Die Vorgeschichte zu meinem Artikel über grünen Hass

Mein Beitrag über grünen Hass hat viele, ganz unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen – von leidenschaftlicher Zustimmung bis zu entsetzter Ablehnung. Nicht nur hier im Blog wurde über das von mir in diesem Text vorgestellte Konzept des grünen Populismus debattiert, sondern auch bei einem Crosspost des Beitrags bei den Ruhrbaronen und  in Jürgen Schönsteins Blog Geograffitico.

Einige Leute warfen mir  in diesen Diskussionen vor, ich würde mit meiner Kritik maßlos übertreiben. Hier möchte ich nachzeichnen, wie ich zu dieser – zugegeben harten -Kante gegenüber bestimmten grünen Denkmustern gekommen bin.

Ich hätte nämlich selbst nicht gedacht, dass ich mich mal so deutlich und so kritisch äußern würde. Lange Zeit, habe ich ja beim Schreiben eher einen Bogen gemacht um die emotional aufgeladenen Biologie-Themen, die für mich als Mutter auch im privaten Bereich immer wieder aufkamen – wie Gentechnik, Impfungen und Homöopathie.

Nur selten brach früher was dazu aus mir heraus. Zur Gentechnik habe ich 2011 mal einen kleinen, kopfschüttelnden Kommentar geschrieben: Gentech – Ja, und? Und letztes Jahr lösten die Querelen um das Schülerlabor in Hannover das Bedürfnis aus, mich mal zu äußern zum Thema Böser Lobbyismus, guter Lobbyismus?

Aber ich scheute davor zurück, härter in die Debatte um die Gentechnik-Kritik einzusteigen. Einmal, weil ich das Gefühl hatte, ich würde dann vielen Leuten vor den Kopf stoßen – auch Leuten, die mir persönlich nah und wichtig sind. Und zum Anderen, weil mir politische Themen ferner waren als die Kinder kleiner waren.

Anfang diesen Jahres  änderte sich das. Ich weiß gar nicht genau, warum. Aber mein Blick auf politische Fragen war plötzlich – für mich überraschend – ein ganz anderer als vor 10 Jahren. Nicht mehr beobachtend, Wissen aufsaugend und in vorhandene Kategorien einsortierend, sondern viel mehr mit dem starken Bedürfnis, mir alles mal grundlegend neu und selbst zu sortieren, in zum Teil ganz andere Arten von Schubladen.

So entstand im März der Text  Ich wünsche mir das Gute. Aber gibt’s das auch ohne Esoterik? in web.de (die Diskussion dazu lief aber hier im Blog). Auf die Gentechnik gehe ich in diesem Text zwar nur in zwei Sätzen ein, aber es war der erste, grundsätzliche Versuch zu klären, warum mir der Verlauf des Meinungsgrabens hierzulande so komisch vorkommt.

Es ist mir nämlich unmöglich mich zu entscheiden zwischen Schul- und Alternativmedizin oder zwischen Bio- und konventionell oder zwischen Technik- und Natur-Verbundenheit, weil die Seitenverteilung hüben und drüben vom Graben mir schon so unsinnig erscheint.

Im Frühjahr und am Sommeranfang versuchte ich, dieses grundsätzliche Gefühl der unpassenden Kategorien anhand verschiedener Themen besser zu verstehen und auszuformulieren.

Seit Juli hat sich diese Auseinandersetzung für mich nun vor allem auf das Thema Gentechnik konzentriert. Es fing an mit dem Text Ist Gentechnik schädlich? (web.de), in dem ich einen Anlauf nahm um zu erklären, warum ich akzeptieren kann, dass Leute Gentechnik ablehnen, obwohl es keine wissenschaftlichen Gründe dafür gibt. Und warum für mich klar ist, dass diese Ablehnung eh moralischer Natur ist.

Dieser Artikel führte zu langen, erhitzten Diskussionen in den Kommentar-Spalten hier im Blog, in denen Gentechnik-Gegner heftig bestritten, dass ihre Ablehnung rein moralische Gründe habe.

Durch eine damit verbundene Unterhaltung bei Twitter, die sich um die Gründe drehte, warum man gentechnisch veränderte Pflanzen ablehnen kann, wurde ich auf eine ARD-Fernseh-Doku aufmerksam gemacht. Diese lieferte den Stoff für den nächsten Text: Geliebtes Feindbild Gentechnik – Mein Kommentar zu „Die Propaganda-Schlacht um die Gentechnik“ – einen langen, sehr kritischen Artikel mit dem Fazit, dass die Argumentation in diesem Film erschreckend populistischer Logik folgte.

Durch die Auseinandersetzung mit dieser Doku kam mir erstmals der Gedanke, ob diese Art der Gentechnik-Ablehnung nicht Teil einer viel gefährlicheren Entwicklung sein könnte, als ich bisher dachte.

Derart sensibilisiert erreichte mich eine Nachricht, die mich noch mehr beunruhigte und zum nächsten Blog-Beitrag führte: Bitte? Welche Lobby fordert grad die Abschaffung wissenschaftlicher Beratung in der EU? Und nachdem ich eine Woche später festgestellt hatte, dass in Deutschland so gut wie gar nicht darüber berichtet wird, schrieb ich den Beitrag: Selbst die Australier sind über den EU-Streit Greenpeace vs Wissenschaft besser informiert als die EU-Öffentlichkeit selbst.

Ein weiterer Text zum Thema folgte, als ich entdeckte, dass CEO, eine der neun Nicht-Regierungsorganisationen, die die Abschaffung der Wissenschaftlichen Beraterin gefordert hatten, sich öffentlich über den Gegenwind gerade von „Sense about Science“ wunderte. Schließlich würde doch auch „Sense about Science“ Kritik üben, wenn Wissenschaft durch ökonomische Interessen verzerrt sei, so CEO.

Es war mir daher wichtig, den grundsätzlichen Unterschied in der Weltsicht zwischen „Sense about Science“ auf der einen und NGOs wie CEO auf der anderen Seite zu zeigen. Erstere wollen mit ihrer Kritik die Wissenschaft neutraler und besser machen. Letztere aber nutzen den Vorwurf der ökonomischen Verzerrung, um das Vertrauen in Forschung zu schwächen, bei der nicht das rauskommt, was sie erwarten: Von Ideologie korrumpiert – wenn Naturschutz und Transparenz die falschen Anwälte haben.

Diese fünf Artikel könnten vielleicht interessant sein für neue Leser, die verstehen wollen, wie ich zu meiner Haltung gekommen bin. Wahrscheinlich hätte ich früher selbst einen Text wie Wir dulden Hass in unserer Mitte – wenn er grün ist als total übertrieben abgetan. Aber mein neu sortierender Blick und die Themen des letzten halben Jahres lassen mich die Sache inzwischen sehr viel ernster sehen.

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