Schlagwort-Archive: Biologie

Rezension: Über Kutscheras & Meyers politische Weltsicht und die Notwendigkeit offener Debatte – Feminismus vs. Biologie? (2)

Nach meinem durch die Linné-Debatte ausgelösten Artikel für das Laborjournal, möchte ich das Thema Feminismus vs. Biologie hier im Blog fortführen und endlich die Rezension der Bücher von Meyer und Kutschera nachholen. Denn „Adams Apfel und Evas Erbe“ und „Das Gender-Paradoxon“ warteten jetzt ein ganzes Jahr auf meinem Schreibtisch darauf, besprochen zu werden.

Ich hatte mich ursprünglich auf die Bücher gefreut, weil mich als Linksliberale und Biologin schon lange stört, dass sich feministische Ziele mit einer ausgeprägten Biologiefeindlichkeit verbunden haben. Doch in den Büchern der beiden Biologen  wartete für mich ebenfalls Enttäuschung. Und ich wusste lange nicht wie ich damit umgehen sollte.

Denn natürlich sind die biologischen Fakten wichtig, aber ich empfand Meyers Ansichten darüber hinaus als rechtsliberal einseitig und Kutscheras Buch als ein konservativ-apokalyptisches Polemikgestrüpp. Und der Doppelfrust über biologieverleugnende Feministinnen und Feminismus-verachtende Biologen senkte meine Motivation mich dazu zu äußern letztes Jahr drastisch.

Doch ich konnte das Thema auch nicht ad acta legen und es quälte mich. Aber inzwischen denke ich, dass die Auseinandersetzung damit mich weitergebracht hat. Sie diente der Klärung, wo ich selbst stehe in der Beurteilung des Konflikts zwischen Feminismus und Biologie. Oder in dem Fall eher: Wo ich nicht stehe.

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Mein LJ-Artikel: „Vom Feminismus geächtet, vom Rechtspopulismus umarmt“ – Feminismus vs. Biologie? (1)

Ich habe für die aktuelle Ausgabe des Biologenmagazin Laborjournal über die Rolle der Biologie in der Geschlechterdebatte geschrieben. Anlass ist die Aufregung um ein Zusatzschild für die Freiburger Linnéstraße, das bundesweit für Kommentatoren rechts der politischen Mitte zu einem Symbol genderfeministischer Gefahr geworden ist.

Ich ergründe in dem Artikel, warum Carl von Linné Sexismus vorgeworfen wird und ob das aus biologischer Sicht gerechtfertigt erscheint. Außerdem plädiere ich dafür, sowohl die Bewertungen von linken Feministinnen mit Vorsicht zu genießen wie auch die der selbsternannten Wissenschaftsverteidiger rechts der Mitte:

Vom Feminismus geächtet, vom Rechtspopulismus umarmt

Beim Thema Geschlecht/Gender herrscht eine ungesunde politische Polarisierung. Sollte sich die Biologie gegen die Unterstellungen einer biophoben linken Ideologie wehren? Ja! Aber bitte ohne sich blind von rechts der Mitte vereinnahmen zu lassen. Weiterlesen –>> im Laborjournal-Heft 20017-05, S. 16 oder in der E-Paper-Ausgabe

Dies ist zugleich der erste Beitrag der geplanten Blog-Serie „Feminismus vs. Biologie?“

Blogger schenken Lesefreude 2017 – Verlosung von Maras Reisen

Wie die letzten vier Jahre wird es auch dieses Mal wieder ein Kinderbuch über Evolution sein, das ich bei der Aktion Blogger schenken Lesefreude verlosen werde: Maras Reisen – Das Abenteuer der Entstehung des Lebens auf  der Erde – und das sogar mit Widmung der Autorin!

Das Buch hat meine Jungs und mich schon letztes Jahr begeistert (Rezension: Maras Reisen – spannend und anspruchvoll). Aber damals konnte ich es noch nicht verlosen, da es nur (noch) als Kindle-E-Book vertrieben wurde.

Seitdem hat es die Autorin und Biologin Gabriele Kisser-Priesack aber als Taschenbuch wieder herausgebracht. Und weil ihr meine Rezension so gut gefallen hatte, schickte sie mir zwei signierte Exemplare davon. Vielen Dank dafür nach München! Eins davon werde ich natürlich behalten. Das andere wird hiermit verlost.

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Wir sind alle verwandt – Kinderbuch „Big Family – die fantastische Reise in die Vergangenheit“ – Rezension

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Im heutigen fünften Beitrag des Rezensionsmarathons möchte ich Michael Schmidt-Salomons Big Family – die fantastische Reise in die Vergangenheit vorstellen. Über dieses Buch habe ich mich dieses Jahr besonders gefreut. Und das gleich aus mehreren Gründen.

Zum einen gefiel es meinen Kindern und mir sehr gut. Zum anderen ähnelt es „Grandmother Fish“, einem bisher nur auf Englisch erschienenes Buch für ganz kleine Kinder, das ich letztes Jahr für die Biologenzeitschrift Lab Times rezensiert habe, und dessen Konzept mich auch schon begeisterte. Zudem freute ich mich, dass der Autor mit „Big Family“ einen anderen Pfad einschlägt als bisher. Wir sind alle verwandt – Kinderbuch „Big Family – die fantastische Reise in die Vergangenheit“ – Rezension weiterlesen

Die Actionbound-App im Test: Mit dem Handy auf Schnitzeljagd

Meine Kinder (11 und 8) wünschen sich seit Jahren zu fast jedem Geburtstag, dass ich mir wieder eine Rallye oder Schatzsuche ausdenke. Früher waren es Kuscheltiere mit verstellter Mama-Stimme, die sie durch’s Programm leiteten, später versteckte ich Zettelchen, inzwischen kommen die Aufgaben vom Smartphone.

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„Hmmh, ich glaube, das ist der falsche Garten…“ Mein 8-Jähriger liest noch mal die Aufgabe auf dem Handy-Display und schüttelt den Kopf. „Da!… Da vorne sind die in Form geschnittenen Büsche!“, ruft einer seiner Freunde aufgeregt und rennt mit ausgestrecktem Zeigefinger los. Die Anderen rennen hinterher. Nein, Wellen- oder Quadratform haben diese Büsche eindeutig nicht. „Drück Schraube und Kugel! Schraube und Kugel!“ Die Actionsbound-App belohnt sie mit lautem „Kasching!“ und 100 Punkten. Ein siegreiches „Yeah!“ tönt durch die Jungs-Runde.

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Mein Kommentar für LJ online – Tierschutz in der Forschung: Zu lasch oder zu streng?

Ist die EU-Richtlinie zu Tierversuchen nun zu lasch oder zu streng in nationales Recht umgesetzt worden? Ich habe für Laborjournal online darüber geschrieben, warum diese Frage voller Politik und Moral steckt und dass es dabei um nichts Geringeres geht als um die Frage, wann Forschungsfreiheit und wann Tierschutz wichtiger ist:

Tierschutz in der Forschung: Zu lasch oder zu streng?

Gutachten zu angeblichen Mängeln in Tierversuchsgesetzen, oder: die Suche nach einem Hebel, um die Wissenschaftsfreiheit in Deutschland einzuschränken.
-> Weiterlesen bei Laborjournal online

Gefahr, Ekel und Rekorde: Welche Naturbücher meine Jungs gerne lesen

Jungs_Lieblinssachbuecher

Als Biologin habe ich schon allerhand Kinder-Sachbücher für meine Jungs (11 und 8) angeschleppt, die sie völlig kalt gelassen haben. Inzwischen habe ich raus, dass Biologie-Wissen mit Humor daherkommen muss und einem speziellen Kick, wenn ich will, dass sie es gerne lesen. Tierische Rekorde kommen gut an. Auch eklige oder gefährliche Tiere finden sie spannend.

Iiih…! – Faszination Ekel

Die Serie „Die 100 … Dinge der Welt“ ist beliebtes Mitbringsel ab Mitte des Grundschulalters. Am meisten Biologie enthält der Band Die 100 ekligsten Dinge der Welt*. Es gibt darin jede Menge Parasiten und andere Ekelviecher für begeisterte „Igitt“-Rufe. Außerdem „Stinkepflanzen“ und alles über Ausscheidungen, Ohrenschmalz und co. Gefahr, Ekel und Rekorde: Welche Naturbücher meine Jungs gerne lesen weiterlesen

Wie verkleide ich mich als Biologin? – Forscher-Kostüme für Fasching oder Halloween

Wer vor Karneval nach Kostümen sucht, um sich als Wissenschaftler zu verkleiden, hat allerhand Schrilles zur Auswahl – von Perücken für „Verrückte Professoren“ bis zum gift- und blutbespritzten Labor-Overall für die Rolle eines Dr. Toxic.

Aber was machen die, denen der Sinn nicht nach Albernheit und Popkultur steht? Wie sähe eigentlich eine authentische Forscher-Verkleidung aus? Eine Bestandsaufnahme aus der Biologie.

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„Genfood“: Wo kann ich gentechnisch veränderte Lebensmittel kaufen?

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Im Gegensatz zu unseren Süßigkeiten enthalten die für den US-Markt produzierten meist gentechnisch veränderte Zutaten. Auch diese Peanut Butter Cups von Reese’s.

Letztens stolperte ich in einem Forum über die Frage einer Schülerin: „Wo kann ich noch schnell Genfood mit Kennzeichnung kaufen? Brauch‘ für mein Biologie-Referat über Gentechnik morgen noch Anschauungsmaterial. “

Weil erstaunliche 100% der Antworten, die sie bekam, falsch waren, und es sicher immer wieder Leute gibt, die das gleiche Problem haben, dachte ich, stelle ich mal ein paar Fakten zusammen:

Darf „Genfood“ verkauft werden?

Ja. Produkte, die gv-Pflanzen enthalten, dürfen normal im Handel vertrieben werden. Voraussetzung ist nur,

  • dass die gv-Sorte als Lebensmittel in der EU zugelassen ist und,
  • dass auf der Packung vermerkt ist, dass Zutaten von gentechnisch veränderten (gv-) Pflanzen stammen.

Warum ist dann immer von „Genfood“ die Rede, das nicht gekennzeichnet ist?

Lebensmittel, in denen gv-Pflanzen drin sind, müssen immer gekennzeichnet werden. Das kann und wird auch überprüft. Und wer sie nicht kennzeichnet, verstößt gegen das Gesetz.

Nicht gekennzeichnet werden muss Milch und Fleisch von Tieren, die gv-Pflanzen zu fressen bekommen haben. Das hat einen einfachen Grund: An der Milch oder dem Fleisch selbst kann man im Zweifel nämlich gar nicht nachweisen, ob dieses Tier nun gv-Pflanzen im Futter hatte oder nicht.

Warum habe ich im Laden noch nie gv-Kennzeichnung gesehen?

Obwohl es erlaubt ist, es zu verkaufen, führen nur wenige kennzeichnungspflichtiges „Genfood“. Die Schülerin wird es also schwer gehabt haben, solche Lebensmittel bis zum nächsten Tag aufzutreiben. „Genfood“: Wo kann ich gentechnisch veränderte Lebensmittel kaufen? weiterlesen

Hat Höcke recht, aber wir dürfen es nicht sagen? – Ein Fakten-Check mit Anleitung zur Verhinderung totalitären Denkens

Wenn ich jetzt verkünde, dass mir bei den Zitaten aus Bernd Höckes Afrika-Rede am Wochenende die Haare zu Berge standen, werden diejenigen heftig nicken, die seine Rede auch ganz furchtbar rassistisch fanden, während die anderen den Kopf schütteln und mir unterstellen, ich würde auch zu dieser „grün-linken Meinungsmafia“ gehören. Ich denke aber, dass das, was ich als Biologin zu Höcke zu sagen habe, für viele auf beiden Seiten nicht das sein wird, was sie erwarten. Denn mir ist sowohl die extreme Rechte wie auch die extreme Linke zuwider. Aber mal sehen.

Der AfD-Vorsitzende von Thüringen, Björn Höcke, hat eine Rede gehalten, in der er behauptete, Afrikaner seien aus biologisch-evolutionären Gründen vermehrungsfreudiger als Europäer. Das hat großen Aufruhr erzeugt und Beobachter in der Meinung gestärkt, die AfD sei nun endgültig auf dem Weg vom rechtspopulistischen ins rechtsextreme Lager. In den Medien wurde überall darüber diskutiert, wie rassistisch es sei sowas zu sagen.

Was mir aber komplett fehlte in der Berichterstattung, war eine inhaltliche Analyse seiner Aussage. Denn das, was er sagte, hat ja nicht nur eine politische Motivation und Bedeutung, sondern kann auch auf der sachlichen Ebene überprüft und diskutiert werden. Stimmt es überhaupt, dass Afrikaner im Schnitt mehr Kinder kriegen als Europäer? Und wenn ja, was wissen wir darüber, was die Ursachen dafür sind?

Aber diese Art von Fragen wurden nirgendwo auch nur gestreift. Und das kam mir falsch vor. Gerade vor dem Hintergrund, dass Rechtspopulisten zunehmend jeden Aufschrei moralischer Empörung aus dem angeblich meinungsbeherrschenden rot-grünen Lager für ihre Zwecke nutzen und behaupten: „Seht ihr, wieder eine Wahrheit, die unterdrückt wird.“ In meinen Augen muss es daher journalistische Pflicht sein, solche Aussagen auch auf ihren sachliche Gehalt zu überprüfen.

Wenn sie das gemacht hätten, wäre den Journalisten vielleicht auch aufgefallen, dass sie den in meinen Augen größten Rassismus in seinen Aussagen noch gar nicht entdeckt hatten. Aber was mir auch auf dem Herzen liegt, ist, dass vieles von dem, was für Andere offenbar schon nach NS-Rassenlehre riecht, für mich durchaus legitime biologische Fragestellungen sind. Auch darum muss es also gehen. Darum, was Rassismus heute ist. Hat Höcke recht, aber wir dürfen es nicht sagen? – Ein Fakten-Check mit Anleitung zur Verhinderung totalitären Denkens weiterlesen