Wir dulden Hass in unserer Mitte – wenn er grün ist

Nicht nur rechter, linker und liberaler Populismus ist eine Gefahr für die Demokratie, sondern auch seine grüne Variante.

Was seht ihr vor euch, wenn ihr an gefährlichen Populismus denkt?

Seht ihr einen Stammtischbruder, der mit feisten Schützenvereins-Kumpels über „Schwuchteln“ herzieht oder über „dieses kriminelle Ausländerpack“ ?

Oder seht ihr eher den linken Eiferer, der sich mit seinen Antiglobalisierungs- Spezis einig ist, dass alles nur die Schuld „reicher Ausbeuterschweine“ ist?

Oder seht ihr gar den verächtlichen Beschlipsten, der sich mit seinen smarten Yuppie-Freunden darüber ereifert, dass „diese wohlstandsvernichtenden Marktverzerrer“ unser Untergang sind?

Ich persönlich finde ja alle drei unerträglich. Weil jede Art von Populismus mich verstört und alarmiert. Weil jede Art von Populismus gute Werte hinter sich gelassen hat und nur noch vernichten will .

Alle drei sind für mich Stammtischbrüder, denen gemeinsam ist, dass sie in Feindbildern denken und die Illusion erzeugen, alle Probleme würden sich schon in Wohlgefallen auflösen, wenn man nur die von ihnen auserkorenen Sündenböcke in die Wüste schickt.

Und sie sind allesamt Anti-Demokraten. Sie predigen Hass und steigern sich in die Vorstellung herein, die Welt gehe vor die Hunde, wenn nicht sie den Kampf um die Macht gewinnen, sondern die Gegenseite. Und die Gegenseite, das sind nicht nur die dämonisierten Feinde selbst, sondern auch alle, die es wagen, die Gefahren zu „verharmlosen“ und Probleme „herunterzuspielen“.

Das Ziel von Populisten ist daher stets nicht nur die vollständige Entmachtung oder sogar die Vertreibung der Feinde, sondern auch der soziale Ausschluss von Andersdenkenden.

Gefährlichen Populismus  gibt es aber nicht nur in den drei politischen Geschmacksrichtungen von rechts, links und liberal, sondern auch in seiner grünen Variante. Und zumindest aus meiner Warte sieht es derzeit so aus, als würde dieser sehr viel seltener als solcher erkannt und benannt als die Populismus-Formen der anderen Politikrichtungen. Ich persönlich halte ihn daher momentan für den gefährlichsten Populismus in Deutschland.

Der unsichtbare Populismus

Im Zentrum grüner Ressentiments steht das Feindbild des Künstlichen. Gefahr droht in grüner Überzeugung vor allem durch Atomkraft sowie durch alles, was aus den Chemiefabriken und den Gentechniklabors der Welt kommt. Weil uns dieses Künstliche meist in Form von Produkten begegegnet, und mit Produkten ökonomische Interessen verbunden sind, tut sich grüner Populismus gerne mit linkem Populismus zusammen.

Raus kommt dabei ein Stammtischbruder grün-linker Prägung, der mit seinen um die Welt besorgten Freunden zusammensitzt. Er kann sich ihrer Zustimmung ganz gewiss sein, wenn er sich auf die großen Saatgut- und Pflanzenschutzkonzerne einschießt. Er beschwört dann düstere Visionen davon, dass uns Monsanto und co mit ihrem „manipulierten Frankenstein-Essen“ und ihren Pestiziden alle vergiften, und dass sie außerdem alles vernichten, was uns lieb und teuer ist, wenn man ihnen nicht Einhalt gebietet. Alles werden sie zerstören: unsere Gesundheit und die Natur, aber auch die Ökolandwirtschaft, unsere Freiheit und unsere Kultur. Einfach alles.

Ich behaupte: Eine solche Rede wird von ganz, ganz vielen Leuten momentan nicht als Populismus erkannt.

In meinem Umfeld erkennt jeder meist schnell eine rechte Hassrede. Sobald Ausländer als Untergang Deutschlands bezeichnet werden, weiß man, wohin die Reise geht. Genauso wird sofort mit den Augen gerollt, wenn in neoliberalen Schreckensvisionen jede Form staatlicher Regulierung als ein Sargnagel für den deutschen Wohlstand dargestellt wird.

Bei linkem Populismus ist die Erkennungsrate niedriger, aber durchaus noch vorhanden. Für den grün-linken Populismus scheinen die meisten Leute momentan aber wirklich keinerlei Alarmglocken zu haben. Und das ist erstaunlicherweise fast völlig unabhängig von dem, was die Leute so wählen und welche Art von Zeitungen sie lesen.

Meine Beobachtung ist: grüner Populismus ist nicht nur salonfähig, sondern gilt inzwischen sogar quer durch die Gesellschaft als eine Art „gesunder Menschenverstand“. Die vom grünen Populismus vorhergesagten, apokalyptischen Katastrophen werden nicht etwa als absurd belächelt, wie die Untergangsszenarien der andern Populismus-Formen.

Nein. Ich habe im Gegenteil schon bei den Anhänger aller politischer Lager gesehen, wie schnell sie das Thema Gentechnik in Angst und Schrecken versetzen kann – ohne erkennbare, kritische Distanz zu den Behauptungen, die der grüne Populismus dazu macht.

Parlament ohne Gegenwehr

Früher gab es gegen diese populistische Weltsicht zumindest Widerstand im Parlament. CDU und FDP hielten bei so was dagegen aufgrund ihrer Wissenschafts- und Wirtschaftsnähe.

Aber heute?

Die FDP ist bei der letzten Bundestagswahl an der 5-Prozent-Hürde gescheitert und sitzt demnach nicht mehr im Parlament. Und die CDU – nun ja – die hat sich darauf verlegt, den grünen Populismus nicht mehr zu bekämpfen, sondern für sich zu vereinnahmen. Ja, man könnte sogar sagen, Angela Merkel hat ihn quasi gekapert. Nach dem Atomausstieg ist die Gentechnik damit das zweite ursprünglich grüne Thema, was die Kanzlerin einfach zu ihrem eigenen machte. Und die SPD macht in der Großen Koalition derzeit einfach mit.

Auffallen tut das aber kaum jemandem. Im Europawahlkampf war die partielle Blindheit besonders eklatant. Sehr eindeutig benannten die etablierten Parteien, dass der AfD mit homophoben Ressentiments flirte und gerne rechtspopulistisch argumentiere. Dass die große Koalition direkt daneben aber mit grünem Populismus ins Rennen ging, wurde nicht thematisiert.

Zwar betont die Kanzlerin noch immer, dass es keine wissenschaftlichen Gründe dafür gäbe, die grüne Gentechnik abzulehnen. Das hält sie aber nicht davon ab, die Ablehnung der Verbraucher in diesem Punkt zu „respektieren“ und nun auch in Brüssel politisch umzusetzen.

Ich habe erst gedacht, dass man gegen diese Argumentation schlecht was sagen könnte, schließlich leben wir ja in einer Demokratie und da entscheidet ja nun mal Volkes Wille. Aber seitdem mir klar wurde, dass die grüne Ablehnung von Gentechnik einer zutiefst populistischen Logik folgt, sehe ich Merkels Kurs wesentlich kritischer.

Vorurteile in Gesetze gießen ist keine Demokratie

Wenn man so will, ist es nämlich wichtige Funktion jeder Partei, den jeweiligen Populismus der politischen Gegner zu regulieren. Die CDU erfüllt diese Aufgabe momentan nicht. Und dadurch ist im Bundestag niemand mehr, der dem grünen Populismus in Sachen Gentechnik widerspricht.

Wie gefährlich das ist, sieht man vielleicht besser, wenn man sich das mal in Szenarien mit den anderen Populismus-Formen vorstellt:

Es ist so als würden massenhaft Ausländer ausgewiesen um Kriminalität zu bekämpfen und alle Parteien würden das schulterzuckend zur Kenntnis nehmen mit der Erklärung: „Man muss schließlich den Willen der Wähler respektieren und der fühlt sich nun mal von fremdländisch aussehenden Menschen auf deutschen Straßen in seiner Sicherheit bedroht.“

Es ist so als duldeten alle, den „reichen Ausbeuterschweinen“ etwas wegzunehmen, weil es ihnen eh nicht zustehe. Dass sie es unrechtmäßig erworben haben, das fühlten die Leute da draußen schließlich.

Es ist als würde durch die Bank verständnisvoll genickt, wenn alles dem freien Markt im Wege stehende abgeschafft wird. Wenn sie alle sagten: Klar,  privatisieren wir alles. Die Leute fordern das schließlich, weil sie wissen, dass der Staat und seine Eingriffe das größte Gift für Wachstum und Wohlstand ist.

Schon beunruhigende Vorstellungen, oder?

Genauso aber sollte uns beunruhigen, wenn dem grün-linken Populismus so gar nicht mehr widersprochen wird. Wenn es niemanden mehr juckt, dass ganze Technologie-Zweige dämonisiert werden. Wenn es nicht mehr darum geht, wie sich eine bestimmte Pflanze nun konkret verhält, in unseren Mägen oder im Zusammenspiel mit ihrer Umwelt, sondern wenn allein zählt, wo sie herstammt. Aus dem Genlabor? Dann wollen wir sie nicht! Dann kann sie nicht gut sein.

Die unheimliche Macht der Suggestion

Der grüne Populismus suggeriert, unsere Welt würde dadurch sicherer. Aber wird sie das wirklich? Dem wäre so, wenn das zugrundeliegende Vorurteil stimmen würde, dass Künstliches oder technologisch Verändertes automatisch gefährlich wäre und Natürliches automatisch sicher. Aber dem ist nun mal nicht so.

Anzunehmen, dass etwas gentechnisch Verändertes ganz grundsätzlich gefährlicher ist als etwas Natürliches ist sogar ungefähr so seriös wie anzunehmen, der neue Nachbar verticke sicherlich Drogen, nur weil er eine dunkle Hautfarbe hat. Oder wie die Annahme, dass ein Typ bestimmt Millionen bei Schweizer Banken hat, nur weil er ein dickes Auto fährt.

Alles drei ist schlicht und einfach ein Vorurteil.

Natürlich gibt es künstlich Hergestelltes, das für Mensch und Umwelt schädlich ist. Genauso wie es schwarze Drogendealer gibt. Und wie es Steuerhinterzieher gibt, die Luxuswägen fahren. Aber generell von dem Einen aufs Andere zu schließen gilt zu Recht als diskriminierend.

Diese Art von Vorurteilen politisch auszuschlachten ist nicht nur gefährlich, weil es Hass nährt, sondern auch völlig irreführend. Denn wenn Drogen das Problem sind, sollte man sich doch – statt rechte Ressentiments zu bedienen – lieber auf Maßnahmen gegen Drogen-Konsum und -Handel konzentrieren, und zwar völlig egal, welche Hautfarbe die Dealer zufällig haben.

Und wenn es einem wirklich um Steuergerechtigkeit geht, dann sollte man doch generell alle Schlupflöcher, Schummeleien und Möglichkeiten der Schwarzarbeit bekämpfen und das Thema nicht nur populistisch ausschlachten, um Stimmung gegen Reiche zu machen.

Und wenn man sich um die Gesundheit der Bevölkerung sorgt, dann sollte man sich doch – statt Ängste gegen Unnatürliches zu schüren – um die Erkennung und die Abwehr von jeder Art von Gesundheitsgefahr kümmern, unabhängig davon, ob Risiken nun aus dem Labor oder aus der Natur drohen.

Denn klar gibt es synthetisch Hergestelltes, das sich als schädlich erwiesen hat, wie Contergan oder DDT. Aber Schäden für die Gesundheit drohen auch aus natürlichen Quellen, wie von Asbest oder Tabak.

Klar gilt es, Nahrung auf Verunreinigung durch künstlich Produziertes zu untersuchen, aber ebenso wichtig ist es, unsere Lebensmittel auf Krankheitserreger, Pilzgifte und andere rein natürliche Toxine zu testen.

Und klar kann man Pflanzen gentechnisch so verändern, dass sie für uns weniger genießbar sind. Aber Gesundheitsgefahr lässt sich auch herkömmlich in Pflanzen bringen, indem man sie mit giftigen Verwandten kreuzt oder zur Zucht solche Exemplare nimmt, die einen besonders hohen Gehalt eines pflanzeneigenen Giftes haben. Der Verzehr besonders Solanin-reich gezüchteter Kartoffeln zum Beispiel würde uns zuverlässig um die Ecke bringen, obwohl es „nur“ ein Giftstoff ist, der ganz natürlich in Nachtschattengewächsen vorkommt.

Die falschen Versprechen der Demagogen

Zu meinen, mit dem Verbot von Gentechnik seien Gesundheitsgefahren zuverlässig gebannt, ist daher ein ganz ähnlicher Trugschluss, wie anzunehmen, man hätte automatisch das Drogenproblem gelöst, wenn man nur „all diese Schwarzafrikaner“ ausweist. Das wäre nicht nur haarsträubend rassistisch, sondern auch völlig an der Sache vorbei. Denn nicht nur hätte man dann die Mehrheit schwarzer Mitbürger, die ein ganz normales Leben lebten, völlig zu Unrecht abgeschoben. Nein, man hätte auch die Dealer mit weißer Hautfarbe immer noch an der Backe.

Ähnliches gilt für Probleme wie die Resistenzbildung. Die grünen Populisten suggerieren ja gerne, Resistenzen entstünden nur gegen Monsanto-Produkte, seien alleiniges Problem „hintertriebener Agrargroßkonzerne“ und der armen Bauern, die der „perfiden Werbung dieser verachtenswerten Manipulatoren“ auf den Leim gegangen sind. Mit Verachtung und Häme wird getönt, dass wohl die tolle Supertechnologie doch nicht so gut wirke, weil sie ja im Gegenteil gift-resistente Viecher und Super-Unkräuter hervorbringe, die man gar nicht mehr in den Griff kriege.

Dabei ist die Wahrheit ja die, dass Resistenzen mitnichten nur gegen synthetische und gegen gentechnisch eingebaute Pflanzenschutzmittel auftreten, wie grüne Populisten gerne suggerieren, sondern genauso gegen natürliche Pestizide. Genauso wie es Resistenzen gegen Monsanto-Produkte gibt, gibt es auch Resistenzen gegen jene Mittel, die der Bio-Landwirt auf seine Felder spritzt – wie gegen das aus einem Pilz gewonnene Spinosad zum Beispiel oder gegen das aus Chrysanthemen-Pflanzen extrahierbare Pyrethrum.

Aber hat man je von Resistenzen gegen Bio-Spritzmittel gehört? Nein, natürlich nicht. Die Resistenzbildung bei Unkraut und Schädlingen eignet sich auch eigentlich nicht dafür, sie irgendwem in die Schuhe zu schieben, beruht sie doch auf evolutionären, also natürlichen Prozessen, die immer und überall auftreten, völlig unabhängig von der Zuchtmethode oder der Herkunft der verwendeten Pflanzenschutzmittel.

Das Thema taugt eigentlich überhaupt nicht für die gut/böse-Einteilung, weil es ein ganz allgemeines Problem jeder Landwirtschaft sind. So unabhängig von natürlich vs. künstlich wie es Drogenprobleme von der Hautfarbe sind.

Aber solche Details hat Populisten ja noch nie gestört.

Rechtspopulisten schaffen es ja auch, den Eindruck zu erwecken, Kriminalität sei irgendwie immer mit irgendwelchen unbeliebten Fremden verbunden, mit Asylanten, Zigeunern oder osteuropäische Einbrecherbanden. Obwohl das offensichtlicher Quatsch ist. Aber man redet halt stumpf nur über die Fälle, in denen einem die Täter ins Stigmatisierungsschema passen.

Auf ähnliche Art suggerieren Linkspopulisten ja auch gerne, Steuerhinterziehung, Betrug und Ausbeutung von Angestellten finde nur bei den ganz großen Geldbeuteln statt oder nur bei den ganz großen multinationalen, börsennotierten Konzernen. Sie sagen das nicht, weil das tatsächlich wahr wäre, sondern nur, weil sie alles sammeln, was ihre Vorurteile gegenüber ihren Lieblingshassobjekten bestätigt.

Die Opfer des Hasses

Ich weiß nicht. Vielleicht sind den meisten Leuten die Opfer des grünen Populismus egal, weil hier ja scheinbar keine Menschen dämonisiert werden, sondern „nur“ Technologie-Zweige und „nur“ alle Firmen, die damit ihr Geld verdienen. Aber ist das wirklich wahr?

Denn in diesen Firmen arbeiten ganz normale Menschen. Sie verlieren durch eine Hexenjagd wie diese erst das Ansehen in ihrer Gemeinschaft und am Ende ihre Jobs. Und das, ohne dass die Welt dadurch sicherer würde.

Das sollte einem nicht egal sein.

Auch sollte einem, finde ich, nicht egal sein, dass Populismus eine gefährliche Eigendynamik entwickelt. Wenn man ihm gibt, was er verlangt, dann lehnt er sich danach ja nicht zufrieden zurück. Nein, er wird im Gegenteil doch immer stärker, je mehr Feinde er bezwingt. Wenn ein Hassobjekt besiegt am Boden liegt, sucht er sich das nächste. Es ist ja nicht so, dass uns die Mechanik dieser sozialen Prozesse unbekannt wäre.

Wer weiß also, welcher Industriezweig nach der Pflanzen-Gentechnik in Deutschland dran sein wird. Welche Branche als nächstes exorziert werden muss, nachdem Gentech-Saatgut bald endgültig als Sündenbock von deutschen Feldern gejagt ist.

Denn wie sehr der grüne Populismus schon gewonnen hat, ist ja auch kaum bekannt. Es gibt ja seit Jahren keine Freisetzungen mehr. Die Firmen haben sich aus Deutschland als Anbauland schon zurückgezogen.

Von den Bauern fanden sich vorher auch immer weniger, die das anbauen wollten. Wer tut sich das schon freiwillig an? Sich die Felder zerstören zu lassen. Und wenn auf die Familie runtergeschaut wird, weil man es wagt „dieses Gengift“ anzubauen.

Aber wenn in Brüssel alles so läuft wie geplant, muss noch nicht mal mehr auf dem Dorf Angst geschürt, gemobbt und bedroht werden, denn dann darf Deutschland den Anbau jeder Gentech-Sorte einfach offiziell verbieten. Auch wenn sich die Pflanzen – wie bisher – in allen Tests als sicher erwiesen haben. Es muss einen dann nicht mehr interessieren, ob der Schwarze tatsächlich dealt, äh, ob diese Pflanze wirklich gefährlich ist, sondern es reicht, wenn sie schwarz ist, äh, wenn an ihr etwas angeblich Widernatürliches ist.

Zeit, die Augen auf zu machen

Dass die Forderungen des grünen Populismus, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu verbieten, jetzt von der großen Koalition in der EU umgesetzt werden, kann meiner Meinung nach nur daran liegen, dass die Mehrheit der Politiker und der Bevölkerung die Ablehnung von Gentechnik nicht als populistisches Denken erkennt, sondern höchstens als übertriebene Vorsichtsmaßnahme.

Diese partielle Blindheit was einen der gefährlichen Populismus-Arten angeht, kann nur daran liegen, dass die meisten Menschen hierzulande nicht sehen – wie ich ja auch lange nicht – dass es sich beim Ablehnung von Unternehmen der Grünen Gentechnik um die gleiche Art von Hass handelt wie sie „Kanacken“, „Bonzen“ oder „Sozialschmarotzern“ durch andere Populisten entgegenschlägt.

Es ist an der Zeit, dass unsere Demokratie sich gegenüber grünem Populismus als genauso wehrhaft erweist, wie gegen die anderen Populismus-Arten auch.

Sie kann ihre Wehrhaftigkeit aber nur zeigen, wenn wir anfangen, dem Hass zu misstrauen.  Wenn wir uns klar machen, dass seine Vernichtungskampagne allein auf Vorurteilen beruht. Wenn wir aufhören ihm zu glauben, dass er die Welt sicherer macht.

Auch können wir die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie beweisen, indem wir endlich die Opfer dieser Hetze beschützen. Sie beschützen vor den Abwertungen, Beschämungen und haltlosen Beschuldigungen, denen alle Leute, die mit grüner Gentechnik zu tun haben, seit Jahren ausgesetzt sind.

Lasst uns einer Hetze die Stirn bieten, die beginnt, sich größere Opfer zu suchen: Alle Landwirte, die konventionell arbeiten. Die Wissenschaft im Allgemeinen. Und jeden, der grüne Vorurteile in Frage stellt.

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27 Gedanken zu „Wir dulden Hass in unserer Mitte – wenn er grün ist“

  1. Hallo Brynja,
    ich hatte dazu dieses Frühjahr ein Schlüssenerlebnis hier im Dorf. Eine Wahlkampfveranstaltung der SPD (nichtmal der Grünen…) zur Europawahl. Anwesend eine Europa-Kanditatin und eine Bundestagsabgeornete.
    Die Bundestagsabgeornete hatte gegen einen Antrag der Grünen zur Gentechnik gewählt, weil er aus ihrer Sicht einfach überflüssig war. Worauf sie den allgemeinen Unmut der Versammelten auf sich zog. In der weiteren Diskussion sagte sie dann einen Satz, der mich schockiert hat: Sie würde in Zukunft für nichts mehr stimmen, wo ansatzweise „Gentechnik“ draustehen würde. Ich hab mich anschließend zu wort gemeldet weil ich´s einfach eine Sauereri finde, das hier grüne Populisten auch mit vielen falschen Argumenten und Anekdoten Bundestags- und Europaabgeordnete vor sich herzutreiben. Ich hab gesagt, dass es mir unbegreifbar ist, dass man eine Technologie dergestalt per se ablehnt, und wurde vom ganzen Saal niedergebrüllt.

    1. Wow, ja, ich kann’s mir bildlich vorstellen! Mich schockiert immer mehr, wie viel sozialen Druck gerade solche Leute auszuüben bereit sind, die an anderer Stelle ja für Vielfalt und Individualität eintreten. Leute, für die es eine Herzensangelegenheit ist, Minderheiten zu schützen und sie vor Mobbing und Bullying zu schützen. Leute, die vielleicht selbst angefeindet werden und wurden, weil sie mit „mein Bauch gehört mir“ auf die Straße gingen oder weil sie Vegetarier sind oder weil sie schwul- und lesbisch-sein genauso normal finden, wie hetero sein. Trotz all dem sind sie bereit, auf Abweichler in Sachen Gentechnik oder auf Leute mit aus ihrer Sicht veraltetem Geschlechterrollenmodellen, massiven Druck auszuüben. Denen wird unterstellt, sie seien dumm, gehirngewaschen oder gekauft. Zumindest halten sie sie für gefährlich. Und sie verspüren sichtbar den Drang, sie aus der Gemeinschaft auszustoßen. Mich enttäuscht das ehrlich gesagt ganz persönlich. Weil ich auch lange dachte, das seien die Guten.

  2. Ähnlich unhinterfragt funktionierenden Populismus erlebt man hier im ländlichen Oberbayern beim Thema Tetra-Funk. Mit haarsträubenden Argumenten wird da öffentlich „informiert“ und eine Massenhysterie ausgelöst. Zwei Aspekte sind mir dabei oder auch bei der TTIP-Diskussion etc. aufgefallen: 1.) Ein Verschlafen der Populismus-Trends: bis die ersten Vernünftigen merken, dass eine Sache eben doch nicht so selbstverständlich ist, wie sie selbst dachten, und sich dann aufmachen, für eine Sache zu argumentieren, ist die Welt schon voller unvernünftiger Argumente. 2.) Weil die Vernünftigen ja gar keinen Grund sehen, dass etwas diskutiert werden müsste, fehlen auf dieser Seite Kampagnen, die das Thema mit Emotionen verbinden und empathisch an die Menschen herantragen. – Was das Verhalten der Politiker betrifft, so spiegeln sie wahrscheinlich nur unsere Gesellschaft wider. Wer geht denn zu öffentlichen Veranstaltungen, bei denen Angelegenheiten diskutiert werden, die man für Blödsinn hält, und meldet sich zu Wort? Nach meiner Erfahrung nur sehr, sehr wenige der Vernünftigen und sehr, sehr viele Populisten. – Danke Brynja Adam-Radmanic für diese eingehende Einlassung.

    1. Ja, das mit dem Verschlafen von solchen Themen kann ich nachvollziehen. Vor allem, wenn sich das fernab der eigenen Kreise zusammenbraut. Bei mir und der Gentechnik hab ich es aber eher so empfunden, dass die Gentechnik-Ablehnung so allgegenwärtig war und so unwidersprochen, dass ich aus sozialen Gründen gehemmt war. Allein die Vorstellung, seiner eigenen Peergroup in so etwas Identitätsbildendem zu widersprechen, ist ja angstauslösend. Ich würde das eher als so was Urtümliches, Psychologisches ansehen, eine Furcht, von der Gruppe verstoßen zu werden, wenn man etwas glaubt, was für die eigenen Leute als die Meinung der Gegenseite gilt. Tatsächlich habe ich oft bei Gentechnik-Kritik geschwiegen, weil es mir vorgekommen wäre, als würde ich mich mit einer Verteidigung auf die Seite von Monsanto stellen. Als müsste ich dann alles verteidigen, was die machen. Erst als ich gemerkt hab, dass das Quatsch ist, konnte ich mich öffentlich äußern. Dass ich „nur“ für die Technologie fordern kann, dass sie nicht diskriminiert wird. Genauso wie ich das für Leute fordere. Es war aber psychologisch schwierig, dahin zu kommen. Zumindest für mich.

    2. Sehr erhellend, lieber jemseneier, zumal aus meiner derzeitigen Heimat (lebe und arbeite seit 14 Jahren in der Nähe des Simssees). Deine Ausführungen bestätigen eine grundsätzliche Problematik unseres Denkens: Wer zuerst behauptet, hat recht (oder es haftet ihm wenigstens immer die Ahnung an, dass er doch recht haben könnte) – unabhängig von der objektiven Qualität der ersten Behauptung. Dem ist wohl tatsächlich nicht im Einzelfall, sondern nur durch Kultur beizukommen. Genau deswegen ist der Ausgangspunkt unseres Gespräches, der Populismus, so fatal. Wenn Populismus mehr und mehr die politische Kultur beherrscht, sind die Aussichten düster.

  3. Nochwas…
    Ich denk mir immer, wie ist das eigentlich mit den Biogasanlagen, die soviele umweltbewußte Bauernhöfe mittlerweile betreiben?
    Sind das nicht Bio“reaktoren“, bei denen sich Mikroorganismen ausserordentlich unkontrolliert vermehren? Und zwar in Dimensionen und mit den entsprechenden Mutationen auf so kleinem Raum wie sonst nirgends in der Natur?
    Besteht da nicht ein „Restrisiko“, dass die Betreiber (möglicherweise die selben Landwirte die sonst gegen Gentechnik…) durchaus bereit sind zu übernehmen, auch im Namen der Leute die sie sonst „beschützen“ wollen?
    Kann es sein, dass die Bedenken nicht so hoch sind wenn der Profit im eigenen Tascherl landet? Frag ja nur so…

  4. „Feiste Schützenverein-Kumpels“ ist übrigens auch Populismus und Diskriminierung. Damit wird ein Klischee bedient, das zwar alt und beliebt, aber so pauschal trotzdem falsch ist. 😉

    Der Mensch denkt halt gerne in Schubladen und Schemata. Je einfacher, desto besser. Denken, lernen und informieren ist halt mit Anstrengung verbunden.

    Und was den grünen Populismus angeht, da habe ich auch noch was: http://lawgunsandfreedom.wordpress.com/2014/08/24/die-grunen-und-ihr-munitionsverbot/

    1. Ja, klar ist das ein Klischee. Ich habe ja auch nach Klischees gefragt. Die Frage war: „Wen sehen wir vor uns, wenn wir an Populisten denken?“ Und dass da dem einen oder anderen auch der Schützenverein einfällt, ist jetzt nicht ganz von der Hand zu weisen, denke ich. Ich hätte auch Fußballverein schreiben können. Wo es jetzt am wahrscheinlichsten ist, dass man Homophobie und rassistische Sprüche antrifft, darüber kann ich nichts sagen. Aber ich wage zu behaupten, dass es vielleicht im Schützenverein wahrscheinlicher ist als beim Sommerfest der Grünen. Oder? Andersrum sind bei Schützenvereinen bestimmte grüne Vorurteile sicher seltener als dort. Mir ging es aber eh nicht darum irgendwen zu beleidigen, sondern darum, darauf hinzuweisen, dass es auch dort Populismus geben kann, wo man ihn oft nicht vermutet – nämlich in den eigenen Reihen. Tut mir leid, falls ich Sie beleidigt habe, weil sie ein Schützenvereinskumpel sind, der nichts gegen Homosexuelle oder Ausländer hat. Soll ja vorkommen… 😉 So wie es sicher Grüne gibt, die Grüne Gentechnik nicht für das weltvernichtende Böse halten.

  5. Ich bin Bürger unsreres Staates und damit auch :

    Populist!

    Was ich denke ,rede ,wie ich lebe-
    dies alles hat mit (abgedroschenem)“Populismus“(wie hier definiert, als „Meinungskeule“)
    nicht das Geringste zu tun!

    Und hier die Stammtische, Schützenvereine ct,… als „populistisch“anzuführen-
    ist einfach: pure Hetze!

    1. Was die Definition von Populismus angeht, fand ich derletzt Thomas Grüter ganz erhellend mit den Blogbeiträgen Wie gefährlich sind Populisten? und Wie bekämpft man Populisten?. Ansonsten verweise ich auf meine Antwort an lawgunsandfreedom, der mir ja Ähnliches vorwarf. Die Sache mit dem Stammtisch-Parolen sagt man halt so. Es ist zu einem deutschen Wort für Populismus geworden. Aber es ging mir dabei aber wie schon gesagt nicht um die Diffamierung von Schützenvereinen oder Stammtischen generell, sondern eigentlich ja darum, dass Populismus allgemein schlecht ist, egal in welcher Gestalt und an welchem Ort er auftaucht. Ich würde aber schon sagen, dass bestimmter Populismus in bestimmten Gruppen wahrscheinlicher ist als in anderen. Das heißt sicher nicht, dass einem im Schützenverein zwangsläufig Homophobie und Rassismus begegnen. Und auch nicht, dass es einem nicht auch außerhalb überall begegnen kann. Ich erinnere mich da unschön an Gesprächen mit alten Nachbarn und an ein Kaffeekränzchen bei entfernten Verwandten. Den da geäußerten rechten Populismus finde ich nicht weniger schlimm als den, der an einem Stammtisch geäußert wird, falls sie das beruhigt.

  6. Ich bleibe dabei :“Populismus “ wird heutzutage als pure „Meinungskeule“ gegenüber Anderen verwendet.
    (Man ist doch sooo fein, hat studiert und die Weisheit mit Löffeln gefressen!)
    Das in Klammern, war nun von mir purer Populismus,
    Hetze , und ich mag dies gar nicht abstreiten.-

    Was ich damit aber aussagen will ist:Man sollte wenn man schon im „Demokratischen Zeitalter “ lebt ,
    den Mitbürger, seinen Anlagen entsprechend, würdigen und achten-nicht herabsetzen.
    Schließlich weiß der dümmste Bürger, wie auch ich, daß er
    einem geistig oder auch intellektuell hochbegabten Mit- Bürger,
    nicht das Wasser reichen kann.
    Populismus hin Populismus her!

  7. Ich würde Populismus durch Demagogie ersetzen. Populismus an sich muss nicht schlecht sein. Populismus ist es auch, wenn die Politik volksnah ist. Demagogen dagegen lassen keine andere Meinung als die eigene bzw die ihrer jeweiligen Gruppierung gelten. Und das sehe bei den Grünen sehr deutlich.

  8. @Populi, Sehr gut ! Da kann man aber sehen, daß man (ICH)bei dem Thema(oder auch bei irgend einem anderen) nicht sofort richtig reagiert-,
    eben auch eine Frage der intelektuellen Wortgewandheit, Übersicht über Ausdrucksmöglichkeiten und Erkenntnis!
    Auch eine gewisse Engherzigkeit und Befangenheit bei der Betrachtung eines Themas kommt hinzu!

    Aber wie sagt man doch so schön:

    Rom, ist auch nicht an einem Tage erbaut worden!

  9. Was für ein großartiger Text, der trifft es doch ziemlich gut. Ich arbeite als Wissenschaftler in der Endlagerforschung und kenne solche grün-linken Populisten nur zu gut: es wird ohne fachliche Grundlage ge- und verurteilt und wer es wagt, hier zu widersprechen wird als Mitläufer und Lobbyist unglaubwürdig gemacht.

    Es ist verblüffend: in so vielen Bereichen ist uns die Meinung von Fachleuten wichtig, aber bei solchen Reizthemen wie Kernkraft, Gentechnik o.ä. gelten gerade diese als Lügner. Traurig.

    1. Emotionen und Annahmen statt Fakten. Das erlebe ich bei anderen kontroversen Themen auch oft. Da werden Vorurteile und Halbwissen als Dogma hergenommen und echte Fakten von Fachleuten als „lobbyistisch“ verworfen.

      Und nur zu oft schlägt der Dunning-Kruger-Effekt zu. Vor allem im Internet. Gut – der kann jeden mal treffen. Aber Leute, die gewohnt sind wissenschaftlich zu denken, erwischt es seltener.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt

  10. Dieser Text ist übrigens vorgestern auch noch mal als Crosspost bei den Ruhrbaronen erschienen und hat eine längere Diskussion ausgelöst:
    http://www.ruhrbarone.de/gruener-hass/88004

    Zeitgleich veröffentlichte Jürgen Schönstein in seinem Scienceblog Geograffitico einen Beitrag, in dem er erklärt, warum er meine Art der Argumentation ablehnt
    http://scienceblogs.de/geograffitico/2014/08/28/gruene-gentechnik-und-rote-tuecher/
    Auch hier entwickelte sich eine lange, angeregte Debatte.

  11. Wunderbarer Beitrag, den ich gerne über Facebook geteilt habe. Es muss irgendwann möglich sein, die Gesellschaft von diesem Irrweg wieder abzubringen. Das geht nur mit fortlaufender Entlarvung der grünen Ideologie.Wer Lust hat, kann gerne meinen „Gib Grün keine Chance“Button verwenden.

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