Test der Digital-Gläser von Zeiss

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Heute gibt’s mal ein sommerliches Brillen-Selfie. Denn ich möchte über meine Erfahrungen mit den Zeiss-Digital-Gläsern berichten, die ich seit Anfang des Monats teste.

Aber was heißt testen? Die Wahrheit ist: Ich brauchte eh‘ neue Gläser, weil ich mit den alten zunehmend schlechter sah. Da kam die Bloggeraktion von Zeiss wie gerufen. Der Deal: Ich bekomme die neuen Digital-Gläser (und darf sie nach dem Test auch behalten). Im Austausch dafür schalte ich für diesen Monat die Zeiss-Werbung im Blog und teile Inhalte von Zeiss über eins der sozialen Netzwerke.

Das ist ein anderer Deal als ich das von den Büchern bisher kenne. Will ich über ein bestimmtes Buch eine Rezension schreiben, frage ich bei dem Verlag an, ob ich ein Rezensionsexemplar bekomme. Wenn das klappt, schickt mir der Verlag das Buch kostenfrei zu, erwartet aber natürlich im Gegenzug, dass ich tatsächlich was drüber veröffentliche.

Beim jetzigen Zeiss-Deal ist die Produkt-Besprechung nicht Teil des Deals, aber was wäre ich für eine Testerin, wenn ich eine solche nicht schreiben würde? Ich hoffe, meine lieben Leser, ihr wisst, dass es für mich selbstverständlich ist, auch Produkte, die ich zur Verfügung gestellt bekomme, unabhängig und ehrlich zu bewerten. Nur dann bringt es Lesern ja was.

Ich traue mir diese Unabhängigkeit sogar zu, obwohl ich für Zeiss sozusagen positiv voreingenommen bin. Saß ich doch im Biologie-Hauptstudium regelmäßig vor wirklich tollen Zeiss-Geräten (Bino und Mikroskop) und habe die hochwertige Optik schätzen gelernt. Dass mir ihre Brillengläser genauso gefallen, ist aber dadurch ja noch nicht gesagt. Eher sind die Erwartungen dadurch besonders hoch. Aber erfüllten sie sich auch?

Was sind Digital-Gläser?

Die Digital-Gläser von Zeiss sind für den Alltag gedacht, aber laut Hersteller besonders für Leute ab 30 optimiert, die viel Zeit am Tag auf Smartphone und Tablet schauen. Die Gläser bringen für diesen Zweck eine Nah-Unterstützung mit. Diese Funktionalität macht die Brille zu einer Art Gleitsichtbrille light.

Der untere Teil der Gläser macht das Sehen in der Nähe etwas komfortabler und soll dadurch dem vorbeugen, was Zeiss „Digitalen Sehstress“ nennt. Denn auch für Leute unterhalb des typischen Gleitsichtbrillen-Alters kann eine ständige Fokussierung auf die Nähe auf die Dauer anstrengend sein. Ein Zeichen dafür, dass die Elastizität der Linse anfängt altersbedingt etwas zu schwächeln (ganz interessant dazu: der Text zu Altersweitsichtigkeit bei Wikipedia)

Ich muss zugeben, dass ich ohne diese Blogger-Aktion jetzt wohl nicht auf die Idee gekommen wäre, mir so eine Art von Brille zu holen. Zwar beobachte ich auch schon länger, dass das Sehen in Nahbereich manchmal anstrengender ist und ich es mehr als früher genieße, zwischendurch mal Fernblick zu haben. Aber ich hatte diese Einschränkungen bisher noch nicht so interpretiert, dass ich eine spezielle Nahunterstützung durch die Brille brauche.

Meine Erfahrungen – die Vorteile

Im oberen Bereich sind die Digital-Gläser normale Allzweck-Gläser, die sich nicht sehr von der Art von Gläsern unterscheidet, die ich vorher hatte. Ich bin der Sicht sehr zufrieden. Sowohl der Blick in die Ferne als auch am Rechner sind angenehm.

Das Sehen im unteren Bereich aber ist anders. Schon beim Anpassen der Gläser gab der Optiker mir einen Vorgeschmack darauf, was sich für mich verändern würde. Ich muss zugeben, das war schon ein Wow-Effekt. Da verstand ich überhaupt erst so richtig,  was mit Nah-Unterstützung gemeint ist.

Auch die fertige Brille hält im Alltag in dieser Hinsicht, was Zeiss verspricht. Das Lesen an kleinen Bildschirmen in typischer Smartphone-Distanz ist wirklich deutlich optimiert. Und auch beim Bücher-Lesen und Fingernägel-Schneiden bekommt das Auge spürbar mehr Unterstützung als vorher.

Diese Nahunterstützung erinnerte mich an den Effekt, den ich sehe, wenn ich mit meiner Spiegelreflexkamera bei kleiner Blende an etwas Nahes ranzoome. Ähnlich ist es beim Blick durch den unteren Teil der Digital-Gläser. Etwas Nahes wie die eigene Hand in Brusthöhe oder eben das Handy-Display wirkt vergrößert und hervorgehoben. Auch weil alles hinter dem Handy, wie der Boden und die Füße,  eher unscharf ist, also optisch in den Hintergrund tritt. Wie eben bei kleiner Blende in der Kamera, wo die Tiefenschärfe reduziert ist.
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Meine Erfahrungen – die Nachteile

Allerdings – muss ich sagen – erkauft man sich die Unterstützung im Nahbereich durch mögliche Schwierigkeiten in anderen Lebensbereichen. An den ersten Tagen fühlte ich mich komisch sobald ich mich mit den Gläsern bewegte. Irgendwie unsicherer als sonst. Ich nehme an, das liegt daran, dass von unterer und oberer Sichthälfte unterschiedliche Informationen ins Sehzentrum kommen.

Nach inzwischen 3 Wochen Tragen ist das zwar schon besser geworden. Beim Gehen und Fahrradfahren jedenfalls fällt mir das nun meist nicht mehr auf. Meine optische Verarbeitung hat sich offenbar darauf eingestellt. Aber in neuen Situationen spüre ich es noch deutlich. Etwa als ich am Wochenende mit meinen Jungs auf dem Spielplatz war.

Ich wollte dort eine schräge Steinfläche erklimmen, die rutschig war, weil Sand darauf lag. Dabei wechselte mein Blick immer wieder vom oberen ins untere Sichtfeld und zurück, eben schnell zwischen Händen und Füßen hin und her. Ich merkte dabei, dass die sonst so automatisierte Berechnung von Abständen auf falsche Ergebnisse kam, was mich in meinen Bewegungen verunsicherte.

Das ist etwas unschön. Naja. Weil ich aber selten irgendwo rumkraxel, nehme ich diesen Nachteil in Kauf, denke ich. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass sich solche Unsicherheiten im Laufe der Zeit durch Gewöhnung noch weiter reduzieren.

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Fazit

Die Digital-Gläser von Zeiss sind qualitativ hochwertige Gläser, die halten, was sie versprechen. Für mich jedenfalls sind die Gläser gut geeignet für das Schreiben am Rechner und das Lesen auf dem Smartphone, sowie für den normalen Alltag.

Weil es sich um Zwei-Stärken-Gläser handelt, tritt ein Problem auf, dass für Gleitsichtbrillen typisch ist. Für mich heißt das: Wenn ich in Freizeit oder Sport regelmäßig in Situationen wäre, in denen es auf schnelle Koordination bei der Bewegung meiner Füße ankommt, würde ich mir wohl eine zusätzliche Sportbrille anschaffen.

Infos des Herstellers gibt’s hier: Zeiss über seine neuen Digital-Gläser.

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2 Gedanken zu „Test der Digital-Gläser von Zeiss“

  1. Liebe Brynja,

    vielen Dank, ein lesenswerter Artikel. Von digitalen Brillengläsern hatte ich bisher noch nichts gehört und als Viel-Computernutzer finde ich das interessant.

    Eine Anmerkung habe ich aber auch, die mir als passioniertem Hobbyfotograf aufgefallen ist: Es muss in Deiner Beschreibung „mit großer Blende“ heißen. Eine „Kleine Blende“ erhöht die Tiefenschärfe nämlich.

    Der Fehler ist verständlich, denn
    Kleine Blende = Große Blendenzahl und umgekehrt.
    (Die Blendenzahl drückt die Öffnung der Blende im Verhältnis zur Brennweite aus, also z. B Blende 11 = Blendenöffnung 1/11 der Brennweite. Bei steigender Blendenzahl wird also die Öffnung der Blende kleiner und die Tiefenschärfe steigt an)

    Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg und Spaß!

    Jürgen

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