Bärendienst für die Neurokriminologie

Hat Gewalt und Verbrechen biologische Ursachen? Wem bei der Frage schon der Nazi-Alarm geht, hat Recht. Das Thema ist verbrannt. Aber er hat auch Unrecht. Denn die Forschung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass wir Ideologie endlich von Wissen trennen sollten. Die Kenntnis medizinisch-biologischer Faktoren sollte – neben den sozialen – eine wichtigere Rolle bei der Kriminal-Prävention spielen als bisher.

Leider tun Neuro-Kriminologen ihrem Feld keinen guten Dienst, wenn sie – statt die Fakten für sich sprechen zu lassen – es schaffen, wirklich alle Vorurteile gegenüber „Biologisten“ zu bestätigen. Paradebeispiel: Psychiater und Hirnforscher Adrian Raine in seinem Buch „Anatomy of Violence“, das ich für die Mai-Ausgabe der Lab Times rezensiert habe (englischsprachigen Magazin mit „News for the European Life Sciences“).

Zehn Kapitel lang setzt Raine mit Hilfe einer Menge Studien und Daten ein aussagekräftiges Bild davon zusammen, wie Genetik und Hirnentwicklung, Krankheiten und Verletzungen, Ernährung und Gifte zur Entwicklung von antisozialem Verhalten beitragen können, nur um im letzten Kapitel alles damit zu versauen, dass er seine persönliche, schräge Science-Fiction-Vision einer Welt vorstellt, in der Verbrechen verhindert werden bevor sie passieren.

Hier geht’s lang zum PDF der Rezension: Minority Report – Book Review on The Anatomy of Violence

Trotz Rant: Wer in der Lage ist, das letzte Kapitel auszublenden, dem würde ich das Buch empfehlen. Ich jedenfalls fand die ersten zehn Kapitel bereichernd. Danach kann man ja aufhören zu lesen…

Nachtrag: Inzwischen gibt es das Buch auch als Taschenbuch:

Die Cover-Links führen zu Amazon, an deren Partnerprogramm ich teilnehme. Mehr dazu im Werbedisclaimer.

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