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Mein LJ-Artikel: „Vom Feminismus geächtet, vom Rechtspopulismus umarmt“ – Feminismus vs. Biologie? (1)

Ich habe für die aktuelle Ausgabe des Biologenmagazin Laborjournal über die Rolle der Biologie in der Geschlechterdebatte geschrieben. Anlass ist die Aufregung um ein Zusatzschild für die Freiburger Linnéstraße, das bundesweit für Kommentatoren rechts der politischen Mitte zu einem Symbol genderfeministischer Gefahr geworden ist.

Ich ergründe in dem Artikel, warum Carl von Linné Sexismus vorgeworfen wird und ob das aus biologischer Sicht gerechtfertigt erscheint. Außerdem plädiere ich dafür, sowohl die Bewertungen von linken Feministinnen mit Vorsicht zu genießen wie auch die der selbsternannten Wissenschaftsverteidiger rechts der Mitte:

Vom Feminismus geächtet, vom Rechtspopulismus umarmt

Beim Thema Geschlecht/Gender herrscht eine ungesunde politische Polarisierung. Sollte sich die Biologie gegen die Unterstellungen einer biophoben linken Ideologie wehren? Ja! Aber bitte ohne sich blind von rechts der Mitte vereinnahmen zu lassen. Weiterlesen –>> im Laborjournal-Heft 20017-05, S. 16 oder in der E-Paper-Ausgabe

Dies ist zugleich der erste Beitrag der geplanten Blog-Serie „Feminismus vs. Biologie?“

Hat Höcke recht, aber wir dürfen es nicht sagen? – Ein Fakten-Check mit Anleitung zur Verhinderung totalitären Denkens

Wenn ich jetzt verkünde, dass mir bei den Zitaten aus Bernd Höckes Afrika-Rede am Wochenende die Haare zu Berge standen, werden diejenigen heftig nicken, die seine Rede auch ganz furchtbar rassistisch fanden, während die anderen den Kopf schütteln und mir unterstellen, ich würde auch zu dieser „grün-linken Meinungsmafia“ gehören. Ich denke aber, dass das, was ich als Biologin zu Höcke zu sagen habe, für viele auf beiden Seiten nicht das sein wird, was sie erwarten. Denn mir ist sowohl die extreme Rechte wie auch die extreme Linke zuwider. Aber mal sehen.

Der AfD-Vorsitzende von Thüringen, Björn Höcke, hat eine Rede gehalten, in der er behauptete, Afrikaner seien aus biologisch-evolutionären Gründen vermehrungsfreudiger als Europäer. Das hat großen Aufruhr erzeugt und Beobachter in der Meinung gestärkt, die AfD sei nun endgültig auf dem Weg vom rechtspopulistischen ins rechtsextreme Lager. In den Medien wurde überall darüber diskutiert, wie rassistisch es sei sowas zu sagen.

Was mir aber komplett fehlte in der Berichterstattung, war eine inhaltliche Analyse seiner Aussage. Denn das, was er sagte, hat ja nicht nur eine politische Motivation und Bedeutung, sondern kann auch auf der sachlichen Ebene überprüft und diskutiert werden. Stimmt es überhaupt, dass Afrikaner im Schnitt mehr Kinder kriegen als Europäer? Und wenn ja, was wissen wir darüber, was die Ursachen dafür sind?

Aber diese Art von Fragen wurden nirgendwo auch nur gestreift. Und das kam mir falsch vor. Gerade vor dem Hintergrund, dass Rechtspopulisten zunehmend jeden Aufschrei moralischer Empörung aus dem angeblich meinungsbeherrschenden rot-grünen Lager für ihre Zwecke nutzen und behaupten: „Seht ihr, wieder eine Wahrheit, die unterdrückt wird.“ In meinen Augen muss es daher journalistische Pflicht sein, solche Aussagen auch auf ihren sachliche Gehalt zu überprüfen.

Wenn sie das gemacht hätten, wäre den Journalisten vielleicht auch aufgefallen, dass sie den in meinen Augen größten Rassismus in seinen Aussagen noch gar nicht entdeckt hatten. Aber was mir auch auf dem Herzen liegt, ist, dass vieles von dem, was für Andere offenbar schon nach NS-Rassenlehre riecht, für mich durchaus legitime biologische Fragestellungen sind. Auch darum muss es also gehen. Darum, was Rassismus heute ist. Hat Höcke recht, aber wir dürfen es nicht sagen? – Ein Fakten-Check mit Anleitung zur Verhinderung totalitären Denkens weiterlesen

Auswärts gebloggt: Ist die Gleichheit der Geschlechter gegen die Natur?

Für die einen sind Mann und Frau von Natur aus sehr unterschiedlich und sollen es auch sein. Für die anderen dagegen ist der natürliche Unterschied winzig und irrelevant. Ich habe lange gebraucht um rauszufinden, dass beide Unrecht haben.

Warum beide Lager nur einen Teil der Realität sehen und dadurch Anderen Unrecht tun.

Weiterlesen bei web.de oder gmx

Auswärts geschrieben: Wenn Evidenz lästig ist

Die neue EU-Kommission hat sich entschieden, den Posten des Chief Scientific Advisors wieder abzuschaffen, der erst vor drei Jahren geschaffen wurde. Für’s Laborjournal online hab ich drüber geschrieben, warum das ein trauriger Fehler ist:

Laborjournal Online: Wenn Evidenz lästig ist. Auswärts geschrieben: Wenn Evidenz lästig ist weiterlesen

Wir dulden Hass in unserer Mitte – wenn er grün ist

Nicht nur rechter, linker und liberaler Populismus ist eine Gefahr für die Demokratie, sondern auch seine grüne Variante.

Was seht ihr vor euch, wenn ihr an gefährlichen Populismus denkt?

Seht ihr einen Stammtischbruder, der mit feisten Schützenvereins-Kumpels über „Schwuchteln“ herzieht oder über „dieses kriminelle Ausländerpack“ ?

Oder seht ihr eher den linken Eiferer, der sich mit seinen Antiglobalisierungs- Spezis einig ist, dass alles nur die Schuld „reicher Ausbeuterschweine“ ist?

Oder seht ihr gar den verächtlichen Beschlipsten, der sich mit seinen smarten Yuppie-Freunden darüber ereifert, dass „diese wohlstandsvernichtenden Marktverzerrer“ unser Untergang sind?

Ich persönlich finde ja alle drei unerträglich. Weil jede Art von Populismus mich verstört und alarmiert. Weil jede Art von Populismus gute Werte hinter sich gelassen hat und nur noch vernichten will .

Alle drei sind für mich Stammtischbrüder, denen gemeinsam ist, dass sie in Feindbildern denken und die Illusion erzeugen, alle Probleme würden sich schon in Wohlgefallen auflösen, wenn man nur die von ihnen auserkorenen Sündenböcke in die Wüste schickt.

Und sie sind allesamt Anti-Demokraten. Sie predigen Hass und steigern sich in die Vorstellung herein, die Welt gehe vor die Hunde, wenn nicht sie den Kampf um die Macht gewinnen, sondern die Gegenseite. Und die Gegenseite, das sind nicht nur die dämonisierten Feinde selbst, sondern auch alle, die es wagen, die Gefahren zu „verharmlosen“ und Probleme „herunterzuspielen“.

Das Ziel von Populisten ist daher stets nicht nur die vollständige Entmachtung oder sogar die Vertreibung der Feinde, sondern auch der soziale Ausschluss von Andersdenkenden.

Gefährlichen Populismus  gibt es aber nicht nur in den drei politischen Geschmacksrichtungen von rechts, links und liberal, sondern auch in seiner grünen Variante. Und zumindest aus meiner Warte sieht es derzeit so aus, als würde dieser sehr viel seltener als solcher erkannt und benannt als die Populismus-Formen der anderen Politikrichtungen. Ich persönlich halte ihn daher momentan für den gefährlichsten Populismus in Deutschland. Wir dulden Hass in unserer Mitte – wenn er grün ist weiterlesen

Selbst die Australier sind über den EU-Streit Greenpeace vs Wissenschaft besser informiert sind als die EU-Öffentlichkeit selbst

In den letzten zwei Wochen habe ich mich zwar gefreut, mit meinem kleinen Wissensküche-Blog hier etwas Aufmerksamkeit erzeugt zu haben für den Streit über die Wissenschaftliche Beratung in der EU.

Aber größer als diese Freude ist bei mir die Verwunderung darüber, dass die Berichterstattung zum Thema fast ausschließlich in englischsprachigen Medien stattfindet. Selbst Australien und die USA sind besser über den Konflikt informiert als die EU-Öffentlichkeit.

Noch erstaunlicher ist nur noch, wie wichtig das Thema Wissenschaftliche Beratung für die Politik offenbar in den letzten Jahren international geworden ist, ohne dass man in Deutschland davon etwas mitbekommen würde.

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Bitte? Welche Lobby fordert grad die Abschaffung wissenschaftlicher Beratung in der EU?

Dreimal darfst du raten, welche Lobbygruppe  letzte Woche die Abschaffung des wissenschaftlichen Beraters der EU gefordert hat, weil es ihnen nicht in den Kram passt, dass die EU-Kommission über den wissenschaftliche Konsens zu politisch wichtigen Themen informiert wird?

Hat das echt jemand gefordert?

Ja, wirklich!

Na, vielleicht die Erdöl- und Kohlefirmen. Schließlich ist sich die Mehrheit der Klimaforscher einig, das die Verbrennung von fossilen Brennstoffen eine der Hauptursachen für die Erderwärmung ist. Das passt der Industrie sicher nicht. Könnte mir vorstellen, dass sie es lieber hätten, wenn sich EU-Politiker nur von Klimaskeptikern beraten lässt – auch wenn sie eine Minderheit der Forscher sind.

Klingt plausibel. Aber nein, die waren’s nicht.

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Auswärts gebloggt: Warum sind Hebammen plötzlich so ein Risiko für die Versicherer?

Zwei Frauen halten ein Transparent mit der Aufschrift "Wir brauchen Hebammen"
Demo am 8.3.14 in Nürnberg

Die steigenden Haftpflichtbeiträge machen allen Geburtshelfer-Berufen das Leben immer schwerer. Aber die eh gering verdienenden Hebammen trifft das am härtesten. Und mich macht langsam wirklich wütend, dass die Politik seit Jahren dabei zuguckt. In meinen Blog-Außenstellen bei web.de und gmx habe ich drüber geschrieben, was dahinter steckt.

Übrigens:

Für die, die das auch wütend macht, gibt es zwei Petitionen mit der Forderung an die Politik, die Lage für die Hebammen zu verbessern, damit Schwangere und frische Mütter auch in Zukunft auf ihre Betreuung nicht verzichten müssen:

An: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe Lieber Herr Gröhe (@groehe), retten Sie unsere Hebammen! (auf change.org)

Gesundheitsfachberufe – Sicherstellung der flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung mit Hebammenhilfe (direkt beim Deutschen Bundestag)

Drüben: Beitrag über meinen Wunsch nach dem Guten ohne die Esoterik

Ich habe mich doch entschieden, die neuen Beiträge in meiner Blog-Außenstelle bei web.de und gmx ab jetzt auch hier anzukündigen und nicht nur bei Facebook. Heute neu erschienen ist:

Ich wünsche mir das Gute. Aber gibt’s das auch ohne Esoterik? Heute muss ich mal jammern. Darüber, dass ich mich bei den alltäglichsten Entscheidungen quer zu den sonstigen Diskussionslinien bewegen muss. Warum fällt es mir nur so schwer, mich für eine Seite zu entscheiden in all den modernen Debatten rund um Ernährung, Umwelt und Medizin? Drüben weiterlesen…

 

Moral und die Natur des Menschen

Heute wird’s grooß und moraaaalisch in der Wissensküche. Und das Ganze in Form einer Buchrezension und der Empfehlung eines Blogs, das mich daran erinnerte sie zu schreiben.

Vorgestern entdeckte ich bei Laborjournal online nämlich zufällig, dass einer ihrer neuen, freien Autoren, Hans Zauner, auch einen Wissenschaftsblog betreibt – Panagrellus. Freu mich immer über solche Neuentdeckungen, denn es gibt gar nicht so viele deutschsprachige Biologen, die bloggen. Bin natürlich gleich hin, hab rumgestöbert und gelesen. Wer’s noch nicht kennt: schaut mal vorbei. Er sucht auch gerade Tipps, welche Naturkunde-Museen in Deutschland ein Reise wert sind.

Ich hab mir dort auch die Inspiration geholt, über ein Thema zu schreiben, dass mich schon länger beschäftigt. Kam wieder drauf über einen gedanklichen Nebenstrang in Zauners Rant über eine neue Hypothese zur evolutionären Entstehung der Menopause und der Debatte darüber. Er warnt in seinem Text nämlich nachdrücklich davor, die Erkenntnisse irgendeiner evolutionsbiologischen Studie als Entschuldigung für Macho-Allüren oder Schlimmeres zu nehmen. Zitat:

Jetzt könnte man  spekulieren, ob auch im Menschen Ansätze ähnlicher Verhaltensmechanismen genetisch angelegt sind. Aber nur besonders idiotische Machos folgern daraus, dass es deshalb ok sei, wenn ein Vater seine Stiefkinder vernachlässigt; oder dass es natürlicherweise Aufgabe der Frau sei, dem Mann rechtzeitig vor Beginn der Sportschau Pantoffeln und Bier zu bringen.

Was er da so schön anschaulich darstellt, nennt sich naturalistischer Fehlschluss. Er besagt, dass man nicht vom Sein auf’s Sollen schließen darf. So beliebt die Argumentation bei vielen Leuten auch ist: Aus der Tatsache, dass etwas in unserer Geschichte schon oft vorgekommen ist, kann man nicht ableiten, dass es erstrebenswert ist. Und wenn etwas nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren zu beobachten ist (und demnach natürlich ist), folgt daraus auch nicht, dass es gut und richtig ist. Die Natur des Menschen kann keinerlei Art von moralischer Rechtfertigung liefern.

Eine interessante Ausweitung dieses Gedankens fand ich neulich in Norbert Bischofs Buch Moral: Ihre Natur, ihre Dynamik und ihr Schatten*
. Er stellt dort einen anderen Denkfehler vor, eine Art Gegenstück zum naturalistischen Fehlschluss. Er nennt ihn den moralistischen Fehlschluss. Dieser liegt vor, wenn man – quasi als Umkehrung – eine mögliche Naturgegebenheit von etwas leugnet oder von vornherein ausschließt, weil man fürchtet, etwas eigentlich Verwerfliches  sonst zu legitimieren. So nach dem Motto: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Moral und die Natur des Menschen weiterlesen