Archiv der Kategorie: Biologie da draußen

Pollen sind keine Baum-Spermien

Vor ein paar Wochen, als es besonders schlimm war mit dem Pollenstaub, der dick und gelb auf Auto, Terrassentisch und Fensterscheiben lag, schimpften wir grinsend über „diese verdammten Baumspermien“. Musste gerade wieder dran denken, beim Blick auf das, was von den Blumen in der Vase so runterfällt.

Allerdings ist es irreführend Pollenkörner mit Spermien gleichzusetzen, auch wenn’s lustig ist. Die Sache mit den Blümchen und Bienchen ist etwas komplexer, aber auch wesentlich interessanter als bei uns Wirbeltieren. Es versteckt sich darin nämlich ein geheimer Generationswechsel. Pollen sind keine Baum-Spermien weiterlesen

Fossilienklopfen in Pottenstein

Es ist schon merkwürdig. Früher war Steine-Klopfen eine Arbeit für Strafgefangene. Heute machen wir das in unserer Freizeit. Ja, man hört’s schon: ich hatte schon wieder keine Lust zum Fossilien sammeln.

Da hockt man mit anderen Familien auf einem staubigen Haufen Schotter, der sich Fossilienklopfplatz nennt. Der Kleine stolpert zwischen den Felsbrocken rum und schürft sich die Hand auf. Kaum hat man das verarztet, haut er sich mit dem Hammer auf den Finger. Aber dann, nachdem diese Tränen auch getrocknet waren, ja dann wurde es doch noch richtig gut. Fossilienklopfen in Pottenstein weiterlesen

Rätsel der Woche: Ahorn-Pickel

Ahorn-Blatt mit roten "Pickeln"„Die Bäume haben wieder diese Dinger!“ Schon letztes Jahr hatte ich mich mit dem Nachbarsmädchen über diese „Ahorn-Pickel“ unterhalten. Nun stand sie auf meiner Terrasse mit zwei abgerupften Blätter in der Hand, legte sie mir vorsichtig auf den Tisch und meinte: „Brynja, kannst du mal rausfinden, was das ist?“

Nun dulden Recherche-Aufträge von kleinen Mädchen eigentlich keinen Aufschub. Aber die Aufträge von Laborjournal-Redakteurinnen auch nicht. Daher dachte ich, vielleicht will sich ja jemand der Ahorn-Pickel annehmen, während ich für die nächste LJ-Ausgabe einen Stapel Kurzmeldungen schreibe!?

Als Belohnung winkt – neben dem üblichen Rätsel-Ruhm – meine ewige Dankbarkeit ob der Rettung meiner Nachbarschaftsehre!


Von wegen Muscheln

Vor zwei Wochen stand bei uns Fossilien-Sammeln auf dem Programm. Erst hatte ich keine Lust mitzumachen. Aber so gar keine. Stand frierend rum, knabberte Sesamstangen und guckte mir meine drei Kerle an, die begeistert auf Steinen rumhauten.

Es war eher mein natürlicher Drang zum Klugscheißen, der mich dann doch dazu brachte, dass ich den Hammer in die Hand nahm. „Such nach Spalten im Stein und versuch ihn da zu öffnen“, erklärte ich meinem Großen. Als ich nach dieser Methode dann selbst ein Ammoniten-Fragment zu Tage förderte, war auch mein Jagdtrieb geweckt. Von wegen Muscheln weiterlesen

Keine Schlüsselblume, sondern… äh…

Neulich in Stadtpark: „Sag mal, das sind doch Schlüsselblumen, oder?“

„Die gelben da im Gebüsch? Nee, das sind… äh… ich komm grad nicht drauf.“ Hab ich schon mal erwähnt, dass mich diese „Du bist doch Biologin“-Fragen stressen?… 😉

Als ich ein paar Tage später wieder an dem gelben Blütenteppich vorbeiradele, fällt der Name mir dann doch wieder ein: Scharbockskraut!

Als ich ihr von meinem Gedächtnisfund erzähle, sieht mich meine Gesprächspartnerin von vor ein paar Tagen entgeistert an. „Scharbockskraut? Noch nie gehört. Wie soll man sich deeen Namen denn bitte merken? Nee.“ Keine Schlüsselblume, sondern… äh… weiterlesen

Amsel-Immobilie

Gestern beim Mittagessen hab ich sie schon beobachtet wie sie sich an meinem Fahrradkorb zu schaffen machte. Flog hin und wieder weg, saß am Rand und äugte, hüpfte dann wieder rein und wurschtelte darin herum. Mir schwante was.

Und tatsächlich, als ich später zu meinem Rad kam, erwartete mich der vielversprechende Rohbau eines Amsel-Nestes. Ich zeigte es begeistert dem Nachbarsjungen, was ich sofort bereuen sollte als ich auf’s Fahrrad stieg. Denn sein vorwurfsvolles Gesicht begleitete mich auf dem Weg in den Kindergarten: „Warum lässt du ihr das nicht?“ Noch dazu wirbelte der Fahrtwind das liebevoll drapierte Ding in einem wirren Haufen aus trockenen Blättern, Halmen und Moos. Und ich fühlte mich schlecht. Einfach mit dem Nest einer werdenden Amsel-Mutter davonfahren. Also wirklich! Wie unsensibel!

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Rätsel-Auflösung: Moostierchen

Jetzt hat das Fieber bald die ganze Familie durch. Nach dem Kleinen letzte Woche waren wir Eltern diese Woche dran und jetzt hat’s den Großen auch noch erwischt. Nicht viel Zeit zum Bloggen also. Aber ich hab nicht vergessen, dass ich euch noch eine Rätsel-Auflösung schulde. Die hirnlosen Strudler, die ich in diesmal suchte, waren die Moostierchen, auch Bryozoa genannt.

Ausschnitt aus Schaukasten mit einem Blättermoostierchen-BüschelMit den Korallen sind die Moostierchen nicht verwandt, auch wenn beide Tiergruppen ihr Erwachsenenleben festsitzend, ohne Möglichkeit zur Fortbewegung verbringen. Von allen sessilen Tieren sind die Korallen wohl die bekanntesten. Es gibt zwar tausende verschiedener Moostierchen-Arten in Meer und Süßwasser. Ihre Kolonien wachsen in ganz unterschiedlichen interessanten Formen. Es gibt welche, die sind flach wie ein Teppich. Andere ähneln Moosen, krautigen Pflanzen oder Sträuchern. Doch sind sie alle eher unscheinbar.

Wer sammelt bei Strandspaziergängen an heimischen Küsten schon diese unscheinbaren, hellen Büschel auf, wie den im Schaukasten mit den Schätzen einer Sylt-Exkursion aus Studienzeiten? Hätte der Dozent uns damals nicht drauf aufmerksam gemacht, wäre ich bestimmt auch dran vorbeigelaufen, an dieser Kolonie von Blättermoostierchen (Flustra foliacea). Schaut man ganz genau hin, erahnt man die klitzekleinen aneinanderhängenden Waben, aus denen das Büschel besteht. Aus den Fensterchen jeder Wabe reckte mal ein Moostierchen seinen Federfächer aus zierlichen Tentakeln heraus. Und jede einzelnen Tentakel erzeugte mit seinen Cilien einen Nahrungstrom, der mikroskopisch kleine Pflanzen-Einzeller in den Mund des kleinen Moostierchens strudelte. So wie bei diesem hier:

Der Name Bryozoa bietet einen Anhaltspunkt, warum ich von allen Viechern der Welt diese Woche die Moostierchen wählte. Die Ähnlichkeit mit meinem Vornamen sorgt einfach für einen immerwährenden Platz in meinem sonst eher auf Durchfluss programmierten Gedächtnis. Allerdings ist diese Ähnlichkeit nur oberflächlich. Der Name Bryozoa geht nämlich auf das griechische Wort für Moos (bryon) zurück. Mein Vorname Brynja ist dagegen das altnordische Wort für Kettenhemd (siehe auch Brünne bei Wikipedia)…

Rätsel der Woche: Hirnlose Strudler

Schaukasten mit Muscheln und anderen StrandfundenStell dir vor, du wärst ein Strudler. Ein mikroskopisch kleines Wesen, Teil eines Tierstocks irgendwo in der Nordsee.

Du ernährst dich von Plankton, das du mit deinen Tentakeln aus dem Wasser fischst. Du hast einen U-förmigen Darm, mit dem Mund in der Tentakelkrone und der Darmöffnung außerhalb davon.

Von Atmungssystemen, Nieren und Nervensystem gib’s bei dir keine Spur.

Deine Nachbarn sind genetisch mit dir identisch, hervorgegangen aus der gleichen Larve, die sich festsetzte und verwandelte.

Jeder von euch hat seine Aufgabe. Viele sind wie du Ernährer. Euer Fang muss auch für die Anderen reichen, für die, die sich weiterhin teilen damit eure Kolonie wächst und gedeiht und für die Verteidiger, die mit ihren schnabelförmigen Fortsätzen Fressfeinde abwehren.

Die Frage: Wer bist du? Wie werdet ihr von den Menschen genannt?

Zootiere im Schnee

Gestern waren wir im Nürnberger Tiergarten. Die Winterpremiere! Denn bei Eis und Schnee kam uns ein Zoobesuch bisher nie in den Sinn. Zu Unrecht. Schon die Giraffen am Anfang waren eine Überraschung. Ich hätte nicht erwartet, dass sie überhaupt draußen sind. Aber dass sie so viel Spaß haben! Die kleine Giraffe, die wild über den Schnee galoppierte und die Strauße im Gehege dahinter aufscheuchte, müsste Carlo gewesen sein. Der junge Giraffenbulle wurde laut Infoseiten über Änderungen im Tierbestand im April geboren.

Mein Großer hat mir ein paar Zootiere gemalt. Das Tier im Baum ist eins meiner Lieblinge: ein Buntmarder. Die gibt’s in Nürnberg erst seit 2008. Laut Presse-Info von damals haben sie hier das größte Gehege weltweit, 720 qm. Wenn man sich anschaut wie das gebaut ist, müssen diese Buntmarder echte Ausbruchsspezialisten sein: breite Stachel-Manschetten um die Bäume, hohe Elektrozäune + Extra-Absicherung oben. Aber die sind ja auch wendig und aktiv! Macht richtig Spaß ihnen zuzugucken! Andere Tiergartenbesucher warfen Schneebälle über den Zaun und die Buntmarder hechteten mit Jagdblick hinterher. Das mussten wir natürlich gleich nachmachen… Ich glaube, wir hätten noch ’ne Stunde nur dort bleiben können. Aber man will ja noch ein paar andere Tiere besuchen. Naja, die Nähe des Mähnenwolfes, der bei uns nur noch Stinkwolf heißt, trägt vielleicht auch ein kleines bisschen dazu bei, dass es einen weiter treibt… 😉 Zootiere im Schnee weiterlesen

Wo Naturkunde so ästhetisch ist wie interessant

 

Ein Highlight des Familien-Kurzurlaubes in Berlin: Das Naturkundemuseum in der Invalidenstraße! Unbedingt hingehen! Riesige Dino-Skelette (ein Kleinjungentraum), überhaupt feinste Fossilien, tolle Wissensaufbereitung von Geologie, Evolution und Menschwerdung, Dioramen zur heimischen Fauna, Schaukästen über die Herstellung von zoologischen Präparaten. Einfach nur schön. Den Verlockungen im Museumsshop konnten wir auch nicht standhalten. Ausbeute: ein Kuschel-Dino (ein Triceratops, den wir Topsi genannt haben), ein Evolutionsbuch für Kinder, zwei Plakate der ausgestellten Dino-Skelette, ein Dino-Hörspiel, …