Die Blüten der Sentimentalität

Dieser Text erschien im April 2014 im gemeinsamen Nachrichten-Portal von web.de, gmx und 1&1. Weil der Blogbereich dort jedoch im April 2018 eingestellt wurde, gibt es den Beitrag jetzt hier im Volltext (vorher waren hier nur Teaser und Link).

Buschwindröschen1

Ich habe ein Faible für zarte Frühlingsblumen. Zumindest seit ich Mutter bin. Auch dieses Jahr musste ich mich wieder für sie zum Affen machen. Denn die Kamera zeigt ihre elegante Schönheit erst, wenn sie ganz nah dran ist.

Es muss was mit dem Muttersein zu tun haben. Nach meiner  Beobachtung wird im Hirn von Babymamas irreversibel etwas so
umgebaut, dass dann selbst die Sprödesten und Burschikosesten heimlich seufzen vor Wonne, wenn süße Tierbabys im Fernsehen gezeigt werden. Mein Hirn jedenfalls haben die Hormone von zwei Schwangerschaften so auf Hingabe an das Kleine und
Schutzbedürftige gebürstet, dass jetzt sogar die Zartheit der Frühlingsblumen mich im Herzen rührt.

Wenn man als Kind Regenwürmer und Kellerasseln gesammelt hat und seine Zeit als Jugendliche und junge Erwachsene damit verbracht hat, abwechselnd möglichst locker oder möglichst morbide rüberzukommen, ist diese einsetzende Sentimentalität natürlich einigermaßen schockierend. Da ich jetzt aber fast zehn Jahre Zeit hatte, mich daran zu gewöhnen und meine Pubertät nun auch lang genug her ist, wage ich es, damit aufzuhören, diese Anwandlungen zu verstecken.

Neuerdings ist also jegliche Scham über Bord geworfen und ich krieche im Frühjahr sogar bäuchlings auf der Erde herum, um die
Schönheit der kleinen Blümchen mit der Kamera einzufangen. Besonders haben es mir diejenigen Pflanzen angetan, die ihre kurze Zeit zu Füßen der Bäume nutzen, bevor diese austreiben und den Boden unter sich wieder verschatten.

Dieses Jahr war es das Buschwindröschen, das mich dazu brachte, mich auf den Waldboden zu werfen. Zur Erheiterung der Verwandtschaft übrigens, die meinte, ich sei richtig getarnt gewesen mit meiner langen, braunen Jacke.

Letztes Jahr war es ein anderer Favorit von mir, der zart-lila Lerchensporn, der mich zu fotografischem Ehrgeiz trieb.
Gemeinsam haben die beiden, dass sie von Weitem mehr als unscheinbar sind. Das sprichwörtliche Mauerblümchen. Aber von Nahem! …
Ach… *seufz*…. *Kopf-auf-die-Seite-leg*

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