Rezension: Maras Reisen – spannend & anspruchsvoll

Cover_MarasReisen

Keine Bilder, ganz schön anspruchsvoll und doch der Überraschungsstar in der Gunst der Kinder: Maras Reisen* ist ein spannendes Kinderbuch über die Evolution, das meine Jungs (11 und 8) zu faszinieren verstand.

Ich war auf der Suche nach neu erschienenen Evolutionsbüchern für Kinder als ich Maras Reisen* bei Amazon entdeckte. Zwar ist das Buch gar nicht neu, wurde aber im Februar neu aufgelegt. Die frühere, 2005 bei Ullstein erschienene Auflagen ist nur noch antiquarisch erhältlich. Die Autorin Gabriele Kisser-Priesack hat das Buch daher als Kindle-E-Book wieder herausgegeben (Wie man es lesen kann, auch wenn man kein Lesegerät von Amazon hat, erkläre ich am Ende des Beitrags).

Kann dieses Buch funktionieren?

Dass das Buch bei meinen Kindern so gut ankommt, darauf hätte ich nie gewettet, ehrlich gesagt. Anders als andere Kinderbücher erzählt es nämlich nicht nur den sonst üblicherweise behandelten, späten Teil der Evolutionsgeschichte und handelt auch nicht nur von Tieren wie Dinos oder unseren Affenvorfahren.

Nein, das Buch beginnt bei den allerersten Anfänge. Die Hälfte des Buches geht es erstmal nur um Bakterien und Einzeller. Später kommen natürlich auch Tiere vor,  einen prominenteren Platz in der Geschichte nimmt aber die Evolution der Pflanzen ein.

Und als wäre das nicht schon unbewöhnlich genug, mutet die Autorin den Kindern noch einiges an Zellbiologie, Biochemie und Genetik zu. Da ist von Zellorganellen wie Mitochondrien und Chloroplasten genauso die Rede wie von DNA und Enzymen oder von diploiden und haploiden Zellen. Auch Photosynthese und Atmung sind Thema. Und dieses Wissen wird in sehr langen, detailreichen Dialogen vermittelt.

Deswegen dachte ich: Wenn das meinen Kinder nicht zu viel wird… Umso überraschter war ich also, als meine beiden Jungs mir beim Vorlesen an den Lippen hingen. Wenn es eigentlich schon längst Zeit für’s Bett war, bettelten sie noch, dass ich doch zumindest noch ein kleeeines Stück weiterlesen solle . Es war … erstaunlich!

Optimale Mischung aus Spannung und Wissensvermittlung

Ein großer Teil der Anziehungskraft des Buches erklärt sich daraus, dass Kisser-Priesack die Bakterien und Einzeller darin zu echten Charakteren gemacht hat. So ist Maras Begleiter auf der Zeitreise in die Frühzeit des Lebens niemand geringeres als der erste Chloroplast auf Erden. Er lebt immer noch und kann die Evolution daher als seine ganz persönliche Geschichte erzählen.

Erstaunlich war ebenfalls , dass mir diese Art zu erzählen auch gefiel. Denn normalerweise mag ich es nicht so, wenn Pflanzen, Tiere oder gar Zellen vermenschlicht werden. Vor allem, wenn es um Evolution geht. Denn nach meiner Erfahrung wird dann oft der Fehler gemacht, die evolutionäre Weiterentwicklung als etwas darzustellen, was passiert, weil die Protagonisten sich  den nächsten Evolutionsschritt wünschen. Und genau diese Vorstellung steht einem echten Verständnis der Mechanismen von Evolution oft eher im Wege.

Doch die Autorin umschifft dieses Problem gekonnt. Die Zelle und ihre Schicksalsgenossen werden zwar vermenschlicht dargestellt – mit Hoffnungen, Ängsten und emotionalen Beziehungen. Aber wenn sich im Laufe der Evolutionsgeschichte etwas an ihnen verändert, dann wird das durch zufällige Mutationen in ihrer DNA erklärt, die für den betroffenen Organismus völlig überraschend kommen. Etwa wenn die Zellteilung – huch! – ganz anders verläuft als sonst.

Kisser-Priesack lässt ihre Hauptfigur Mara die ganze Geschichte der nach und  nach entstandenen Neuerungen des Lebens im Zeitraffer sehen und erleben. Auch Aspekte unseres eigenen menschlichen Lebens, die für jeden von fundamentaler Bedeutung sind, werden dabei aus der biologischen Perspektive beleuchtet. Altern und Tod etwa entstanden in der Evolutionsgeschichte erst mit der Mehrzelligkeit. Und dass jeder von uns Eltern hat, ist ein Phänomen, das es so ja erst seit der sexuellen Fortpflanzung gibt.

Fazit:

Ein spannendes Buch über Evolution für Kinder ab 8 Jahre. In jedem Kapitel gibt es etwas zu lernen. Was den frühen Zellen und ihren Nachfahren von Anfang des Lebens bis zu unserer Zeit widerfährt ist dabei fesselnd beschrieben – ja, manchmal geradezu dramatisch.

Das Buch ist besonders empfehlenswert als Vorleseprojekt, denn die Geschichte zieht auch Erwachsene in ihren Bann, so dass die Familie gemeinsam mit Mara die Evolutionsgeschichte erforschen kann. Durch den etwas anderen Themenfokus als sonst gibt es auch für große Leute genug zu entdecken, die meinten sich schon gut auszukennen.

Ich brauchte übrigens diesmal kein Rezensionsexemplar anzufragen. Weil das Buch Teil des Kindle unlimited-Angebots ist, konnte ich es kostenlos ausleihen (oder genauer gesagt: für mich als Amazon Prime*-Kundin ist ein E-book pro Monat in der Jahresgebühr von 49,- Euro mit drin).

Kindle-Buch ohne Kindle lesen?

Um ein Buch wie „Maras Reisen“ lesen zu können, was nur im Kindle-Ebook-Format erschienen ist, ist nicht unbedingt ein Kindle-Lesegerät von Amazon nötig. Das Buch lässt sich auch an Tablet oder Smartphone lesen. Gebraucht wird dafür nur die kostenlose Kindle-App:

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Weitere Rezensionen von Kinderbüchern über Evolution

Dies ist der Auftakt einer kleinen Serie von Buchbesprechungen über neu erschienene Kinderbücher zum Thema Evolution. Anlass ist die Aktion Blogger schenken Lesefreude, an der ich auch dieses Jahr wieder teilnehme. Mindestens eins der besprochenen Bücher werde ich auch verlosen. Welches, verrate ich aber erst, wenn die Verlosung am Samstag, den 23. April startet. Hier geht’s zur Vorschau, welche Bücher ich bis dahin noch besprechen werde.

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