Schatz, hilfst du mir mal beim Sequenzieren?

Ich kenne ja die Liebe meines Gatten für alles Technische, aber diese Frage überraschte mich doch etwas: „Sag mal, sollen wir uns nicht einen Sequencer kaufen? Wie viel kostet so was eigentlich?“ – „Äh, du meinst, für DNA?“ – „Ja, genau.“ – „Äh, uuund… wen oder was genau möchtest du sequenzieren?“

Mein Mann und ich haben ja öfter Gespräche darüber, welche Geräte oder Werkzeuge wir anschaffen wollen. Wenn es dabei um sowas wie einen Kaffeevollautomaten oder eine Markise handelt, erfreuen wir uns einer breiten gemeinsamen Grundlage in der Einschätzung, was ebenso nützlich wie erschwinglich ist (beim Kaffee führte das übrigens zu einem Nein, bei der Markise zu einem Ja).

Geht es um Werkzeuge oder elektronische Geräte, offenbaren sich bei uns jedoch große Wahrnehmungsunterschiede. So sind wir über die Alterungsgeschwindigkeit von Handys und Computern eher geteilter Meinung. Ein Satz wie: „Du brauchst einen neuen Rechner. Der ist doch schon zwei Jahre alt“ blieb mir lange unverständlich. „Was? Der ist doch super“, hätte ich früher ausgerufen. Heute frage ich nur noch, welches Nachfolgegerät er mir denn empfehle. Und genieße, dass er sich um solche Dinge wie Installation, Datensicherung und Virenschutz kümmert.

Auch übe ich mich in Dankbarkeit und Bewunderung, dass er die erwähnte Markise selbst anbringen kann, ohne dass uns das schwere Ding danach auf den Kopf zu fallen droht. Ich hätte allerdings vermutet, er habe sich das Riesengerät, mit dem er die Löcher für die Aufhängung bohrte, im Baumarkt geliehen. Weit gefehlt! „Nein, nein, so was kann man immer mal brauchen.“ – Ich grinse nur: „Ach so?“

Die Fragen nach dem Sequencer hatte jedoch ein ganz neues Format. Für manche Labor-Geräte fällt auch mir im Haushalt eine sinnvolle Anwendung ein. Ein Magnet-Rührer könnte sich vielleicht bei der Zubereitung von Milchreis oder Risotto nützlich machen. Auch ein Mikroskop fänd‘ ich toll, um mir mal Schnipsel meines Essen anzuschauen oder den Staub unter unserem Bett. – Aber ein Sequencer?

Glücklicherweise hat Bastian Greshake sich in seinem Blog „Bierologie“ gerade dem Thema DNA-Technologie für zu Hause angenommen. Anfang Juli beschrieb er, wie man mit Haushaltsmitteln DNA aus seinem Essen isoliert. Vor einer Woche legte er mit einem Beitrag über DNA-Vervielfältigung in der Küche nach, in dem er Open Source Selbstbau-Lösungen für PCR und Gelelektrophorese vorstellt (was das ist, erklärt er natürlich auch gleich). Er schließt mit den Worten: „Und Open Source DNA-Sequencer werden bestimmt auch irgendwann bezahlbar.“ Er verlinkt dabei auf die Webseite des Polonators, eines Next-Generation-Sequencer, entwickelt in Kollaboration mit einer AG der Harvard Medical School, der – wie die FAQs verraten, und jetzt kommt’s – für den Preis von 170.000 US-Dollar zu haben ist.

Ich muss es zugeben: Ich war ein wenig erleichtert, dass so ein Polonator „noch nicht bezahlbar“ ist. Ich hatte mich in einer kurzen Vision ja schon nach Hause kommen sehen, stolpernd über einen blinkenden Kasten in der Küche, den mein Mann kommentiert mit einem lapidaren: „Och, so einen Sequencer kann man immer mal brauchen…“

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