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Science Center in Nürnberg geplant

Ha, endlich hab ich den Artikel wiedergefunden:  in Nürnberg soll nämlich ein Science Center entstehen, wie die Nürnberger Zeitung im Oktober berichtete. Bin gespannt wie die Planungen weitergehen und wie es sich als Mitmach-Museum positionieren will zwischen den vorhandenen Angeboten. Es solle da weitermachen, wo das Museum Industriekultur aufhört, heißt es im Artikel. Aber es gibt ja noch mehr Angebote, die u.a. Experimentierstationen im physikalisch-technischen Bereich bieten. Mir fällt da spontan ein: der Turm der Sinne, die Dauerausstellung Schatzkammer Erde im Kindermuseum und im Sommer das Erfahrungfeld der Sinne auf der Wöhrder Wiese.

Bin in diesem Zusammenhang das erste Mal darauf gestoßen, dass es hier in der Region eine Firma gibt, die Exponate für Science Center in aller Welt macht: die Hüttinger GmbH aus Schwaig. Die fördern das Projekt. Macht ja auch Sinn. Mir fiel ein, wo ich den Firmennamen in letzter Zeit noch mal gesehen hatte: als Sponsor auf dem Plakat für den 1. Nürnberg Science Slam, der am 26. Oktober im Planetarium stattfand und den ich mir gerne angeschaut hätte. Nicht schlecht, wenn die sich regional mit so was engagieren.

Writing Tools

Ich lese seit Wochen etwa zehn Bücher gleichzeitig. Abwechselnd mal das eine ein bisschen und mal das andere, vor allem Schreibratgeber, die ich mir im Herbst bestellt hatte um wieder in Gang zu kommen mit der Schreiberei. Gestern war es nun so weit und ich habe endlich eins, von dem ich sagen kann, dass ich es ganz gelesen habe:“Writing Tools“ von Roy Peter Clark.

Buchcover: Writing Tools von Roy Peter ClarkDas Buch gibt es auch in deutscher Übersetzung. Da heißt es „50 Werkzeuge für gutes Schreiben – Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter“. In der deutschen Ausgabe gibt es noch eine Ko-Autorin, Kerstin Winter. Ich vermute, dass sie die Anpassung an die deutsche Sprache gemacht hat, wo ein reines Übersetzen der Tipps nicht gereicht hätte.

Außer Vermutungen hab ich zur deutschen Ausgabe nicht viel anzubieten… Hab’s mir in der englischer Ausgabe bestellt – teils weil’s die Taschenbuchausgabe für die Hälfte des deutschen Hardcover-Preises gibt, teils weil ich auch ganz gerne mal im Original lese. Und es war auch sehr angenehm zu lesen. Kann mich jedenfalls an keine für mich unverständliche Stelle erinnern.

Ich habe „Writing Tools“ vor allem als Bettlektüre genossen. Wegen der kleinen Kapitel eignen es sich dafür besonders gut, fand ich. Es ist ein allgemeiner Schreibratgeber. Man merkt natürlich, dass Roy Peter Clark Journalist ist, aber während andere Schreibratgeber oft einen Schwerpunkt auf fiktionalem Schreiben haben, liefert Clark wirklich Werkzeuge, die für jede Art von Schreiben nützlich sind. Zumindest fühlte ich mich an keiner Stelle ausgeschlossen, auch wenn ich „nur“ Sachtexte schreibe. (Erinnere mich da mit Staunen an Sol Steins Annahme in „Über das Schreiben“, dass letztlich auch jeder Non-Fiction-Autor den heimlichen Wunschtraum hege, DEN Jahrhundertroman zu schreiben. Naja, ich jedenfalls nicht.) Writing Tools weiterlesen

Zootiere im Schnee

Gestern waren wir im Nürnberger Tiergarten. Die Winterpremiere! Denn bei Eis und Schnee kam uns ein Zoobesuch bisher nie in den Sinn. Zu Unrecht. Schon die Giraffen am Anfang waren eine Überraschung. Ich hätte nicht erwartet, dass sie überhaupt draußen sind. Aber dass sie so viel Spaß haben! Die kleine Giraffe, die wild über den Schnee galoppierte und die Strauße im Gehege dahinter aufscheuchte, müsste Carlo gewesen sein. Der junge Giraffenbulle wurde laut Infoseiten über Änderungen im Tierbestand im April geboren.

Mein Großer hat mir ein paar Zootiere gemalt. Das Tier im Baum ist eins meiner Lieblinge: ein Buntmarder. Die gibt’s in Nürnberg erst seit 2008. Laut Presse-Info von damals haben sie hier das größte Gehege weltweit, 720 qm. Wenn man sich anschaut wie das gebaut ist, müssen diese Buntmarder echte Ausbruchsspezialisten sein: breite Stachel-Manschetten um die Bäume, hohe Elektrozäune + Extra-Absicherung oben. Aber die sind ja auch wendig und aktiv! Macht richtig Spaß ihnen zuzugucken! Andere Tiergartenbesucher warfen Schneebälle über den Zaun und die Buntmarder hechteten mit Jagdblick hinterher. Das mussten wir natürlich gleich nachmachen… Ich glaube, wir hätten noch ’ne Stunde nur dort bleiben können. Aber man will ja noch ein paar andere Tiere besuchen. Naja, die Nähe des Mähnenwolfes, der bei uns nur noch Stinkwolf heißt, trägt vielleicht auch ein kleines bisschen dazu bei, dass es einen weiter treibt… 😉 Zootiere im Schnee weiterlesen

Von lebenden Milchsäurebakterien und geschummelten Krautwickeln

Ein Teller mit Krautwickel und eine Schüssel mit Joghurt, Ausschnitt

Wie hätten Sie Ihre Milchsäurebakterien denn gerne? Frisch und lebendig (Joghurt) oder gut durchgekocht (Sauerkraut)? Wir hatten sie heute in beiden Formen.

Die Kinder verzehrten sie im Naturjoghurt, wie immer mit Knuspermüsli und Honig. Mit dabei: Unmengen von Streptococcus thermophilus und irgendwelche Lactobacillen dazu. Ganz lebendige Milchsäurebakterien! Naja, ist vielleicht nicht so schockierend, wenn man bedenkt, dass die Zellen in Gemüse-Rohkost und Salat ja auch noch leben, wenn wir sie verspeisen. Dabei fällt mir ein, ob Gesundes bei den Kindern nicht grundsätzlich in roher Form besser ankommt? Könnte was dran sein. Beispiel Paprika: roh – lecker, gekocht – iih, bäh. Andererseits, das Gegenbeispiel Salat ruft noch beeindruckendere Ekeläußerungen hervor. Von lebenden Milchsäurebakterien und geschummelten Krautwickeln weiterlesen

Von der Homöopathie bis zum Christkind

Ich streite mich nicht gerne über Homöopathie. Die Leute reagieren da sehr empfindlich. Besonders Mütter. Ich hab mehr als eine getroffen, die der festen Überzeugung war, Globuli vom homöopathischen Arzt ihres Vertrauens seien das Einzige gewesen, das ihr Kind vor einer Karriere in chronischer Krankheit bewahrt habe. Widersprich mal einer Mutter, deren Kind gerettet wurde!

Ne Weile hatte ich mir deshalb geschworen, das Thema einfach nicht mehr zu kommentieren. Wer will schon böse Blicke ernten in einer gerade noch netten Runde? Wer will die traute Einigkeit zerstören, die alle bei den Kügelchen hegen? Ich nicht. Sollnse doch. Mir egal. So schlimm finde ich die Homöopathie außerdem gar nicht. Von der Homöopathie bis zum Christkind weiterlesen

Ist es mein Fehler, wenn meine Bakterien resistent werden?

Nehmen wir mal an, ich nähme ein Antibiotikum und hätte mal eine Tablette vergessen (was mir natürlich nieee passieren würde, aber nur mal angenommen). Werden die Krankheitserreger auf meiner Schleimhaut dann automatisch resistent gegen das Antibiotikum?

Auf der Suche nach einer Antwort auf diese Frage, bin ich auf das Konzept vom Mutanten-Selektionsfenster gestoßen (mutant selection window), ausgetüftelt von Karl Drlicas Arbeitsgruppe am Public Health Research Institute Center in New Jersey. Danach hängt es von der Menge des Medikaments in meinem Körper ab, ob ich für meinen Fehler bestraft werde. Ist es mein Fehler, wenn meine Bakterien resistent werden? weiterlesen

Wo Naturkunde so ästhetisch ist wie interessant

 

Ein Highlight des Familien-Kurzurlaubes in Berlin: Das Naturkundemuseum in der Invalidenstraße! Unbedingt hingehen! Riesige Dino-Skelette (ein Kleinjungentraum), überhaupt feinste Fossilien, tolle Wissensaufbereitung von Geologie, Evolution und Menschwerdung, Dioramen zur heimischen Fauna, Schaukästen über die Herstellung von zoologischen Präparaten. Einfach nur schön. Den Verlockungen im Museumsshop konnten wir auch nicht standhalten. Ausbeute: ein Kuschel-Dino (ein Triceratops, den wir Topsi genannt haben), ein Evolutionsbuch für Kinder, zwei Plakate der ausgestellten Dino-Skelette, ein Dino-Hörspiel, …

Wo wir grad bei Geisteswissenschaftlern sind

Noch mal zum bereits erwähnten Symposium vom Turm der Sinne 2010 in Nürnberg. Mich hat mal interessiert, was der Moderator der Podiumsdiskussion am Schluss eigentlich über die Veranstaltung gebloggt hat. Und ha, endlich klärt sich auf, warum er für einen Moderator so ungewöhnlich viel selbst zu sagen hatte (so viel, dass mehrmals laute Rufe aus dem unruhigen bis ungehaltenen Publikum schallten). Er schreibt nämlich, dass ein bisschen mehr Dissonanz und Widerspruch der Veranstaltung gut getan hätte und meint damit, dass da feministische Naturwissenschaftskritik und radikaler Diskurskonstruktivismus gefehlt haben. Komisch, mir haben die so gar nicht gefehlt. Was mir allerdings gefehlt hat, war ein Moderator, der die Diskussion derjenigen Leute leitet, die tatsächlich da sind und nicht die Stimmen derjenigen versucht zu ersetzen, die ihm fehlen… ;-)

Wenn Geisteswissenschaftler über Biologie schreiben

Schade! Prechts Buch “Liebe. Ein unordentliches Gefühl” hat mich enttäuscht. Hatte es vor ein paar Wochen als Taschenbuch beim Einkaufen liegen sehen und mitgenommen, weil ich mir eine eloquente Reise in die Natur- und Kulturgeschichte der Geschlechter erhofft hatte. Fand es auch so passend zum Symposiumsbesuch. Im ersten Drittel geht es auch um genau die gleichen Themen: Mann und Frau und ihr Verhalten. Wie viel ist Natur, wie viel ist Kultur? Leider kann Precht dabei seine Prägung als Philosoph und Geisteswissenschaftler nicht überwinden. Man merkt, er bemüht sich um eine unvoreingenommene Sicht. Er ringt mit sich, geht ein Stück in die vermittelnde Richtung, stellt die Pole gegenüber – Soziobiologie auf der einen, feministische Genderforschung auf der anderen, bemerkt, dass beide zu extreme Positionen einnehmen. Aber dann, statt das Verhältnis Natur/Kultur mal aufzudröseln und darzustellen, was wir schon wissen über die Macht beider Sphären und über ihre Wechselwirkungen, schlägt er sich – mir nichts dir nichts, ohne Übergang – auf die Seite der Kultur. Keine Begründung dazwischen, keine Herleitung, nichts. Er ist ganz Geisteswissenschaftler, wenn er resümiert: “Das instinktive Verhalten der Gladiatorfrösche, Grauen Würger und Menschen ist qualitativ nicht das gleiche. Menschen sind von Amphibien und Vögeln völlig getrennt durch die höchst variantenreiche menschliche Kultur.” Man beachte die Formulierung “völlig getrennt”. Die Abscheu der Geisteswissenschaftler davor mit den Tieren gemein gemacht zu werden, ist einfach riesig. Sie spricht auch bei Precht aus jedem Kapitel. Und dieses Unbehagen gegenüber den Biologen! Mal sind sie ihm zu forsch, mal geißelt er ihre unterkomplexen (!) Theorien. Ja, was denn nun? Wenn Geisteswissenschaftler über Biologie schreiben weiterlesen