Rätsel: Achtung, gelber Schnee!

Exkursion Spuren im Schnee – mal anders

Wenn – wie jetzt – Schnee liegt, hat man als Erziehungsberechtigte die gewichtige Aufgabe, seinen Kindern ein weiteres Stück tradiertes Menschheitswissen weiterzugeben, das da heißt: Hände weg vom gelben Schnee!

Man ruft z.B.: „IH, nein, den Schnee hier BITTE nicht zu Schneebällen machen! Ihr weißt doch, wieso der gelb ist!“ Mein 8-Jähriger, vorpubertär augenrollend: „Jahaaaa, Mama!“ Mein 5-Jähriger, noch etwas geduldiger mit mir: „Ja, Mama, Hundepipi, ich weiß!“

Wenn sie mir so „Ach, Mama“ kommen, würde ich ihnen gern mal was Originelleres erzählen, wie: „Neihein, DIESER gelbe Fleck hier scheint mir von einer Riesen-Ameise zu sein!“ Damit hätte ich bestimmt ihre volle Aufmerksamkeit. Besonders, wenn ich ihnen diese Skizze zum Beweis vorlegen kann, die das mutierte Monster-Insekt zeigt, wie es grad sein Bein hebt.

He, was guckstu? Noch nie ne pinkelnde Ameise gesehen?

Dass Mama in diesem Fall verrückte Sachen erfindet, ist den Jungs nach einem Moment des Stirnrunzelns schnell klar, schließlich gibt es keine Monster. „Nur in Geschichten!“ betonen wir ja immer, um zu verhindern, dass sich eins der furchterregenderen Exemplare unterm Kinderbett ansiedelt.

Aber was wäre, wenn ich den Monster-Part weglasse? Wenn ich sie frage: „Ernsthaft, habt ihr schon mal ’ne Ameise pinkeln sehen? Pinkeln die überhaupt?“

Leider sind die Jungs noch ein biiiisschen zu klein für solche Rätsel-Aufgaben. Aber wozu hat man denn ein Blog? Also, hier die Rätselfrage an euch:

Pinkeln Ameisen?

Und: Wenn nein, wie werden sie dann los, was wir beim Pinkeln ausscheiden? Wenn ja, ist ihr Urin dann auch so gelb wie unser Urin und der der Hunde?

Los geht’s, Leute, hinein ins Rätsel-Abenteuer… auf die Plätze, fertig… google!

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7 Gedanken zu „Rätsel: Achtung, gelber Schnee!“

  1. Wuhu, Glückwunsch zum 100sten Blogeintrag!!! 🙂

    Ansonsten, ja, Ameisen können pinkeln. Anstatt unseren Wirbeltiernieren haben sie Malpighischen Gefäße über die z.B. die Harnsäure abgegeben wird. Der pH-Wert liegt jedoch deutlich tiefer als bei uns und die Harnsäure kann (meines Wissens und einer oberflächlichen Googlesuche nach) kristallin und fast trocken abgegeben werden, wenn im Enddarm noch benötigtes Wasser zusammen mit Natrium und Kalium-Ionen den Ausscheidungsprodukten wieder entzogen wird. Wenn Ameisen viel trinken, müssen sie aber auch viel pinkeln – hier sei dazu z.B. auf großartige Paper wie „Communal peeing: a new mode of flood control in ants“ verwiesen. In diesem Fall denke ich, ist der „Urin“ so farblos wie bei uns, wenn wir viel trinken. Ansonsten: Gute Frage zur Farbe, man sagt ja, dass ein Großteil der Urochrome bei uns Abbauprodukte des Hämoglobins sind, welches die meisten Landinsekten höchstens im sehr geringen Umfang haben. Außerdem werden ja alle Exkremente über den selben Enddarm ausgeschieden, so dass eine Unterscheidung da schwer fällt. Meine Stabheuschrecken z.B. haben somit hinten häufiger mal dunkelgrüne Tropfen abgegeben. 🙂

  2. Danke für die Glückwünsche, Kornel. Und klasse Rätsel-Antwort! Ich hätte ja behauptet, Ameisen pinkeln NICHT, weil’s wie bei den Vögeln alles aus einer Öffnung kommt und eben dickflüssig bis trocken ist. Aber dank dir weiß ich jetzt, dass zumindest die ollen Bambus-Ameisen aus Malaysia auch mal nur Urin ausscheiden. Zwar aus dem Darm, aber wollen wir mal nicht so sein. Wenn die so heldenhaft ihre Nestüberschwemmung einfach wegtrinken und draußen als Tröpfchen ausscheiden, dann dürfen sie das auch mal Pinkeln nennen. Ob sie dabei das Beinchen heben? … 😉

    Was die Farbe angeht, hätte ich ja vorher gesagt, dass sich das nicht beantworten lässt, weil sich Urin und Kot immer mischen. Hätte aber auch getippt, dass der Inhalt der Malpighi-Gefäße farblos ist, weil Insekten als Tracheenatmer kaum Sauerstoffträger brauchen und daher über ihren Urin ja kein Hämoglobin loswerden müssen.

    Aber deine Bambus-Ameisen haben mir keine Ruhe gelassen, denn wenn so viel Urin ausgeschieden wird, dass gar kein Kot dabei ist, dann könnte man ja doch was sagen zur Farbe. Hab dann über Google Books auch ein anderes Beispiel gefunden, wo ein Insekt in kurzer Zeit viel Flüssigkeit los werden muss und wo etwas zur Farbe des Urins gesagt wird:

    Im Band 1 des Lehrbuchs der Entomologie von Dettner und Peters steht über die südamerikanische Raubwanze Rhodnius prolixus, dass sie bei ihren Blutmahlzeiten bis zum 6-fachen ihres Körpergewichts aufnimmt. Und dass das im Blut enthaltene, überschüssige Wasser „als klarer Harn über den After ausgeschieden“ wird.

    Was die Wanze wiederum mit all dem Hämoglobin macht, dass sie aufgenommen hat? Tja, kaum hat man eine Frage beantwortet, taucht mindestens eine neue auf. Schlimm ist das… 😉

  3. Was die Wanze wiederum mit all dem Hämoglobin macht, dass sie aufgenommen hat?

    Ein paar Proteasen draufwerfen. 🙂

    Sonst wäre auch komisch, dass gerade die Zuckmückenlarven (mit viel Hämoglobin) eine Mama haben, die gar keine blutsaugende Mücke ist… 😉

  4. Aber die Frage war vermutlich, warum gerade die Wanze klaren Harn hat, obwohl beim Abbau des Hämoglobins viele der auch bei uns üblichen Urochrome anfallen müssten? Ich vermute, weil dieser Abbau viel länger dauert als die Blutmahlzeit und das Wasserausscheiden. Sind doch mal spannende Forschungsthemen… 😉

  5. Ja, spannend, nicht? Hab sogar was gefunden dazu. Blutsauger haben ein Riesen-Problem mit Hämoglobin. Wenn sie es aufnehmen und abbauen, wird nämlich jede Menge Häm frei und das ist toxisch für Zellen. Damit ihnen ihre Darmwand nicht hops geht, müssen alle Blutparasiten das Häm irgendwie unschädlich machen.

    Seit ’99 weiß man, dass die Rhodnius-Wanze das Problem genauso löst wie die Malaria-Erreger: indem sie Hämozoin draus machen. Das Zeug ist in Wasser unlöslich und bildet braune Kristalle, die schon seit 1847 aus den Körpern von Malaria-Kranken bekannt sind. Im Darm von Rhodnius wird das Hämozoin aber noch weiter abgebaut zu einem Rhodnius-spezifischen Biliverdin (steht hier).

    Molekular ist’s also am Ende doch ähnlich wie bei uns. Was aber dann damit passiert, dazu hab ich nichts mehr gefunden. Nehme an, es wird mit dem Kot ausgeschieden. Allerdings gibt’s auch alte Berichte, dass die Eier von Rhodnius nach Blutmahlzeiten rosa sind und der Farbstoff ein Abbauprodukt von Hämoglobin ist. Demnach würde davon statt das Pipi gelb, das Wanzen-Ei rosa. Das ist doch auch lustig.

  6. Blutsauger haben ein Riesen-Problem mit Hämoglobin. Wenn sie es aufnehmen und abbauen, wird nämlich jede Menge Häm frei und das ist toxisch für Zellen.

    Und genau das macht man sich ja auch z.B. beim Malaria-Erreger zu nutze, um ihn zu bekämpfen. Und ja, spannend ist das alles. (Neben deinem Blog habe ich ja auch eine Weile gern in Parasite of the Day gelesen, allerdings nicht mehr in letzter Zeit – in 2010 hatten die tatsächlich jeden Tag einen neuen Parasiten vorgestellt. 😉 )

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