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Statt Kutschera: Über Güntürkün, Bischof-Köhler & die Notwendigkeit einer progressiven Beschäftigung mit Geschlecht, Verhalten & Biologie – Feminismus vs. Biologie? (3)

In einem erstaunlich einflussreichen Teil des progressiven Lagers meint man zu wissen, dass biologische Geschlechtsunterschiede im Verhalten nichts weiter sind als politisch motivierte Halluzinationen vom rechten Rand. Der einzige Grund sich mit biologischen Ursachen von Verhaltensunterschieden zwischen Frau und Mann zu beschäftigen – so glaubt man – ist eine reaktionäre Weltsicht und der Wunsch, sozialen Fortschritt zurückzudrehen – etwa die Erfolge der Frauenbewegung oder die Emanzipation der LGBTs.

Nun ist es – wie immer bei Vorurteilen – natürlich so, dass sich Individuen finden lassen, die sie zu bestätigen scheinen. Und für das biophob-linke Lager ist es Professor Ulrich Kutschera, der ihnen den Gefallen tut, ihre Ressentiments geradezu ideal zu verkörpern. In Teil 1 und Teil 2 meiner kleinen Serie über Biologie und Feminismus konnte ich, denke ich, deutlich machen, dass er es mit seiner konservativen Panikmache durchaus schafft auch mich auf die Palme zu bringen.

Doch sind Kutscheras anti-linken Gefühlswallungen repräsentativ für alle, die über die biologische Komponente von Geschlechtsunterschieden reden und forschen wollen? Verbindet sich ein Interesse an Biologie, Geschlecht und Verhalten immer mit einer Ablehnung progressiver Ziele?

Nein, natürlich nicht! Ich würde sogar behaupten, dass man an diesem Vorurteil nur festhalten kann, wenn man jeder Begegnung mit realen Forscherinnen und Forschern auf diesem Gebiet konsequent aus dem Weg geht. Wenn man sie dämonisiert und meidet.

Doch nicht mit mir! Ich möchte die Aufmerksamkeit hier auf die beiden biophilen Psychologie-Professoren Onur Güntürkün und Doris Bischof-Köhler lenken. Sie sind für mich Beispiele nicht nur dafür, dass sich das Interesse und die wissenschaftliche Beschäftigung mit biologischen Ursachen für Geschlechtsunterschiede offensichtlich sehr gut mit sozialer Offenheit und emanzipatorischen Gedanken verträgt, sondern auch dafür, dass das Wissen über die biologischen Aspekte besonders von jenen dringend benötigt wird, die progressive Ziele erreichen wollen. Denn gerade wer gesellschaftlich etwas ändern will, muss doch die Ursachen der kritisierten Verhältnisse genau kennen.

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Rezension: Über Kutscheras & Meyers politische Weltsicht und die Notwendigkeit offener Debatte – Feminismus vs. Biologie? (2)

Nach meinem durch die Linné-Debatte ausgelösten Artikel für das Laborjournal, möchte ich das Thema Feminismus vs. Biologie hier im Blog fortführen und endlich die Rezension der Bücher von Meyer und Kutschera nachholen. Denn „Adams Apfel und Evas Erbe“ und „Das Gender-Paradoxon“ warteten jetzt ein ganzes Jahr auf meinem Schreibtisch darauf, besprochen zu werden.

Ich hatte mich ursprünglich auf die Bücher gefreut, weil mich als Linksliberale und Biologin schon lange stört, dass sich feministische Ziele mit einer ausgeprägten Biologiefeindlichkeit verbunden haben. Doch in den Büchern der beiden Biologen  wartete für mich ebenfalls Enttäuschung. Und ich wusste lange nicht wie ich damit umgehen sollte.

Denn natürlich sind die biologischen Fakten wichtig, aber ich empfand Meyers Ansichten darüber hinaus als rechtsliberal einseitig und Kutscheras Buch als ein konservativ-apokalyptisches Polemikgestrüpp. Und der Doppelfrust über biologieverleugnende Feministinnen und Feminismus-verachtende Biologen senkte meine Motivation mich dazu zu äußern letztes Jahr drastisch.

Doch ich konnte das Thema auch nicht ad acta legen und es quälte mich. Aber inzwischen denke ich, dass die Auseinandersetzung damit mich weitergebracht hat. Sie diente der Klärung, wo ich selbst stehe in der Beurteilung des Konflikts zwischen Feminismus und Biologie. Oder in dem Fall eher: Wo ich nicht stehe.

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Mein LJ-Artikel: „Vom Feminismus geächtet, vom Rechtspopulismus umarmt“ – Feminismus vs. Biologie? (1)

Ich habe für die aktuelle Ausgabe des Biologenmagazin Laborjournal über die Rolle der Biologie in der Geschlechterdebatte geschrieben. Anlass ist die Aufregung um ein Zusatzschild für die Freiburger Linnéstraße, das bundesweit für Kommentatoren rechts der politischen Mitte zu einem Symbol genderfeministischer Gefahr geworden ist.

Ich ergründe in dem Artikel, warum Carl von Linné Sexismus vorgeworfen wird und ob das aus biologischer Sicht gerechtfertigt erscheint. Außerdem plädiere ich dafür, sowohl die Bewertungen von linken Feministinnen mit Vorsicht zu genießen wie auch die der selbsternannten Wissenschaftsverteidiger rechts der Mitte:

Vom Feminismus geächtet, vom Rechtspopulismus umarmt

Beim Thema Geschlecht/Gender herrscht eine ungesunde politische Polarisierung. Sollte sich die Biologie gegen die Unterstellungen einer biophoben linken Ideologie wehren? Ja! Aber bitte ohne sich blind von rechts der Mitte vereinnahmen zu lassen. Weiterlesen –>> im Laborjournal-Heft 20017-05, S. 16 oder in der E-Paper-Ausgabe

Dies ist zugleich der erste Beitrag der geplanten Blog-Serie „Feminismus vs. Biologie?“