Masern: Wie wär’s, wenn wir erstmal damit anfangen, die Impflücken der Impf-Befürworter zu schließen?

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Ich schüttle hier derzeit oft den Kopf, wenn wieder eine Impfpflicht gefordert wird. Denn es würde meiner Ansicht nach genügen, wenn sich in Sachen Masern erstmal ein paar Ärzte mehr als nur die Kinderärzte zuständig fühlen würden.

Wenn ich von meinen Erfahrungen und Gesprächen ausgehe, dann gibt es eine Menge Leute, die nicht ausreichend geimpft sind, obwohl sie – man höre und staune – rein gar nichts gegen das Impfen haben. Sie sind meiner Ansicht nach nur deshalb nicht ausreichend geimpft, weil sich von ärztlicher Seite keiner für ihre Impflücken zuständig fühlt.

Mein Vorschlag ist daher: Fangen wir doch erstmal an, das zu ändern, bevor wir bedrohlich mit der Impfpflicht-Keule drohen.

Ich hatte ja letztes Jahr schon – etwas langatmig – darüber gebloggt, wie es mir erging, als ich für mich eine Masern-Impfung nachholen wollte. Weil es mir bei dem Text damals aber um andere Sachen ging als mir heute am Herzen liegen, möchte ich das Thema noch mal aufgreifen.

Also meine Erfahrung ist: Die Impfung gegen Kinderkrankheiten finden ausschließlich in Kinderarztpraxen statt. Und nur Kinderärzte scheinen sich für die Aufklärung darüber zuständig zu fühlen.

Ich finde, das ist ein Problem.

Ich bin seit 10 Jahren Mutter und meine Kinder sind vom Kinderarzt entsprechend den Empfehlungen der STIKO geimpft. Aber wer kümmert sich um den Impfstatus der Erwachsenen, was die Kinderkrankheiten angeht? In meinem Fall: niemand.

Weder der Kinderarzt noch meine Hausärzte oder Frauenärzte haben sich je damit beschäftigt, ob es bei mir selbst oder meinem Mann vielleicht Impflücken gibt was Masern angeht. Ich frage mich: Wie kann das sein? Ehrlich: Was läuft da schief?  So weit ich weiß, ist das nämlich bei Freunden und Verwandten auch nicht anders.

Und nein, die Plakat-Aktion „Deutschland sucht den Impfpass!“ kann es nicht ersetzen, dass sich auch die Ärzte, zu denen Erwachsene gehen, dafür zuständig fühlen.

Ich persönlich hatte mich von der Aktion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung überhaupt nicht angesprochen gefühlt. Würde ich nicht hin und wieder mal über Gesundheitsthemen bloggen, die mich interessieren, hätte ich den Test auf der Info-Seiten dieser Kampagne nie gemacht. Und erst da kam ja die eigentlich wichtige  und überraschende Info, dass in meiner Altersgruppe vielen noch eine zweite Spritze fehlt, und zwar auch dann, wenn unsere Eltern nach den damals gültigen Empfehlungen geimpft haben.

Ich finde ja schon die Idee komisch, die Leute über eine teure Werbekampagne auf das Thema aufmerksam zu machen. Und die läuft ja immer noch. Letztens habe ich sie auch im Kino gesehen. Der Spot hat wieder null Information über die eigentliche Sache. Da wird nur getanzt. Ich hätte da heute noch drin sitzen können und immer noch nicht wissen, dass ich gemeint bin. Und warum?

Bevor ich zufällig selbst drauf stieß, dass mir eine Spritze fehlt, war ich sogar bei mehreren Allgemeinmedizinern. Und die haben auch meinen Impfpass gesehen. Und wir sprachen auch über Impfungen: Wann Tetanus wieder fällig ist. Ob eine Impfung gegen die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung nötig ist. Für wen die Grippeschutz-Impfung empfohlen wird.

Aber über Masern und andere Kinderkrankheiten? Kein Wort.

Und die Frauenärzte! Sie beschäftigen sich auch mit dem Impfstatus – sogar von Kinderkrankheiten – aber nach meiner Beobachtung 2004 und 2007 hakten sie nur bei den Krankheiten nach, die dem ungeborenen Kind schaden können. Also bei Röteln und Windpocken, da diese bei einer Mutter ohne Antikörper zu Entwicklungstörungen des Babys im Mutterleib führen können.

Dabei wäre es doch gar nicht schlecht schon im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen darüber aufgeklärt zu werden, dass es für so ein Neugeborenen später ganz nützlich ist, wenn seine direkt Umgebung gegen alles geimpft ist, was ihm gefährlich werden kann. Ich zumindest finde, das sollte genauso wichtig sein, wie die Einnahme von Folsäure und dass man regelmäßig seinen Babybauch zum Ultraschall trägt.

Auch bei den Ratgebern für Schwangere war – jedenfalls meiner Erinnerung nach – davon nicht die Rede. Die Bücher waren voll von allen möglichen Gefahren für das Baby – von mütterlichem Alkoholkonsum bis zum Plötzlichen Kindstod. Aber stand da etwas davon, dass die Eltern gegen Keuchhusten, Masern  und co geschützt sein sollten, um ihr Kind nicht zu gefährden?

In meiner Erinnerung: Nein.

Was ich damit sagen will: Wenn meine Erfahrungen auch nur ein bisschen repräsentativ sind, dann gibt es im deutschen Impfwesen eine Menge zu optimieren, bevor man auch nur ansatzweise über eine Impfpflicht nachdenken sollte. Finde ich.

 

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14 Gedanken zu „Masern: Wie wär’s, wenn wir erstmal damit anfangen, die Impflücken der Impf-Befürworter zu schließen?“

  1. Gerade erst gesehen: Hätte mir den Blogpost sparen können. Im Wiwo-Interview sagt STIKO-Vorsitzender Jan Leidel im Grund dasselbe. Er hält nichts von Impfpflicht und wünscht sich stattdessen, dass alle niedergelassenen Ärzte den Impfstatus ihrer Patienten in Sachen Masern überprüfen und ggf. die Masern-Impfung empfehlen. „Damit wäre schon viel gewonnen.“, sagt er im Wiwo-Interview:
    http://www.wiwo.de/technologie/forschung/masern-epidemie-eine-masern-impfpflicht-wird-nichts-bringen/v_detail_tab_print/11418274.html

  2. Sehr interessant dazu auch:

    26.2.15 Scienceblog Gesundheitscheck: Impfpflicht – pro und contra
    Joseph Kuhn stellt Für und Wider dar, findet aber eigentlich am wichtigsten, dass wir aufhören den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zu vernachlässigen
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2015/02/26/impfpflicht-pro-und-contra/

    1.3.15 FAZ – Erwachsene sollen sich impfen lassen
    „… unter den heute Vierzigjährigen hat nur ein Viertel Impfschutz, bei den Dreißigjährigen weniger als die Hälfte“
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/masern-erwachsene-sollen-sich-impfen-lassen-13456317.html

    2.3. 15 Deutschlandfunk: Diskussion um Impfpflicht
    Jan Leidel, Karl Lauterbach, Kathrin Vogeler + Hörer
    http://www.deutschlandfunk.de/diskussion-um-impflicht-heimtueckische-masern.1784.de.html?dram:article_id=313015

  3. Ich finde es zumindest problematisch, den Leuten sagen zu wollen, sie sollen sich und / oder ihren Schutzbefohlenen Kindern etwas in den Körper spritzen lassen, was mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einige Langzeit- und Fehlwirkungen hat, in deren Richtung einfach niemand forschen will.
    Versteht mich nicht falsch.
    Ich finde Impfen toll! Doch so, wie es im augenblick gemacht und propagiert wird, halte ich es aus Sicht der Biochemie einfach für gut gemeint unausgegoren. Doch nach der Wirkung der einzelnen Impfungen befragt, kommt dann zumeist ein Schmunzeln.
    Ich will mich gar nicht auslassen…
    Macht einfach ordentliche Impfungen. Also bsp Masern Mono (haben wir unser Kind geimpft), Mums Mono (gab es früher), Polio Schluck (keine Booster, kein Alu).

    (…)

    (Anmerkung bry: Sorry, ich kürze hier mal radikal, weil dies ein unglaublich langer Kommentar mit unzähligen Seitensträngen des Themas war)

    1. Ich werde hier nicht in eine Detail-Debatte um Nutzen/Schaden einzelner Impfungen vs. Mehrfachimpfungen einsteigen. Weil es mir darum nicht geht. Wenn Leute – warum auch immer – zu anderen Einschätzungen kommen als die von der Bundesregierung eingesetzten Impfstoffexperten, ist das ihr gutes Recht. Ich bin dagegen, irgendjemanden zu Impfungen zu zwingen. Wer – aus welchen Gründen auch immer – kein Vertrauen hat in den Staat, die wissenschaftliche Medizin und/oder die Impfstoffproduzenten darf meiner Meinung nach nicht dazu gezwungen werden. Das heißt aber nicht, dass an den Sorgen und Ängsten was dran wäre. Manchmal erweist sich Misstrauen als gerechtfertigt, manchmal aber auch nicht.

      Mir geht es um was ganz Anderes. Ich wende mich eigentlich mit meinem Text nur an Impfbefürworter wie mich, für die das Wort der STIKO Gewicht hat. Mir ist da wichtig zu sagen, dass gruppenbezogene Feindseligkeit uns nicht weiterbringt. Ich finde es in einer pluralistischen, offenen Gesellschaft wichtig zu akzeptieren, dass Andere eben zu anderen Schlussfolgerungen kommen und andere Entscheidungen treffen. Ich plädiere dafür, dass wir Impfbefürworter unseren Blick auf die Aspekte lenken, die wir selbst beeinflussen können. Etwa darauf, die Politiker zu fragen, warum sie den medizinischen Dienst so kaputt sparen, dass er heillos damit überfordert ist, die Impflücken der Flüchtlinge zu schließen. Oder eben darauf, im persönlichen Umfeld nach Impflücken zu fahnden, die „nur“ durch das von mir beschriebene Generationen-Problem verursacht sind und nicht durch Vorbehalte irgendwelcher Art.

      Impfgegner jeglichen Schweregrades dürfen meine Ausführungen dazu gerne einfach ignorieren. Ich lass euch eure Meinungen, aber ich habe keine Lust sie zu diskutieren oder ihnen hier eine Plattform zu bieten.

  4. Mein gesunder Menschenverstand hat Probleme mit folgenden Umstaenden:
    Auszug aus wissenschaftl. Artikel :

    „Masern-Epidemie in der Schweiz
    Unter den Opfern auch geimpfte Kinder. Die möglichen Schädigungen einer Impfung, die zum Schutz vor einer harmlosen Krankheit aufgezwungen wird.
    ….“

    (Anmerkung bry: ich erlaube mir hier mal radikal zu kürzen)

    1. Wie ich gestern schon betont habe, bin ich an einer Diskussion über Pro und Kontra Impfen nicht interessiert. Es gibt gute Informationsquellen für alle, die sich für die Sicht der Wissenschaft interessieren. Wie die Impfseiten des Robert-Koch-Instituts. Wer kein Vertrauen in offizielle Stellen und die wissenschaftliche Medizin hat, sucht sich andere Berater. Das sind meist keine Leute, denen ich vertrauen würde. Aber an dieser Wahl werde weder ich noch irgendjemand anders was dran ändern. Ich diskutiere das deswegen nicht. Es ist völlig fruchtlos.

      Aber wie gesagt kann jeder da machen was er will. Aber er oder sie hat deswegen kein Anrecht darauf, dass ich mich damit beschäftige.

    1. Nochmal: Ich wende mich ausdrücklich NICHT an Impfgegner. Ich glaube nicht daran, dass man Leute von einer Impfgegnerschaft abbringen kann. Und wer hier liest, weil er auf der Suche danach ist, sich sein schon vorhandenes Misstrauen Impfungen gegenüber bestätigen zu lassen, der ist bei gold-dna wahrscheinlich bestens aufgehoben.

      Wer aber eher solchen Quellen vertraut wie ich – mit offiziellen Empfehlungen aufgrund von wissenschaftlichr Evidenz – der ist z.B. auf der impfen-info.de-Seite von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung besser aufgehoben. Dort wird auch das Prinzip der Herdenimmunität ganz schön mit einer Animation erklärt.

      Ja, ich wende mich wirklich nur an Leute, die ihre Gesundheitsentscheidungen anhand solcher Informationen treffen. Ich plädiere für ein bisschen mehr stoische Ruhe gegenüber Impfgegnern und ein bisschen mehr Engagement, um die zu erreichen, die aus ganz un-ideologischen Gründen bisher unzureichend geimpft sind. Ich wette, das bringt wesentlich mehr.

  5. Über das Thema „Impfen“ gibt es Gründe zu sprechen,
    weil die Entscheidungsfindung: ob oder ob nicht, spätestens
    beim Auftreten dieser Krankheit entsteht. Was dann?
    :Ruhe bewahren, sich informieren ist gut und ich entscheide
    persönlich, lieber ohne mir zuviel rein reden zu lassen. Mein Bauch soll letzt endlich über meinen Verstand entscheiden. Die Impfung sollte keine Notsituazion darstellen, sie ist keine „Erste-Hilfe“- Leistung. Die Impfung setzt Gesundheit voraus, das heißt, Immunstärke muß vorhanden sein. Auch dann ist man vor Nebenwirkungen und ihren Auswirkungen leider nicht geschützt. Man erkrankt, ob mit oder ohne Impfung. Weil wir unseren Kindern am Nächsten sind, wissen wir über sie Bescheid. Jugendliche und Erwachsene können sich die Frage stellen, warum und wann sie sich impfen lassen wollen, denn die Selbstverantwortung hat sich glücklicherweise entwickelt. Wir sind viele kritisch denkende Menschen, beraten uns. Gewißheit werden wir wohl nicht bekommen, aber vorallem nicht von den Politikern!??…

    1. Ja, ich würde auch nicht zu Impfungen gezwungen werden wollen. Hatte letztes Jahr ja auch diesen Anflug von Impfangst, die mich dazu brachtemeine fehlende zweite Masern-Impfung lange vor mir her zu schieben. Das Problem ist aber, dass wir Menschen dazu neigen, gar nichts zu tun, wenn sich Verstand und Gefühl mal widersprechen. Aber wenn man impfen will, dann muss man es eben prophylaktisch tun. Wenn man die Krankheit erstmal hat, hat man die Wahl ja nicht mehr. Konnte diese Angst aber zum Glück überwinden. Und habe diese Impfung auch genauso gut vertragen wie alle davor auch.

  6. Um ehrlich zu sein, hatte ich damit die Thematik gemeint.
    Ich begann meine Erfahrung zu erzählen, erst dann las ich den kompletten Text und war ein bißchen geschockt über Deine Kritik.
    Deshalb will ich Dich auch zu keinen Diskusionen hinreißen.

    1. Hmmh. Wäre jetzt gut, ich wüsste etwas mehr über deine eigene Haltung. Was hast du erst gedacht, was ich meine? Und was genau hat dich dann geschockt? Meine Kritik, dass die Hausärzte sich nicht genug für Masern-Prophylaxe zuständig fühlen?

  7. MASERN: WIE WÄR’S, WENN die Impfgegner ERSTMAL DAMIT ANFANGEN sich aufzuklären, über die eigenen Gefahren und die, die sie den anderen antun durch ihren Egoismus??!!!

    1. Ich bin ja auch vom Nutzen der empfohlenen Impfungen überzeugt. Aber warum das Impfgegner anders sehen, liegt meiner Meinung nach nicht an niederen Beweggründe wie Egoismus, wie du unterstellst, sondern an einer anderen Bewertungsgrundlage. In den Augen der Impfgegner ist einfach der Nutzen der Impfung gering oder nicht vorhanden und das Risiko der Impfung hoch. Ihr Gefühl und/oder ihre Ratgeber sagen ihnen also genau das Gegenteil von dem, was bei der wissenschaftlichen Untersuchung von Nutzen/Risiko immer wieder rauskommt. Dass sie das nicht überzeugt, liegt meist daran, dass sie der wissenschaftlichen Medizin misstrauen, weil sie sie als zu wenig ganzheitlich, als fehlgeleitet oder gar als korrupt ablehnen. Man kann über diese Einschätzung den Kopf schütteln, wenn sich die Welt für einen anders präsentiert, aber sie ist letztlich nur ein Extrempunkt von einem Misstrauen gegenüber Ärzten, das auch ich kenne, wenn auch in viel schwächerer Form. Wir sind heute einfach oft nicht mehr so, dass wir (medizinischen) Autoritäten alles blind glauben. Die Zeiten blinder Autoritätsgläubigkeit sind vorbei. Und das ist auch gut so. In der Impfgegnerschaft zeigt sich für mich aber, dass das Gegenteil davon – quasi das blinde AutoritätsMISSTRAUEN – genauso irreführend ist. Das zumindest ist für mich der Kern des Problems. Nicht Egoismus.

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