dass das ganze Dottermaterial vom sich teilenden Embryo aus gesehen erstmal außerhalb seiner Zellen liegt. Aber im Stadium davor und von Eizelle und Zygote aus gesehen ist das Material innerhalb der Zelle und Teil von ihr. Und auch vom späteren Embryo ist es ja wieder Teil des Embryos. Man muss sich das also quasi so vorstellen, dass das Material bei den frühen Embryos, die aus sehr dotterreichen Eiern entstehen, bei den ersten Teilungen und Prozessen halt erstmal zur Seite gelegt wird, um es später wieder zu integrieren.

    1. Das ist nicht umstritten. Von einem Biologie-Professor wirst du so eine Aussage daher nicht finden. Wissenschaftsjournalisten haben viel Wissen, aber mehr in Breite denn in Tiefe. Außerdem müssen sie auch Meister der Wissensvermittlung sein. Kann sein, dass er’s nicht wusste, aber auch, dass er dachte, es sei so rum einfacher zu erklären und nicht so relevant, dass es eigentlich anders ist.

    1. Musste selbst erstmal gucken. War mir nicht geläufig. Sind, denke ich, aus der Mode gekommene Bezeichnungen. Hab sie jedenfalls in Forschungsliteratur nur vor den 2. Weltkrieg gefunden. Man nannte wohl den Teil des Eigelbs Bildungsdotter, aus dem sich der Embryo entwickelt. Und beim anderen Teil des Eigelbs war klar, dass es der Ernährung diente und deshalb nannte man es Nährdotter. Aber diese Bezeichnungen wurden wohl als irreführend erkannt, als man mehr darüber rausfand. Denn Dotter ist immer Nahrung. Und ja, nur der „Nährdotter“ enthält tatsächlich dieses nährende Dottermaterial. Aber das, was früher „Bildungsdotter“ genannt wurde, enthält eben kein Dotter, sondern das Cytoplasma und den Zellkern der Zelle. Heute sagt man statt „Bildungsdotter“ deshalb Keimfleck. Nach der Befruchtung entsteht aus dem Keimfleck durch Furchung die Keimscheibe, sprich: der frühe Embryo.

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