Von coolen Dinos und langweiligen Hühnern

zwei Spielzeug-Dinos schauen sich anMeine Jungs liiieben Dinos. Mal lassen sie respekteinflößende Riesen-Brachiosaurier gegen wild-gefährliche Allosaurier kämpfen. Mal verwandeln sie sich selbst in einen Fleischfresser und erklären Andere fauchend zu ihrer Beute. Dann wieder graben sie als Forscher versteinerte Dino-Eier aus dem Sandkasten, die nur uneingeweihte Mütter mit normalen Steine verwechseln können.

Warum ich das erzähle? Nun, ich bin mir nicht ganz sicher, ob es nicht vor allem meine Erlebnisse als Jungs-Mutter sind, weswegen mich das Video „Building a Dinosaur from a Chicken“ bei TED.com so amüsiert hat. Es ist der Vortrag des Paläontologen Jack Horner über seine vergeblichen Versuche Dino-DNA aus Fossilien zu gewinnen. Was daran lustig ist und was das mit kleinen Jungs zu tun hat, guckt man sich am besten selbst an.

Aber für Leser, die zu wenig Zeit haben oder das auf Englisch zu mühsam finden, hier eine sinngemäße Zusammenfassung: Also, es will einfach nicht klappen mit dem Wiederbeleben der Dinos, weil die DNA schon zu zersetzt ist. Aber wer braucht schon Jurassic Park, wenn er Vögel hat. Schließlich sind das auch nichts Anderes als Dinos. „Wir brauchen keine Dinos, wir haben sie doch schon.“ (lange Kunstpause…immer mehr Lacher aus dem Publikum). „Was? Ihr seid ja nicht besser als die Schüler, die sagen: ‚Guck dir doch mal den Velociraptor an. Der ist cool. Das Huhn ist es ja wohl eindeutig nicht.'“

„Was soll ich machen? Es bleibt mir nichts Anderes übrig. Ich muss das mit dem Huhn in Ordnung bringen, es cooler machen.“ Und wie kriegt er das hin? Über Mutationen und Zucht? Über Transgenese, also das Einführen von Genen anderer Tiere? Neiein, Horners Lösungsvorschlag lautet: Atavismen. Das sind stammesgeschichtlich ältere Eigenschaften, die man genetisch „wiedererwecken“ kann. Bei uns wäre das etwa ein Fell oder ein Schwanz.

So wie wir spart sich auch der Vogel im Gegensatz zu seinen Verwandten eine Verlängerung der Wirbelsäule zum Schwanz. In der Embryonalentwicklung des Vogels wird der Schwanz erst angelegt wie bei anderen Sauropsiden, dann aber wieder abgebaut. Wenn die Forschung alle Details dieses Abbaus aufgeklärt hat, könne man ihn auf Gen-Ebene verhindern, erzählt Horner. Auf dem selben Wege könnte man den Hühnern Zähnen wachsen lassen. Alle Gene für die Zahnentwicklung haben die Vögel eigentlich noch, nur wird ihre Ausbildung normalerweise unterdrückt. Aber auch das ließe sich ändern, meint Horner.

Und mit diesen zwei Veränderungen hätte man schon richtig was geschafft, auf dem Weg zur Coolness. Ja, mit Zähnen und langem Dino-Schwanz wäre so ein Huhn schon richtig cool. Ein „Chicken-o-saurus“ sozusagen… 😉

Fazit: Ein Paläontologe, der mit Forschungsergebnissen aus Knochen und Molekülen kreativ und humorvoll rumspinnt. So kann Edutainment auch aussehen.

 

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