Schlagwort-Archive: Psychologie

Schmerz on, Schmerz off

Gestern war der Frühjahrsputz dran. Allerdings nicht der für die Wohnung, sondern der für die Zähne. Professionellen Zahnreinigung. Wirklich nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Aber überraschenderweise fand ich das Ganze gestern sogar interessant und das, gerade WEIL es unangenehm war. Keine Sorge, ich bin nicht plötzlich masochistisch geworden, im Gegenteil, ich habe versucht die Wahrnehmung meiner Schmerzen zu verändern. Es war faszinierend, bewusst zu merken, wie ich den Schmerz hoch- und runterfahren kann je nach Fokus der Aufmerksamkeit.

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Placebo-Effekt – ein Streitgespräch

  • WAS? Du glaubst, jemand der ECHT krank ist, kann allein durch die ERWARTUNG von Heilung gesund werden? Wie soll DAS denn gehen? Das ist ungefähr so absurd, wie zu glauben, dass ein Regentanz wirklich funktioniert!
  • Grrrh. Nein, das ist real und nennt sich Placebo-Effekt! Und der ist überhaupt nicht absurd. Erwartung und Heilung finden doch in ein und dem selben Körper statt! Warum soll eine Hoffnung in deinem Kopf nicht molekular in deinem Körper wirksam sein? Neuronal, hormonell?
  • NÄ, jetzt echt! Für Placebos braucht man Einbildung und Glauben. Das würde bei mir nicht wirken, weil ich nur ECHTE Krankheiten habe.
  • Das hat mit Einbildung nichts zu tun. In klinischen Studien tritt das doch auch auf und da werden die Leute zufällig den Gruppen zugeteilt.
  • Ja, aber der Placebo-Effekt in klinischen Studien beruht doch darauf, dass damit nur DER Prozentsatz an Leuten „geheilt“ wird, die sich die Krankheit eh nur eingebildet haben.

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Warum ich frei bin, obwohl mich mein Hirn steuert

Titelbild des turmdersinne-Symposiums 2011, Bild zeigt einen Verbrecher als Marionette seines GehirnsEs ist ja immer eine Freude passende Schubladen für andere Menschen zu finden. Noch viel mehr Spaß habe ich allerdings daran, eine neue Schublade für mich zu finden. Samstag vor einer Woche war es mal wieder so weit. Über die behagliche Schublade, in der ich neuerdings sitze, wollte ich schon letzten Montag bloggen, bevor mir das Läuse-Thema dazwischen kam.

Meine neue Schublade trägt den Aufkleber „Kompatibilisten“, was heißt, dass ich mich nun offiziell zu den Leuten rechne, die sich zwar als biologische Maschinen sehen, aber trotzdem meinen, sie hätten einen freien Willen. Ja, die sogar meinen, freier könnte ihr Wille gar nicht mehr werden ohne willkürlich zu werden.

Aufgegangen ist mir das beim Vortrag von Ansgar Beckermann beim Symposium turmdersinne 2011 über „Verantwortung als Illusion? – Moral, Schuld, Strafe und das Menschenbild der Hirnforschung“. Beckermanns Vortrag war sicherlich nicht der mitreißendste des Wochenendes, aber gerade in seiner Unaufgeregtheit fühlte ich mich sehr zu Hause. Das Thema Willensfreiheit fasziniert mich schon seit Jahren, dabei fand ich den ganzen Streit darum aber zunehmend unsinnig. Warum ich frei bin, obwohl mich mein Hirn steuert weiterlesen

Vorfreude auf Hirnforschung und Philosophie

Titelbild des turmdersinne-Symposiums 2011, Bild zeigt einen Verbrecher als Marionette seines GehirnsNoch scheint es Karten zu geben. Wer sich also (wie ich) schon jetzt auf den Herbst freuen will, sollte sich noch schnell beim diesjährigen „Turm der Sinne“-Symposium anmelden. Wie jedes Jahr laden die Macher des kleinen Nürnberger Museums zu einem Wochenende voller interessanter Vorträge. Diesmal referieren Neurobiologen und Psychiater, Juristen und Philosophen zur Frage: Verantwortung als Illusion? – Moral, Schuld, Strafe und das Menschenbild der Hirnforschung.

Die Veranstaltung richtet sich an die breite, interessierte Öffentlichkeit. Und das macht sie auch gut. Wobei es natürlich den Wissenschaftlern unterschiedlich gut gelingt, sich allgemeinverständlich auszudrücken – so zumindest meine Erfahrung von früheren Symposien (2004, 2009 und 2010). Vorfreude auf Hirnforschung und Philosophie weiterlesen

Gehirne kneten

Bei der Recherche für meinen ersten Post-Babypausen-Artikel für das Laborjournal (dazu später mehr) stolperte ich über eine nette Idee. Um seinen Psychologie-Studenten die Hirnanatomie nahe zu bringen lässt der Neurowissenschaftler Onur Güntürkün sie aus farbiger Knete Gehirnmodelle modellieren. Mehr dazu im Video:

Das menschliche Gehirn – ein Mal- und Bastelkurs (bei Google Videos)

Ob das wohl schon was für meine Jungs wäre bei der nächsten Knet-Session? Wer sich für Dinosaurier-Ausgrabungssets interessiert oder Arztkoffer-Abhör-Spiele, den kann ich damit vielleicht auch begeistern? … 😉

Wo wir grad bei Geisteswissenschaftlern sind

Noch mal zum bereits erwähnten Symposium vom Turm der Sinne 2010 in Nürnberg. Mich hat mal interessiert, was der Moderator der Podiumsdiskussion am Schluss eigentlich über die Veranstaltung gebloggt hat. Und ha, endlich klärt sich auf, warum er für einen Moderator so ungewöhnlich viel selbst zu sagen hatte (so viel, dass mehrmals laute Rufe aus dem unruhigen bis ungehaltenen Publikum schallten). Er schreibt nämlich, dass ein bisschen mehr Dissonanz und Widerspruch der Veranstaltung gut getan hätte und meint damit, dass da feministische Naturwissenschaftskritik und radikaler Diskurskonstruktivismus gefehlt haben. Komisch, mir haben die so gar nicht gefehlt. Was mir allerdings gefehlt hat, war ein Moderator, der die Diskussion derjenigen Leute leitet, die tatsächlich da sind und nicht die Stimmen derjenigen versucht zu ersetzen, die ihm fehlen… ;-)

Hormone im Kopp?

Wie eigentlich das Symposium war, auf das ich mich so gefreut hab  (Nur noch 16 Tage bis zum Symposium)? Na, gut war’s! Ist ja schon fast 10 Tage her. Noch nicht zu lang um ein Wochenende voller spannender Vorträge zu loben. Von Hirnforschung/Psychologie bis Soziobiologie/Verhaltensforschung drehte sich ja alles um die kleinen (Hirn-) Unterschiede zwischen den Geschlechtern (Mann, Frau, Gehirn. Symposium turmdersinne 2010, Nürnberg). Einziger Kritikpunkt: Die neue Location war nicht so prickelnd. Der Saal im Maritim-Hotel ist zwar groß, aber davor war wenig Platz. Neben dem Gewusel einer Hotelrezeption zwischen Reisebus-Handling und Geschäftsleuten ist es schwer mit der Vergeistigung… ;-) Und dieser 80er Jahre Charme, nee… Vorher im Germanischen Nationalmuseum mit dem vielen Weiß und den hohen Decken passte die Atmosphäre viel besser zum Inhalt, fand ich. Hormone im Kopp? weiterlesen

Nur noch 16 Tage bis zum Symposium

Ich freu mich schon auf’s diesjährige Symposium vom Turm der Sinne (1.-3. Oktober, Hotel Maritim, Nürnberg) und hoffe auf ähnlich interessante Vorträge wie letztes Jahr. Thema diesmal: Mann, Frau, Gehirn – Geschlechterdifferenz und Neurowissenschaft.

2004 hatte mich das Thema Willensfreiheit das erste Mal hingelockt. Toll! Intellektueller Hochgenuss! Letztes Jahr ging’s um Kreativität. Da hätte ich mich wohl nicht angemeldet, wäre ich 2004 nicht so begeistert gewesen. Kreativität klingt ja immer so nach Selbsthilfe-Buch-Wischiwaschi. Aber für mich war’s beide Male genau die richtige Mischung von Hirnforschung, Psychologie und philosophisch-weltanschaulichen Fragen.

Und mal von Freitag abend bis Sonntag mittag Vorträge zu hören, zu lesen und zu diskutieren, das ist für mich wie Urlaub. Ich hab kleine Kinder und kann von daher froh sein, wenn ich mal einen kleinen Gedanken zu Ende denken darf. Größere Gedanken in aller Breite und Tiefe? Hmmh, schwierig… Von daher freu ich mich auf ein Luxus-Wochenende mit Wellness für den Geist.