Lesefreude-Nachlese und Netzgemüse

Bei der Aktion Blogger schenken Lesefreude habe ich ja nicht nur zwei Bücher verlost, sondern selbst auch zwei gewonnen. Hier kommen meine Rezensionen:

Mein deutsches Dschungelbuch*von Wladimir Kaminer (gewonnen im Könniginnenreich von Regina) ist eine Geschichten-Sammlung von den Lesereisen des Autors – in von Kaminer gewohnter Weise lapidar zusammengestellt aus genauer Beobachtung echter Absurditäten gemischt mit ausgedachten Absurditäten, bei der ich aber nie sicher bin, wo genau die Realität aufhört und die Fantasie anfängt. Bei der Hälfte der Geschichten schwappte Kaminers besondere, schulterzuckende, russische(?) Schwermütigkeit auf mich über, in der anderen Hälfte der Geschichten überwog aber der Witz und überraschte mich an unerwarteten Stellen.

Das Schweigen der Miss Keene*(gewonnen bei Steffis Bücherkiste) ist ein Liebesroman von Julie Klassen. Ein Jane-Austen-mäßiger. So richtig mit Gouvernanten und Geheimnissen. So einer für’s Gemüt, bei dem ganz klar ist, dass sich am Ende die Richtigen kriegen. Wenn sie denn mal all diese ganzen Intrigen und Missverständnisse, Standesgrenzen und alten Familientraumata aufgearbeitet haben. Bis dahin dürfen sich die Protagonisten das ganze Buch lang heimlich begehren und bei zufälligen Berührungen erzittern. Jaha, ein ganzes, dickes Buch lang! Stolz und viktorianische Sittsamkeit sei Dank! Herrlich… 🙂

Wenn wir schon bei nicht-biologischen Büchern sind  dachte ich stelle ich doch gleich mal das dritte Buch vor, das ich gerade zu Ende gelesen habe: das Netzgemüse*Das habe ich nicht gewonnen, sondern mir von Amazon ganz höchstselbst gekauft und – dem Thema angemessen – auf meinen Kindle gezogen. Es geht schließlich um Digitalisierung, wenn auch die der Kinder. Denn Netzgemüse ist ein Erziehungsratgeber zur – wie der Untertitel sagt – „Aufzucht und Pflege der Generation Internet“. Darin gewähren die Haeuslers, (Tanja und Johnny von Spreeblick) einen Einblick in die Erziehung ihrer zwei Söhne, was Internet, Smartphones und Videospiele angeht. Unaufgeregt, pragmatisch und seeehr sympathisch.

Ich kaufe mir ja, wenn überhaupt, dann nur Ratgeber, die mich das bestätigen, was ich eh schon denke und mache – oder zumindest versuche. Weil das bei anderen Leuten nicht viel anders ist, werde ich hier auch keinen umstimmen, der sich von alarmistischen Büchern wie „Digitale Demenz“ angezogen fühlt und ihn davon überzeugen, sich stattdessen „Netzgemüse“ zuzulegen. Wer sich erzählen lassen will, dass das Internet böse ist und wir alle durch zuviel digitale Denkhilfen im Alltag total verdummen, dem sei das Spitzer-Buch gegönnt.

Ich aber lasse mir viel lieber von den Haueslers bestätigen, dass Medienerziehung etwas Aktives, etwas Gestaltetes sein kann. Etwas, was mit Vertrauen zu tun hat. Mit Kontrolle und Regeln auch. Aber vor allem mit Vertrauen. In sich selbst und die Kinder.

Es sei also stattdessen allen Kultur-Optimisten ans Herz gelegt, die ahnen oder sich sogar wünschen, dass man genauso unbefangen über digitale Spiele reden kann wie über den Schwimmbadbesuch oder das Malen, Basteln, Kneten. Für Pragmatiker, die wissen, dass Kinder ganz selbstverständlich beides tun: mit allen Sinnen und ganz körperlich Erfahrungen sammeln UND die virtuellen Welten erkunden.

Es sei denen empfohlen, die sich eh‘ über die erhobenen Augenbrauen und Zeigefinder wundern und sich fragen, warum nicht beides normal sein darf: Auf-Bäume-Klettern UND auf virtuelle Monster schießen. Mit Lego bauen UND mit SuperMario durch die Level springen. Fußball spielen UND im Chat rumalbern. Als würde sich das irgendwie gegenseitig ausschließen.

* mit dem Sternchen kennzeichne ich Partner-Links im Text (mehr dazu im Werbe-Disclaimer)

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